Zum Tode von Sebastian Drum : Mit Fußmann auf Augenhöhe

Der kleinwüchsige Sebastian Drum schaut Klaus Fußmann bei der Arbeit zu – Szene aus Wilfried Haukes Film „Klaus Fußmann. Es ist Zeit“.
Der kleinwüchsige Sebastian Drum schaut Klaus Fußmann bei der Arbeit zu – Szene aus Wilfried Haukes Film „Klaus Fußmann. Es ist Zeit“.

Sebastian Drum genoss als Kunsthändler bei namhaften Malern den besten Ruf – nun ist der Schleswiger gestorben.

shz.de von
13. März 2018, 09:19 Uhr

Wenngleich der körperliche Kontrast zwischen beiden Gesprächspartnern nicht größer sein konnte, so war Beobachtern der Szene sofort klar: Dieses Gespräch über die Malerei findet auf Augenhöhe statt. Es geht um Farben, um Motive und Stimmungen. Dann setzt sich Klaus Fußmann auf den Boden, direkt vor die riesige Leinwand, er hält den Pinsel in der rechten Hand, sein Bild „B. mit Zwerg im Garten“ ist fast fertig. Ihm über die Schulter guckt Sebastian Drum, einer der seltenen Momente, in denen der kleinwüchsige Drum auf den mehr als zwei Meter großen Fußmann runtergucken kann. „Weißt du, dass die meisten Menschen den Zwerg nicht sehen können, Barbara ja, aber den Zwerg sehen sie nicht. Du siehst ihn natürlich sofort“, sagt der Künstler, Drum hinter ihm kann sich das Grinsen nicht verkneifen.

Später am gleichen Juli-Nachmittag des vergangenen Jahres wird in großer Runde im Geltinger Blumengarten von Barbara und Klaus Fußmann der Gottorfer Kunstkurator Thomas Gädeke einen Toast auf den Schleswiger Galeristen und Künstler-Freund Drum aussprechen, weil der ihn vor genau 30 Jahren mit Klaus Fußmann und dessen Malerei bekannt gemacht hatte.

In diesen Tagen werden so einige Gläser zu seinen Ehren gehoben werden, wenn sich rumgesprochen hat, dass Sebastian Drum am vergangenen Sonntagnachmittag in Schleswig verstorben ist. Land auf Land ab wissen Künstler, Museen und auch Kunstsammler, was sie ihm, der mehr als drei Jahrzehnte lang im Paulihof 5 in Schleswig eine Galerie betrieb, zu verdanken haben.

Ein Nachmittagsbesuch bei den Drums, dessen Frau und zwei Töchter wie er selbst inmitten der Kunst lebten, begann meistens mit einer Tasse Grünem Tee auf dem Sofa. Doch die zweite schon trank man bereits im Stehen, schlenderte durch das Erdgeschoss der Villa, betrachtete die Bilder und lauschte gebannt den Geschichten seines Gastgebers über Kunst und Künstler. „Drum versteht viel von Kunst. Wenn er mit Bildern gehandelt hat, dann hat er das sehr umsichtig und kenntnisreich getan. Ein toller Mann“, schwärmte Klaus Fußmann im letzten Sommer im Beisein seines Freundes Drum vor der Kamera des Kieler Filmemachers Wilfried Hauke bei den Dreharbeiten zum gerade fertig gewordenen Film „Klaus Fußmann. Es ist Zeit“, den der NDR am kommenden Sonntag, 18. März, um 11.30 Uhr ausstrahlt.

1949 geboren, begann der gelernte Goldschmied Sebastian Drum seine berufliche Laufbahn in den 1970er Jahren im Schleswiger Lollfuß mit einem kleinen Atelier. Wenig später gehörte er in Norddeutschland zu den ersten Kunsthändlern, die sich für die Arbeit von Klaus Fußmann begeisterten. Der große Horst Janssen ließ Drum in seiner Nähe gewähren, Museumsgrößen wie die Gottorf-Direktoren Heinz Spielmann und Herwig Guratzsch kamen regelmäßig in die Paulihof-Villa und Friedel Anderson, heute einer der bekanntesten zeitgenössischen Künstler des Landes, adelte Drum 2005 – wenige Tage vor einer großen Ausstellung zu seinem 50. Geburtstag – mit den Worten: „Sebastian war einer der ersten, der in mir einen ernsthaften Maler gesehen hat. Ja, irgendwie ist er schon so etwas wie mein Entdecker gewesen.“

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