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Friedrichsberg in Schleswig : Mit Regenschirmen gegen den Krähen-Kot

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Krähen an der Mansteinstraße in Schleswig sind für Anwohner wie Florian Schütt eine Plage geworden.

von
erstellt am 07.Mai.2016 | 09:49 Uhr

Schleswig | Wer sich dem Schleswiger Bahnhof nähert, kann es nicht überhören: Das Krächzen aus der Luft und aus den Baumwipfeln. Wer nach oben blickt, sieht sie: Unzählige Saatkrähen, die im kleinen Park an der Mansteinstraße und auch an den Bahngleisen seit mindestens 20 Jahren ihr Zuhause haben. Davon wussten auch Florian und Marina Schütt, als sie vor vier Jahren mit ihren Kindern an den Hornbrunnen zogen – in die unmittelbare Nachbarschaft des Parks. „An die Geräusche gewöhnt man sich“, sagt der 31-jährige Familienvater. Die Schütts haben sich arrangiert. Wenn sie mit ihren Kindern durch den Park gehen, spannen sie auch bei Sonnenschein ihre bunten Regenschirme auf – als Schutz vor dem Vogelkot, mit dem man auf Schritt und Tritt rechnen muss.

Was Florian Schütt aber zunehmend stört, sind die Krähenkadaver, die er immer wieder am Wegesrand entdeckt. „Das ist doch eine Gesundheitsgefahr – gerade für die Kinder.“ Er wünscht sich, dass die toten Vögel regelmäßig beseitigt werden. Deshalb habe er sich an die Stadtverwaltung gewandt, aber ohne Erfolg. Rathaus-Sprecherin Antje Wendt weist unterdessen darauf hin, dass die städtischen Umweltdienste den Park regulär einmal in der Woche säubern und jetzt in der Brutzeit sogar noch häufiger.

Die Krähen an der Mansteinstraße sorgen schon seit langem für Diskussionsstoff – auch weil der evangelische Kindergarten Hornbrunnen direkt am Park liegt. Der dänische Kindergarten, den die Schütt-Kinder Laila und Kalle besuchen, ist ebenfalls gleich um die Ecke.

Über Jahrhunderte befand sich eine Krähenkolonnie auf der Oldenburg, dem Hügel an der B 76 zwischen dem Friedrichsberg und Fahrdorf. Bei manchen Schleswigern ist die Oldenburg noch heute als „Krähenberg“ bekannt. Rund 20 Jahre ist es her, schätzt Hans-Jürgen Boeck vom Naturschutzbund, dass die Kolonie den Hügel verließ – und sich teilweise an der Mansteinstraße ansiedelte. Die Ursache sei schwer zu klären. „Vielleicht wurden die Vögel durch irgendetwas oder irgendwen gestört.“

Seither hat es verschiedene Versuche gegeben, die Krähen aus ihrer neuen Heimat zu vertreiben. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt zum Beispiel einen Falkner bestellt. „Das war nur zeitlich punktuell erfolgreich“, sagt Antje Wendt. „Die Krähen sind umgehend zurückgekehrt, sobald der Falke verschwunden war.“ Auch das Entfernen der Nester sei nicht erfolgreich gewesen, weil die Krähen sehr schnell wieder neue Nester bauten.

Die Stadtverwaltung hat im vergangenen Jahr die Bänke und die Spielgeräte im Park so versetzt, dass sie nicht mehr direkt unter den Bäumen stehen und nicht mehr so stark durch Kot verschmutzt werden. „Das hat wirklich geholfen“, sagt Florian Schütt. Die Wege durch den Park freilich, die lassen sich nicht so einfach verlegen. So werden die Schütts auch in diesem Sommer ihre Regenschirme aufspannen, wenn sie zum Spielplatz gehen.

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