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Landgerichts-Prozess : Mit dem Hammer den Kopf zertrümmert

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Vor dem Flensburger Landgericht begann gestern der Prozess gegen einen 25-jährigen Schleswiger, der im März seine Ex-Freundin tötete. Auslöser war ein Streit ums Sorgerecht für die gemeinsame anderthalbjährige Tochter.

Er schlug mit einem Hammer zehn Mal gegen ihren Kopf. Jeder einzelne dieser Schläge durchschlug die Schädeldecke. Die junge Frau starb wenig später im Krankenhaus. Der ganze Schrecken der Bluttat, die sich im März in einer Etagenwohnung im Stadtteil St. Jürgen ereignet hatte, wurde gestern deutlich, als vor dem Flensburger Landgericht der Prozess gegen den 25-jährigen geständigen Täter begann. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor.

Dass der Angeklagte bereut, was geschehen ist, war nicht zu erkennen. Immer wieder erzählte er, was für ein schwieriger Mensch seine Ex-Freundin gewesen sei und machte auch abfällige Bemerkungen über ihren neuen Freund und über ihre Eltern. Wann immer er auf die Tat selbst zu sprechen kam, verschanzte er sich hinter Sätzen, die klangen wie gedrucktes Amtsdeutsch: „Ich weiß nicht, wie meine Gefühlslage zu diesem Zeitpunkt war.“ Oder: „Es folgte eine Auseinandersetzung, handgreiflich, von der ich heute nicht sagen kann, ob sie von ihr ausging oder von mir.“

An die entscheidenden Minuten, gab er an, fehle ihm jede Erinnerung. Was sonst am fraglichen Tag geschah, konnte er indes recht genau beschreiben. Die Beziehung mit seiner gleichaltrigen Freundin war bereits im Herbst in die Brüche gegangen. Sie lebten aber weiter unter einem Dach, weil die Frau für sich, die gemeinsame anderthalbjährige Tochter und ihre inzwischen zehnjährige Tochter aus einer früheren Beziehung zunächst keine neue Wohnung gefunden hatte. Erst zwei Wochen vor der Tat waren sie ausgezogen.

An dem Sonntag, den sie nicht überleben sollte, wollte die Frau ein paar Habseligkeiten aus der Wohnung holen und – so war es vereinbart – die kleine Tochter für ein paar Stunden beim Vater lassen. Der wollte dann mit dem Kind zu seinen Eltern fahren. Dazu kam es nicht mehr. Als sie durch die Tür kam, bemerkte sie, dass ihr Ex eine Alkoholfahne hatte. (Die Polizei stellte später 1,3 Promille Atemalkohol fest.) Offenbar waren nun beide der Ansicht, dass der jeweils andere Elternteil kein guter Umgang für das Kind sei. So eskalierte der schon länger schwelende Streit ums Sorgerecht. Bald hörten die Nachbarn Schreie und Schläge aus der Wohnung und klingelten an der Tür. Der Angeklagte sagte gestern, erst nachdem er diesen Nachbarn geöffnet hatte, sei ihm „das ganze Ausmaß dessen, was geschehen ist“ bewusst geworden. Als wenig später die Polizei eintraf, ließ er sich widerstandslos festnehmen. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

Der Mann stand in der Vergangenheit schon mehrmals wegen Gewaltdelikten vor Gericht. Er sagt von sich selbst, dass er unter Alkoholeinfluss zu Aggressionen neige. Am Tag der Tat war er wegen eines Arbeitsunfalls seit einer Woche krankgeschrieben. In dieser Zeit habe er aus Langeweile „mit Cola-Korn nachts durchgesoffen“ und tagsüber geschlafen.

Der Prozess vor der Ersten Großen Strafkammer des Flensburger Landgerichts geht heute Vormittag weiter. Bis Ende Oktober sind drei weitere Verhandlungstage vorgesehen.

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erstellt am 24.Sep.2013 | 07:45 Uhr

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