Alternative zum Mais : Mit Hirschgras aus der Imagekrise

 Feldarbeit: Karsten Rothberg, Mitgesellschafter der Biogas-Anlage, erläutert Landwirten den Vorteil des Hirschgrases.
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Feldarbeit: Karsten Rothberg, Mitgesellschafter der Biogas-Anlage, erläutert Landwirten den Vorteil des Hirschgrases.

Biogaserzeuger aus Mittelangeln wollen mit einer Pflanze aus Ungarn vergleichbare Energieausbeute erzielen.

shz.de von
17. Juli 2015, 07:23 Uhr

Die Biogas-Branche sorgt sich um ihr Image. In der Öffentlichkeit ist immer wieder die Rede von großem Flächenverbrauch durch den Maisanbau, Monokulturen und Gefahren für Gewässer und Böden. Michael Roskothen aus Mittelangeln ist nicht nur Landwirt, sondern auch Mitbetreiber einer Biogas-Anlage. Und als solcher ist er seit Jahren auf der Suche nach Alternativen zum Mais. Mit seinem Geschäftsführer-Kollegen in der Biogas-Anlage Hof Obdrup steht er mit Saat-Herstellern in engem Kontakt und hat bereits zahlreiche alternative Energiepflanzen, wie beispielsweise die gelbblühende „durchwachsene Silphie“, getestet. Der entscheidende Durchbruch blieb bisher jedoch aus, da bislang keine Pflanze eine dem Mais entsprechende Energieleistung erbrachte. Doch nun scheint eine Alternative gefunden: „Hirschgras“.

Hirschgras stammt ursprünglich aus Ungarn und wird dort seit den 80er-Jahren unter anderem für die Papiererzeugung eingesetzt. Auch als Brennstoff hat sich geschreddertes Hirschgras ausgezeichnet bewährt. Inzwischen sind aber auch deutsche Saathersteller auf die Pflanze aufmerksam geworden, haben sie auf Versuchsfeldern angebaut und deren Ertragsmengen ermittelt. Rainer Casaretto von der Biogas-Akademie in Flintbek ist von dieser Pflanze begeistert. Das Hirschgras ist eine Dauerkultur, einmal gesät, bleibt sie zehn Jahre im Boden. Durch das bis zu zwei Meter lange Wurzelwerk ist die Pflanze humusbildend, verbessert über Jahre die Bodenstruktur und sorgt für ein sehr gutes Bodenklima für Kleinstlebewesen. Auch auf die Zugabe von Pestiziden kann fast vollständig verzichtet werden. Zweimal im Jahr, im Juni und September, wird das Gras, das eine Höhe von etwa zwei Metern erreicht, geschnitten.

Auch in Obdrup hat man in den vergangenen zwei Jahren gute Erfahrung mit dem Hirschgras gemacht. Als Zugabe zum Mais steigert es die Vielfalt der Bakterienstämme im Fermenter der Biogas-Anlage. Inzwischen wächst auf den Flächen Roskothens und Marxens in Mittelangeln auf 120 Hektar Hirschgras und liefert damit fast 50 Prozent des benötigten Grundsubstrats für die Biogasanlage.

Auch die Energiebilanz sei positiv, sagen die beiden. Hirschgras liefert etwa die gleiche Menge Energie wie Mais. Durch den zweifachen Schnitt im Frühsommer und Frühherbst verringere sich die benötigte Fläche aber um etwa ein Drittel. Für Claus Marxen ist all das Grund genug, für diese Alternative zum Mais zu werben. Er lud Landwirte nach Obdrup ein, erläuterte ihnen die Vorteile des Hirschgrases und machte Mut, auch auf die neue Anbauart umzusteigen.

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