Ulsnis : Mit dem Boot zum Friseur

An diesem Steg in Ulsnis legten auch schon Schiffe der „Blauen Dampferlinie“ an.
An diesem Steg in Ulsnis legten auch schon Schiffe der „Blauen Dampferlinie“ an.

Karl Walther sammelt Informationen zur „Blauen Dampferlinie“ auf der Schlei – und sucht nun Zeitzeugen mit weiterem Material.

shz.de von
06. Februar 2018, 07:00 Uhr

Die Schlei verbindet Angeln und Schwansen. Das weiß man nicht erst seit Gründung der Aktivregion. Denn schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab es auf der Schlei einen Linienverkehr, der die Städte Kappeln und Schleswig miteinander verband. Die Schiffe liefen auf diesen Touren Anlegestellen auf beiden Seiten der Schlei an. Karl Walther aus Kosel, bekennender Schlei-Liebhaber hat sich dieses Themas angenommen. Er ist bekannt durch seinen Einsatz für die kleine Insel Kieholm vor Ulsnis. Inzwischen ist er auch Vorsitzender des Vereins „Schleiinformations- und -erlebniszentrum“ (SIEZ).

Zurzeit ist Walther besonders interessiert an der „Blauen Dampferlinie“, die von 1938 bis in die sechziger Jahre die Dörfer an der Schlei mit vier Schiffen verband. Die Kieler Firma A. C. Hansen hatte zum 1. Oktober 1938 sowohl die Schiffe des Kreises, die vorher auf dieser Strecke fuhren, wie die Linienrechte der Schleischifffahrt aufgekauft. Der Namen dreier Schiffe ist bekannt. Es waren „Nöck“, „Puck“ und „Victoria“. Nach dem Namen des vierten Schiffes wird noch gesucht. Durch ein zufälliges Treffen auf der Straße kam Walther mit Hermann Bebensee ins Gespräch, der diese Zeit noch miterlebt hat. „Drei Mal am Tag konnte man nach Schleswig oder Kappeln fahren“, erinnert sich dieser. Und er konnte auch alle Haltestellen aufzählen. In Schleswig, Missunde, Goltoft, Königsburg, Ulsnis, Lindaunisbahnhof, Sieseby, Arnis, Kappeln und Maasholm-Schleimünde konnte man einsteigen oder an Land gehen. Dadurch war die Schlei eine Verkehrsader.

Bebensee kannte auch einige Anekdoten zu diesem Thema. So konnte man zum Beispiel durch die Teilnahme an einer Beerdigung den Fahrpreis sparen oder mit dem Ruderboot zum Friseur fahren. „In den Köpfen unserer älteren Mitbürger stecken noch viel Wissen und Erinnerungen, die nirgendwo aufgeschrieben sind“, stellt Walther fest. Davon sei vieles so interessant, dass es auch für die Nachwelt erhalten werden sollte. Im ersten Schritt möchte er deshalb Informationen über die „Blaue Dampferlinie“ sammeln. Diese will er am Sonntag, 8. Juli, aufbereitet zum „Tag der Schleidörfer“ im mobilen Schlei-Informationszentrum in Kosel ausstellen. Er ruft deshalb alle Zeitzeugen auf, sich mit ihm in Verbindung zu setzen: entweder unter Telefon 04355/181697 oder per E-Mail an karl-walther@gmx.de. Bei Bedarf besucht er die Zeitzeugen auch zu Hause.




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