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Schleswiger Nachrichten

22. November 2017 | 04:57 Uhr

Turmmarkt : Mit dem Schwert den Dom retten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Hunderte Besucher kamen auf den Mittelaltermarkt rund um den St.-Petri-Dom . Die Einnahmen werden für Domsanierung gespendet.

Ein dezentes Fangnetz, vergleichbar mit denen in Bayern als Schutz vor Steinschlag, wünscht sich Thorben Heße auch am Domportal. Zusammen mit Jens Nielsen hatte er am Wochenende bei bestem Wetter zum zweiten mittelalterlichen „Turmmarkt“ zu Füßen des Doms eingeladen. Dabei war das „hässliche“ Gerüst vor dem Domportal in aller Munde, und am liebsten würde es Heße sofort entfernt sehen – wäre da nicht die Verletzungsgefahr durch herunterfallende Steine. „Dieses Jahr sind keine weiteren Steine herausgefallen“, freute er sich. Doch er befürchtet auch: „Dem Dom geht es richtig schlecht, und wenn hier nichts passiert, wird der Turm vielleicht irgendwann dicht gemacht.“

Daher möchte er mit dem Mittelaltermarkt vor dem Dom dafür sorgen, „dass wir eine Bühne schaffen, damit jeder Besucher etwas für den Turm tun kann“. Zwar seien die Spendengelder nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“, wie er Pastor Joachim Thieme-Hachmann zustimmte, „doch hoffen wir, dass die Menschen bei jedem Dombesuch an das schöne Markterlebnis erinnert werden und dann einen zusätzlichen Taler in die Spendendose werfen. Und die Bühne wurde bevölkert von vielen Gauklern, Händlern und Handwerkern, die das Domgelände mit Schwertkampf, Magie und Spielen erfüllten. Dabei gab es im Vergleich zum Vorjahr mehr Stände und auch mehr Attraktionen.

Ein Beispiel dafür waren die Pilger um Birgit Husberg: Von Armbrustschießen über Puppentheater bis hin zum Ringreitturnier für Kinder – die Sieger wurden zum Ritter geschlagen – hatten sie viel zu bieten. Dazwischen fand die Pilgerin aus dem 13. Jahrhundert noch Zeit, um aus Tannenspitzen Kleiderhaken zu fertigen. Ihr Sohn Christopher schlüpfte indes in ein Pferdekostüm und machte so den Markt rund noch etwas bunter und lebendiger. „Als Besucher bin ich schon auf Märkten, seit ich ein Jahr alt bin. Aber den Stand haben wir seit 2008“, erzählte er. Der kam nicht nur bei den Kindern gut an, sondern auch bei ihrem Nachbarn. Über den Besuch von Wegelagerer Eriol hätten sich die Pilger im Mittelalter wohl kaum so gefreut wie heute.

Und das hatte auch einen besonderen Grund: In der Nacht vor Beginn des Turmmarkts hatten einige Jugendliche versucht, bei den Ständen einzubrechen. „Unser Nachbar hat das verhindert und uns gerettet“, berichteten sie. Weniger Glück hatte ein Holzschnitzer, dem Bänke, Stühle und teure Ketten entwendet wurden. Hart traf es auch Chris Schaatsbergen, der nun einige Steinfiguren vermisst. Dabei hatte der Niederländer die Arbeit erst vor drei Monaten von einem Freund übernommen. Vom Diebstahl abgesehen, war in diesem Jahr beim Markt „alles besser als letztes Mal“, betonte Thorben Heße. So sei die Besucherresonanz gerade am Sonntag sehr gut gewesen. Eine Bilanz werde man allerdings erst im Juni zusammen mit den Dom-Pastoren ziehen können.

 

 

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