Mit krankem Darm "fast normal leben"

Abschluss unserer Serie "Gesund werden!": Schlei-Klinikum und SN veranstalteten Info-Abend mit Chefarzt Professor Stefan Hellmig

Avatar_shz von
29. Oktober 2011, 07:17 Uhr

Schleswig | Große Sorge um Robin Gibb, heißt es derzeit in vielen Medienberichten. Der 61-jährige Sänger der legendären "Bee Gees" soll wegen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung "erschreckend abgemagert" sein. Doch nicht nur Robin Gibb, auch viele Schleswiger leiden unter chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Wie sich das Leben mit dieser Krankheit dennoch lebenswert und angenehm gestalten lässt, das wollten mehr als 200 Zuhörer am Donnerstag beim gemeinsamen Informationsabend von Schleswiger Nachrichten und Schlei-Klinikum mit Darmexperte Professor Dr. Stephan Hellmig wissen. Der Chefarzt für Innere Medizin und Gastroenterologie nahm ausführlich Stellung zu spezifischen Fragen der Besucher. Ein Ehepaar war extra aus Tönning angereist, um die Gelegenheit wahrzunehmen, neue medizinische Erkenntnisse vom Chefarzt erläutert zu bekommen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der SN-Serie "Gesund werden!" statt.

In seinem Vortrag ging Professor Hellmig auf unterschiedliche Behandlungstherapien ein: Auf die konservative Methode mit wirksamen Medikamenten und einer Ernährungsumstellung oder aber auf eine Darmoperation. "Doch Vorsicht", riet Hellmig, "nicht in jedem Fall gleich ans Messer gehen. Man weiß heute, dass häufiges Operieren an entzündeten Darmabschnitten letztlich nichts bringt." Bei einer Darmoperation liege die Kunst des Mediziners eben darin, den "optimalen Zeitpunkt dafür zu wählen". Vor dem Hintergrund aber, dass ein Arzt angesichts vieler Entzündungsherde nur bedingt einen beginnenden Darmkrebs erkennen kann, sei bei manchen Colitis-ulcerosa-Patienten eine komplette Entfernung des Dickdarms sinnvoll. "Und diese Patientengruppe muss nicht unbedingt Angst vor einem künstlichen Darmausgang haben, denn heutzutage gibt es bereits andere Möglichkeiten zur Rekonstruktion eines Ausganges."

Wie ein entzündeter Darm aussieht, zeigte Hellmig auch in seinem Power-Point-Vortrag. Beim Anblick einiger Bilder tat der Darm allerdings schon beim Hinschauen weh - sie gaben mit den vielen unschönen Entzündungsherden eine Ahnung davon, wie groß das Leid der Betroffenen sicherlich ist und wie schwer diese Darmkrankheiten die Patienten in ihrem Alltag belasten. Denn chronisch entzündliche Darmerkrankungen (abgekürzt: CED) sind mit häufigen blutigen Durchfällen verbunden, mit ständigem Stuhldrang sowie Schmerzen im linken Unterbauch. Und vor allem: Die Krankheit begleitet den Betroffenen sein Leben lang, in unterschiedlich starken Schüben. Eine Heilung ist nicht möglich. Dennoch floss im Vortrag von Darm-Experte Hellmig auch viel Hoffnung ein: "Mit einer gut auf den Patienten abgestimmten Therapie lässt es sich mit dieser chronischen Erkrankung fast normal leben."

Eines der wichtigen Therapieziele sei für ihn die Remission: "Das bedeutet, der Darm kommt zur Ruhe - durch Medikamente und angepasste Ernährung." Kortison gehört für Hellmig nicht zu den Mitteln der Wahl: "In der Dauerbehandlung versuche ich, meine Patienten komplett kortisonfrei zu halten."

Die richtige Diagnose zu stellen, um welche Form der entzündlichen Darmerkrankung es sich handelt, sei oft langwierig. Aufschluss aber geben Laboruntersuchungen von Blut und Stuhl, wie auch Ultraschall-Verfahren und Röntgenuntersuchungen. Die wichtigste Methode aber sei die Endoskopie, die Spiegelung, um Körperhöhlen und Hohlorgane zu betrachten. "Nur so kann man erkennen, wie schwer der Magen-Darm-Trakt befallen ist."

Auf großes Interesse stieß bei den Zuhörern auch ein weiterer Hinweis von Hellmig: Dass alternative Mittel eine nachgewiesene positive Wirkung erzielen. Beispiel: indische Flohsamenschalen. "Die quellen auf, binden Flüssigkeit, das hat einen sehr guten Effekt auf das Darmleben." Ebenso Kapseln mit einer probiotischen Mixtur.

Fast zwei Stunden wurde das Thema Darm und seine Probleme behandelt, viele Fragen wurden vom Chefarzt beantwortet. Ein dickes "Smiley" - gemalt auf den geplagten Unterbauch eines Patienten - sollte abschließend verdeutlichen, dass die Darmerkrankung bei richtiger Behandlung in den Griff zu bekommen ist.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen