Schleswig-Flensburg : Mit Ökokonten der Natur helfen

Fünf Teiche hat Arno Ausmus auf seinem Land bei Wallsbüll angelegt, um den Wert seines Ökokontos zu erhöhen.
Fünf Teiche hat Arno Ausmus auf seinem Land bei Wallsbüll angelegt, um den Wert seines Ökokontos zu erhöhen.

Radweg, Windkraft, neue Gebäude – Eingriffe in die Natur können durch ökologische Aufwertungen an anderer Stelle ausgeglichen werden. Die Abrechnung erfolgt über Ökokonten.

shz.de von
19. Januar 2015, 12:45 Uhr

Wenn eine Gemeinde einen Radweg anlegt, ein Landwirt einen neuen Stall baut oder ein Unternehmen eine neue Halle errichtet, geht der Natur Fläche verloren – und dieser Verlust muss laut Gesetz ausgeglichen werden. Investoren haben dafür drei Möglichkeiten: selber eine Fläche zu erwerben und sie ökologisch aufzuwerten; eine Ausgleichzahlung an den Kreis zu leisten, der das Geld für Naturschutzmaßnahmen einsetzt, oder: eine ökologische Aufwertung von einem Dritten auf dessen Flächen vornehmen zu lassen – und ihn dafür zu bezahlen. Basis für den dritten Weg bilden so genannte Ökokonten. Landwirt Arno Asmus (49) aus Wallsbüll hat ein solches Ökokonto eingerichtet und bietet Investoren damit die Möglichkeit, ihre Ökoschulden durch den Kauf von seinen Punkten zu begleichen.

Ökokonten können eingerichtet werden für Flächen, meist landwirtschaftlich genutzt, die ökologisch aufgewertet werden. Der einfachste Fall einer Aufwertung sei die Umwandlung einer Ackerfläche in Grünland, erläutert Anna Lena Sopp von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises und zuständig für die Verwaltung der Ökokonten. Aus dem Grad der Verbesserung errechne sich der Punktestand des Kontos. Für die einfache Umwandlung von einem Quadratmeter Ackerland in Grünland gibt es einen Punkt, ein Hektar entspricht 10  000 Ökopunkten. Zum Basiswert könnten zusätzliche Punkte durch weitere Aufwertungen etwa durch das Anlegen von Kleingewässern, zusätzlichen Knicks, Gehölzen oder Totholzbereichen erlangt werden. Beim Einrichten eines Ökokontos wird der aktuelle Zustand der Fläche bewertet, das Ziel der Aufwertung festgelegt und vertraglich festgeschrieben. In der Regel wird hierfür ein Gutachterbüro eingeschaltet.

Wie viel Ausgleich ein Investor für einen Eingriff zu leisten hat, richtet sich ebenfalls nach den örtlichen Gegebenheiten. Für eine Windkraftanlage im Kreis wurden beispielsweise 13  000 Punkte veranschlagt, für einen Bürgerwindpark mit zwölf Anlagen wurden 204  000 Punkte fällig. Durch die Möglichkeit, Ackerland ökologisch aufzuwerten, ohne zusätzliche Fläche zu beanspruchen, trügen die Ökokonten dazu bei, den derzeit herrschenden Druck aus dem Markt für landwirtschaftliche Flächen zu nehmen, erklärt Sopp. Es sei viel effektiver, gezielte hochwertige Verbesserungen auf wenigen Flächen vorzunehmen, als viele Flächen aus der Landwirtschaft herauszunehmen, die Natur dafür aber kaum zu verbessern. Außerdem habe man so ein marktwirtschaftliches Instrument für den Naturschutz geschaffen, das ohne staatliche Vorgabe auskomme, denn der Preis für die Ökopunkte sei frei verhandelbar. Die Ausweisung eines Ökokontos wird im Grundbuch festgehalten, denn die Maßnahmen gelten langfristig. Die angelegten Biotope unterliegen ohnehin dem gesetzlichen Schutz.

Biolandwirt Arno Asmus hat auf den 20 Hektar, die er für sein Ökokonto angemeldet hat, unter anderem fünf Teiche angelegt, Sandflächen geschaffen und Steinhaufen für Eidechsen aufgeschüttet, den Schutzstreifen entlang der Kicks um einige Meter verbreitert und zum Schutz vor Wildtieren dafür fünf Kilometer Zäune gezogen. Die Maßnahmen sind mittlerweile abgeschlossen. Für Asmus ist das Ökokonto ein Bestandteil seines Betriebskonzeptes. „Zu unserem Biobetrieb mit extensiver Nutzung passt der Vertragsnaturschutz gut“, sagt er. „Wir bewirtschaften die Fläche ja weiter, auch wenn wir sie extensiver nutzen.“ Er könne weiterhin Heu fürs Futter machen und Rinder weiden lassen.

Die Ökopunkte sind für ihn ein stimmiges Konzept. „Ich finde, das ist ein gutes, flexibles Instrument. Nun kann man mit Naturschutzmaßnahmen handeln.“

Für Asmus ist das Ökokonto nur ein Standbein, denn „reich wird man damit nicht“, sagt er. Rund 100  000 Euro habe er in die Aufwertung des Geländes investiert für Erdarbeiten, Pflanzen und das Setzen der Zäune. Bisher hat er erst einen Teil der Ökopunkte verkauft. Doch eilig hat er es damit nicht. „Die Punkte laufen mir nicht weg.“ Dank der drei Prozent Zinsen auf die Punkte pro Jahr sei die Investition inflationsgeschützt, und Investitionsprojekte, die Ausgleichsmaßnahmen erforderten, gebe es immer.

Neben Landwirten und der Stiftung Naturschutz unterhalten auch einige Gemeinden Ökokonten. Der Vorteil: Die Kommune hält für eigene Vorhaben Ausgleichsflächen vor und kann dadurch Kosten und Zeit bei der Planung einsparen.

Für das Amt Eggebek verwaltet die Gemeinde Eggebek ein Ökokonto für die Ausgleichsfläche in Tydal. Das Gelände wurde von den dänischen Pfadfindern für 30 Jahre gepachtet und ökologisch unter anderem durch das Anlegen von Teichen und das Auswildern seltener und bedrohter Pflanzen aufgewertet. Nahe Verwandte des Auerochsen sollen auf den Flächen weiden. „Für den Naturschutz ist das Gelände ein Aushängeschild“, sagt Klaus-Dieter Rauhut, Leitender Verwaltungsbeamte des Amtes Eggebek. Amt und Gemeinden profitierten von dem Konto, denn auch sie seien zu Ausgleichszahlungen verpflichtet, wenn neue Baugebiete ausgewiesen oder Radwege gebaut würden. Insgesamt seien in Tydal 23 Hektar so stark aufgewertet worden, dass sie nun 32 Hektar Ausgleichsfläche entsprechen. Die Fläche in Tydal sei bereits vollständig vermarktet, unter anderem für Betriebserweiterungen mehrerer Landwirte, den Bürgerwindpark Wanderup, als Ausgleich für den Bau eines Teils der 380-kV-Hochspannungsleitung und für die Konversionsfläche Eggebek. Im Amt suche man bereits nach weiteren Flächen, die sich zur Führung von Ökokonten eignen, ohne dafür Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausnehmen zu müssen. Denn so Rauhut: „Der Bedarf bleibt erhalten.“

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