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Schleswiger auf der Berlinale : Mit Blaulicht zum Kurzfilm-Preis

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Schleswiger Hobby-Filmemacher Nik Behrendt und sein Vater Sascha sind in der Endauswahl für einen Wettbewerb im Rahmen der Berlinale.

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erstellt am 11.Feb.2017 | 07:43 Uhr

Die besten Ideen kommen einem offenbar in der Badewanne. Zumindest gilt das für Sascha Behrendt. Der lag nämlich Donnerstag vor zwei Wochen gemütlich im warmen Schaumbad und grübelte und grübelte vor sich hin – bis ihm endlich der entscheidende Einfall kam. „Das ist das Schwierigste. Denn erst wenn die Idee da ist, kann alles andere richtig ins Rollen kommen.“

Was Behrendt damit meint? Gemeinsam mit seinem Sohn Nik und Perry Haardt, einem Freund der Familie, hat der 48-jährige Schleswiger nun zum zweiten Mal einen kleinen Film gedreht und damit am größten Kurzfilmwettbewerb der Welt, dem „99Fire-Films-Award“, der im Beiprogramm der Berlinale stattfindet, teilgenommen. Und das bedeutet: Man muss unter enormem Zeitdruck möglichst kreativ sein. Denn die Regeln sind streng. An besagtem Donnerstag haben alle Hobbyfilmemacher, die an dem Wettbewerb teilnehmen wollten, um Punkt 10 Uhr das diesjährige Thema („Da gibt’s doch was“) erfahren. Dann hatten sie genau 99 Stunden Zeit, also bis zum darauffolgenden Montag um Punkt 13 Uhr, ihren fertigen Film einzureichen. Und dieser muss – natürlich – auf die Sekunde genau 99 Sekunden lang sein.

„Das ist alles in allem eine ganz schöne Herausforderung. Aber genau das macht ja auch den Reiz aus“, sagt Nik Behrendt. Der 18-jährige Schüler der A.P.-Møller-Schule war bereits vor zwei Jahren auf das Kurzfilmfestival aufmerksam geworden. Im vergangenen Jahr entschloss er sich dann spontan, einfach mal mitzumachen. Dass am selben Tag gerade sein Vater und Perry Haardt unten im Wohnzimmer im Haus in der Schubystraße saßen, kam ihm dabei gerade recht. Nicht nur, weil beide Lust hatten, den jungen Hobbyfilmer zu unterstützen. Sondern auch, weil Perry Haardt, der beruflich selbst Filme produziert, ihm mit einer Menge Knowhow zur Seite stehen konnte. „Aber das hat der Junge gar nicht nötig. Der hat richtig Talent“, lobt Haardt.

Das hat sich bereits im vergangenen Jahr bestätigt. Da kam Nik mit seinem ersten Film, „Egoshooter“, gleich unter die Top 99 des Wettbewerbs, an dem mehr als 3700 Filmemacher teilnahmen. Zur Belohnung durften er und seine beiden Co-Produzenten zur Gala nach Berlin fahren, über den Roten Teppich gehen und bei einer großen After-Show-Party ordentlich die Sau rauslassen. Das werden sie auch diesmal wieder dürfen, denn ihr Film hat es erneut in die Top 99 geschafft. Nun allerdings hoffen sie noch auf den begehrten Publikumspreis, den es für die meisten Online-Votings gibt. „Vielleicht haben wir ja Glück“, meint Nik Behrendt.

Dass ihr Film einen Preis verdient hätte, davon sind die Drei jedenfalls überzeugt. Sie haben sich alle 98 Beiträge der Konkurrenz angesehen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sie sich mit ihrem Werk nicht dahinter verstecken müssen. „Im Gegenteil“, sagt Sascha Behrendt, „ich sehe uns auf jeden Fall im oberen Drittel.“ Tatsächlich haben sich die Schleswiger Filmemacher mächtig ins Zeug gelegt. „An den fünf Tagen hat sich alles nur noch um den Film gedreht. Da macht der Kopf keine Pause mehr“, sagt Sascha Behrendt, der ein Juweliergeschäft in Flensburg betreibt. Anstatt dort zu arbeiten, hat er an den besagten Tagen aber stundenlang in der Kälte auf einer kleinen Straße am Ortsrand von Schuby gestanden oder in einer zugigen Halle in St. Jürgen einen Mercedes mit Folie beklebt, damit dieser wie ein Polizeiauto aussieht.

Das nämlich spielt in dem Kurzfilm, der den Namen „Farblösung“ trägt, eine Hauptrolle. Ebenso wie Oliver Meuter. Der Onkel von Nik Behrendt, der vielen Schleswigern als Sänger der Band „Murphy’s Law“ bekannt ist, hat in dem Video sein schauspielerisches Talent unter Beweis gestellt. Als etwas verplanter Vater einer jungen Frau ist er auf den letzten Drücker unterwegs zu deren Hochzeit. Dann geht ihm während der Fahrt auch noch das Benzin aus. Und nun? „Vorgabe für die Teilnahme war, dass man eine Alltagssituation beschreibt, in der man etwas vergessen hat und nun auf kreative Art eine etwas andere Lösung für das Problem finden muss“, sagt Sascha Behrendt, der nicht nur Ideengeber war, sondern auch noch die Musik produziert hat.

Als zusätzliche Hürde mussten alle Filmemacher auch noch das Thema Zwillinge in ihr Werk einbauen. Ob und wie das dem Schleswiger Team gelungen ist, das sieht man sich am besten selbst an. „Nächstes Jahr sind wir wieder dabei“, sagt Nik Behrendt. Es mache einfach unheimlich viel Spaß, an dem Wettbewerb teilzunehmen. „Auch wenn es total anstrengend ist.“

> Wer seine Stimme abgeben möchte für den Film, muss auf der Internetseite www.99fire-films.de auf den Link „Publikumsvoting“ klicken und dort nach dem Beitrag „Farblösung“ suchen. Darunter findet man den Hinweis: „Jetzt voten“.

 

 

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