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Schleswiger Nachrichten

19. August 2017 | 08:05 Uhr

Mit 85 zum zweiten Mal in Rente

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eigentlich ging Hufschmied Johannes Jensen 1995 in den Ruhestand, doch sein Können blieb gefragt – auch bei Doppelolympiasieger Thomsen

Siebzig Jahre hat Johannes Jensen aus Riesbriek Pferde beschlagen und Hufe behandelt. Am 28. September wird der gelernte Hufschmied und Schmiedemeister Hanni Schmidt, wie er überall genannt wird, 85 Jahre alt. „Nu iss dat denn uk genuch“, sagte der rüstige Rentner, der selbst in seinem hohen Alter bei Turnieren im ganzen Norden als Hufschmied für den Notfall zur Verfügung gestanden hatte. Auch in seinem alten Kundenstamm, zu dem Doppelolympiasieger Peter Thomsen aus Kleinwiehe und der erfolgreiche Turnierreiter Peter Jakob Thomsen aus Riesbriek gehören, war er bei Bedarf immer noch stets zur Stelle.

Gern erzählt Hanni Schmidt aus seinen Erinnerungen. Er war ein sehr gewissenhafter und verlässlicher Partner für seine Kunden, die ihn schon mal nachts aus dem Bett klingelten. Das alles war für ihn kein Problem, wie er betont, denn sein Motto lautet: „Ich helfe gerne anderen Menschen, ungeachtet der Uhrzeit oder des Wochentages.“ Dabei war er nicht nur für Pferde da, Hanni Schmidt reparierte auch schwere Schlepper und Maschinen.

Vater Peter Jensen betrieb seit 1928 eine Schmiede in Riesbriek. So hatte der Sohn schon als Kind eine enge Verbindung zur Landwirtschaft. Darum lag es nahe, dass Johannes Jensen als junger Mann eine Landwirtschaftslehre beginnen wollte. Der Vater fiel im Krieg und die elterliche Schmiede wurde an Alfred Sinzceck verpachtet. Eine in Großsolt begonnene landwirtschaftliche Lehre brach Jensen ab, um dann 1944 in Hattstedt eine Lehre zu beginnen – als Hufschmied. „Mit einem Meister und vier Lehrlingen betreuten wir 300 Pferde, was in der damaligen Zeit recht viel war“, sagt der Noch-84-Jährige. Er lernte damals auch, aus Flacheisen Hufeisen zu schmieden. „Dat kann ick hüüt noch“, so Jensen. Heute kann man Eisen formgerecht kaufen.

Im Jahr 1947 machte er seine Gesellenprüfung und arbeitete in den nächsten Jahren für mehrere Arbeitgeber: wie etwa Jens Jensen, der in der Region bekannt war als „Jens Patent“, Johannsen Ausacker oder auf Eiderstedt in der Schmiede Selz. 1953 übernahm Johannes Jensen dann die elterliche Schmiede in Riesbriek, ein Jahr später legte er seine Meisterprüfung ab. 1957 heiratete er seine Ehefrau Rita, die fortan die gute Seele des Betriebes war. Die bessere Hälfte erledigte die Buchführung, übernahm den Telefondienst und managte den Laden. Der Betrieb wurde erweitert, und 1964 konnten die Eheleute dann über das „Programm Nord“ ein neues Wohnhaus mit einer Werkstatt bauen.

Bis 1995 war das Paar aktiv, dann ging Johannes Jensen zum ersten Mal in Rente und baute sich im Westen von Riesbriek ein schönes Altenteiler-Haus. Von Ruhestand aber keine Spur: Während der ganzen Jahre fuhr Hanni Schmidt mit seiner mobilen „Esse“ (Feuerstelle des Schmieds) im Auto und dem notwendigen Handwerkszeug von Flensburg bis Husum, von Schleswig bis Süderlügum und manchmal auch bis nach Dänemark, um Pferde zu beschlagen. Johannes Jensen war der Mann für Notfälle.

„Meine Rita hat mir immer den Rücken freigehalten, und in all den Jahren ist mir nichts passiert“, freut sich der angehende Doppelrentner. Das Ehepaar Jensen ist dankbar für eine „relativ gute“ Gesundheit. Neben seinem Garten pflegt Hanni Schmidt auch seinen Stammtisch, zu dem noch elf Schmiedekollegen gehören, mit denen er sich zweimal im Jahr regelmäßig trifft.

Der 85. Geburtstag und der „zweite Renteneintritt“ werden am 28. September mit Familie, Nachbarn und Freunden in der Gaststätte Sillerup gefeiert. Ob Hanni Schmidt danach sein Handwerkszeug nicht mehr anrührt? Das wird die Zukunft erweisen.

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erstellt am 23.Sep.2014 | 18:05 Uhr

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