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Kreis Schleswig-Flensburg : Mit „Guerilla-Werbung“ Gäste locken

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Pauschalangebote, pfiffige Marketing-Ideen und Kooperationen lauten die Erfolgsrezepte der Tourismusorganisationen.

shz.de von
erstellt am 01.Jun.2017 | 18:45 Uhr

Die Region kommt bei Urlaubsgästen gut an. Dieses Fazit lassen die Rückschauen der Geschäftsführer der drei größten in der Region aktiven Tourismusorganisationen auf das vergangene Jahr zu, die sie vor dem Regionalentwicklungsausschuss des Kreises präsentierten.

Die Ostseefjord Schlei GmbH habe ein Plus bei den Ankünften von 5,9 Prozent (187  606, landesweites Plus: 4,6 Prozent) und bei den Übernachtungen von 6,8 Prozent (803  372, landesweit: 4,1 Prozent) verzeichnet, lautete die Bilanz von Geschäftsführer Max Triphaus. Dabei habe man von der politischen Weltlage profitiert, aber auch davon, dass größere Infrastrukturprojekte angeschoben worden seien, darunter auch das Ostsee-Resort Olpenitz.

Triphaus berichtete weiter, dass im vergangenen Jahr 3,5 Millionen Tagesgäste gekommen seien. Sie spülten 82,3 Millionen Euro in die Region (durchschnittlich 23,50 Euro am Tag). Gewerbliche Betriebe mit mehr als zehn Betten setzten 117,5 Millionen Euro um (durchschnittlich 101,50 Euro am Tag). Zusammen mit Privatvermietern, Campern und Wohnmobilisten seien insgesamt 281 Millionen Euro in die Region geflossen, so Triphaus. Nach Abzug der Mehrwertsteuer (26,6 Millionen Euro), Vorleistungen (164,4 Millionen Euro) und weiteren Faktoren erwirtschaftete der von der Ostseefjord Schlei betreute Tourismus 140 Millionen Euro, dies sind 6,3 Prozent des Einkommens in der Region. Vom Tourismus profitiert hätten vor allem das Gastgewerbe, der Einzelhandel und Dienstleister. Tatsächlich liegen die Zahlen noch höher, da kleine private Vermieter mit weniger als zehn Betten in der amtlichen Statistik, auf der Triphaus’ Angaben fußen, nicht erfasst werden.

Die zur Verfügung gestellten Mittel des Kreises sind laut Triphaus unter anderem in die Kampagne „Langsamzeit“ geflossen sowie in gemeinsame Werbeauftritte mit Eckernförde in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, ein „Guerilla-Marketing“ mit Sattelschonern (die mit Werbeslogans bedruckten Schoner werden an neuralgischen Fahrradparkplätzen massenhaft auf Sättel gezogen), Werbeplakate in Hamburger S- und U-Bahnen für Fahrten mit der Angelner Dampfeisenbahn und für den Mitsegeltag am 19. August. In Zukunft wolle man das Augenmerk stärker auf regionale Produkte, bessere Mobilität und Nachhaltigkeit setzen, bekräftigte Triphaus.

Eine ebenfalls positive Bilanz zog Marianne Budach von der Gebietsgemeinschaft Grünes Binnenland, die in den Aktivregionen Eider-Treene-Sorge und Mitte des Nordens aktiv ist. Seit 1. Januar ist auch Sörup Mitglied im Grünen Binnenland. „Rad und Kanu sind unsere Themen“, sagte Budach. Aufgabe sei es, die Werbung zu organisieren, kleinere regionale Messen zu besuchen, die Vermieter zu betreuen und die Region in den Sozialen Medien zu bewerben. Erstmals hätten die Binnenländer auch die Grüne Woche in Berlin besucht und seien von der Resonanz sehr positiv überrascht. Seit vergangenem Jahr ist das Grüne Binnenland offiziell als Lokale Tourismusorganisation (LTO) anerkannt. Ein erster Antrag auf Fördermittel für Marketing und die Entwicklung weiterer Angebote über 400  000 Euro (davon 50 Prozent Eigenmittel) wurde bereits positiv beschieden.

Der seit neuestem angebotene Service „Voller Kühlschrank“ bei der Anreise „wird sehr gut angenommen“, sagte Budach. Es gebe bereits 27 Buchungen für dieses Jahr.

Die Umsätze der Urlauberbuchungen sind laut Budach in der vergangenen Saison um 25  541 Euro auf 246  621 Euro gestiegen. Das entspricht elf Prozent Zuwachs. Die Umsätze der Monteursbuchungen ging indessen um 5086 Euro auf 18  406 Euro zurück. Hinzu kommt der Umsatz bei Pauschalangeboten von 70  000 Euro.

Insgesamt verfügt das Grüne Binnenland über 5586 Betten. Bei einer durchschnittlichen Auslastung von 114,8 Tagen sind dies 641  273 Übernachtungen. Die Gäste bringen bei Ausgaben von durchschnittlich 49,45 Euro pro Tag 31,7 Millionen Euro in die Region.

„Wir nehmen keine Vermieter mehr auf, die nicht online buchbar sind“, stellte Budach kategorisch fest. Denn Online-Buchungen seien inzwischen der Standard. Auf Wunsch übernehme man dies aber für Vermieter, die nicht über die technischen Voraussetzungen oder Fertigkeiten verfügen. Darüber hinaus wolle man neue Pauschalangebote entwickeln und das Tourismuskonzept fortschreiben.

Ein etwas zwiespältigeres Bild ergaben die Zahlen, die Gorm Casper von der Tourismusagentur Flensburger Förde (Taff) vorstellte, die Flensburg, Glücksburg, Harrislee und Gemeinden im Amt Langballig bei der Beratung, Betreuung und Klassifizierung von Ferienunterkünften vertritt. Während Flensburg einen Zuwachs bei den Übernachtungen von 1,7 Prozent, Glücksburg von 19,6 Prozent und Langballig sogar von 76 Prozent verzeichnete, ging die Zahl in Harrislee um 6,6 Prozent zurück. „Das können wir uns nicht erklären“, sagte Gorm. Bei der Taff setze man weiterhin auf Printmarketing, aber auch der Internetauftritt werde ausgebaut. „Die Online-Seite auf Deutsch und Dänisch hat 1,2 Millionen Klicks.“ Eine englische Fassung komme bald hinzu. Außerdem präsentiere man sich bei Facebook und Instagram. Die Nachfrage nach Gruppenreisen wachse stark. Künftig wolle man stärker auf die Nebensaison setzen und auf Kooperationen mit den Nachbarorganisationen.

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