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Leben, wo andere Urlaub machen : Mit der Fähre zweimal um die Welt

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Teil 6 unserer Serie: Fährmann Frank Münsterberg überquert die Schlei zwischen Arnis und Sundsacker bis zu 100 Mal am Tag.

„Fähre-fahren macht Spaß“, sagt die siebenjährige Emily aus Hamburg, die mit ihren Großeltern Ferien auf einem Hof in Grödersby macht. Mit dem Fahrrad lassen sich die drei von Fährmann Frank Münsterberg von Arnis über die Schlei nach Sundsacker übersetzen – und weil die Fahrt so schön war, wenig später auch wieder zurück.

Was den Fähr-Fahr-Spaß betrifft, teilt das Mädchen diesen mit Münsterberg, der seit 2000 das „Fährmann hol über“ beruflich ausübt. Er würde den Beruf immer wieder ergreifen, sagt der aus Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern stammende 48-Jährige. Dort, wo andere Urlaub machen und dabei immer an der frischen Luft zu sein, das halte ihn gesund, mache ihn zufrieden: „Das letzte Mal, dass ich krank geschrieben war, war vor 23 Jahren.“

Als Fährmann von Arnis ist Frank Münsterberg Angestellter seines Schwagers Holger Belz, der das Fährhaus samt Fähre vor 20 Jahren von der Stadt gepachtet hat. Der gelernte Fliesenleger, der in Ellenberg wohnt, steht morgens um 4 Uhr auf, „weil ich alles gerne in Ruhe mache“. Bis abends 22 Uhr ist er auf den Beinen – vom 1. März bis 31. Oktober eines jeden Jahres: Sechs Tage in der Woche, an einem Tag löst ihn sein Neffe Peter Belz ab. Dass die Fähre mal nicht fährt, gab es in diesem Jahr nur einmal – und zwar am Mittwoch vor Himmelfahrt wegen Hochwassers.

Bei jeder Tour legt die Schleifähre eine Strecke von 223,50 Metern zurück. Die Überfahrt dauert rund drei Minuten. Das ganz bis zu 100 Mal am Tag, da kommen etliche Kilometer zusammen. Frank Münsterberg hat nachgerechnet und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass „ich mit der Fähre zwei Mal um die Welt gefahren bin“.

Die Motorfähre mit 40 PS bewegt sich zwischen den Ufern an einem Seil. Dabei muss Münsterberg stets ein wachsames Auge auf die Fahrrinne haben, denn dort befindliche Boote haben Vorfahrt. Bei Inbetriebnahme 1826 wurde die Fähre durch Muskelkraft bewegt, erst seit den 1960er Jahren ersetzt ein Motor die Handarbeit. Übergesetzt werden können Fahrzeuge bis zu einem Gewicht von 16 Tonnen. Da es sich bei der Schlei um ein natürliches Gewässer handelt, ist die Überfahrt kostenpflichtig: Fußgänger zahlen einen Euro, Radfahrer 1,50, Motorräder 2,50, Auto plus Fahrer 3 Euro. Für Emily mit ihrem Fahrrad also pro Überfahrt 1,50 Euro. Und die Großeltern sagen: „Den Drei-Euro-Spaß gönnen wir ihr und und uns gerne.“ Allerdings sehen das nicht alle so. Da erzählt Frank Münsterberg von einem Vorfall, der ihm die Sprache verschlug: Da wollten vier Radfahrer mit der Fähre rüber nach Schwansen. Als sie pro Kopf 1,50 Euro löhnen sollten, wurden sie laut: „Wir sind doch Touristen ...“

Lange Wartezeiten gibt es dies- und jenseits nicht. Längst hat sich die Fähre als Abkürzung zwischen Angeln und Schwansen bewährt – allerdings wird diese Möglichkeit von Einheimischen relativ wenig genutzt, von Urlaubern hingegen umso mehr. Zu den regelmäßigen Nutzern gehört Kappelns Bimmelbahn, die während der Saison die Fähre in ihre große Rundfahrt mit einbezogen hat. Übrigens: Spitzenreiter bei den ausländischen Fähr-Nutzern von Deutschlands kleinster Stadt aus sind laut Münsterbergs Zählung der Kennzeichen die Schweizer, gefolgt von den Dänen.

Ehepaar Noster aus der Nähe von Hannover verbringt das erste Mal einen Arnis-Urlaub. Sie wollen mit dem Fahrrad nach Damp – klar, dass sie sich mit der Fähre nach Schwansen übersetzen lassen. Aus Ennepetal im Ruhrgebiet ist die vierköpfige Familie Hückinghas angereist. Sie besucht in Kappeln jene Familie, die sie während eines Urlaubs in der Türkei kennengelernt hat. „An der Ostsee und Schlei ist es wunderschön“, schwärmt die Ehefrau und verspricht: „Wir kommen wieder und fahren dann auch wieder mit der Arnisser Fähre.“

Mit dem Fahrrad auf Schlei-Entdeckungstour sind Sigrid und Oliver Küttner aus Bremen. Sie haben sich in der Kappelner Jugendherberge einquartiert und wollen den Vater nach Beendigung seiner Kur in Damp abholen. Auch wenn die Nordsee quasi vor ihrer eigenen Haustür liegt, haben sie sich in die Schlei verliebt. Bei einem kurzen Schnack mit dem Fährmann verraten sie, dass sie demnächst mit ihrem Kajak wiederkommen werden, um die Schlei von der Wasserseite aus zu entdecken. Und als sie sagen, dass sie dann auch wieder seine Fähr-Gäste sein werden, freut sich Frank Münsterberg schon jetzt auf ein Wiedersehen.

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erstellt am 12.Aug.2014 | 18:52 Uhr

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