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Schleswigs „Schule im Herzen“ : Mit 1350 Stoffbeuteln nach Togo

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die von Schleswiger Spendengeldern finanzierte Dorfschule in Togo floriert – davon hat sich die 66-jährige Edeltraut Benecke jetzt selbst überzeugt.

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erstellt am 15.Nov.2014 | 12:45 Uhr

„Jetzt kann endlich jemand bestätigen, dass es unsere Schule wirklich gibt.“ Mathias Montcho muss ein wenig schmunzeln, als er das sagt. Edeltraut Benecke (66), aktives Mitglied im Verein „Schule im Herzen“, hat den Vereinsgründer Montcho nach Togo begleitet und die Dorfschule besucht, die in den vergangenen Jahren mit Spendengeldern aus Schleswig aufgebaut worden ist. Immer wieder, sagt Montcho, habe er Anrufe und E-Mails von Bürgern bekommen, die offenbar skeptisch sind, ob das Geld aus Deutschland dort wirklich ankommt. Einzelfälle zwar, denn von den meisten Schleswigern spürt Montcho, den die SN-Leser 2011 zum „Menschen des Jahres“ wählten, großen Rückhalt. Dennoch hat er sich gefreut, dass Edeltraut Benecke die strapaziöse Reise nach Westafrika auf sich genommen hat. „Und das gerade jetzt, wo alle Welt Angst vor Ebola hat.“

Edeltraut Benecke aber war unbesorgt. Schließlich hat es bisher weder in Togo noch in den Nachbarländern Benin und Ghana Ebolafälle gegeben. Und so konnte die Rentnerin aus dem kalten Deutschland mit eigenen Augen sehen, was in den vergangenen Jahren in Kpalimé im Westen von Togo entstanden ist. Die komplette Grundschule für fast 100 Kinder hat nicht einmal 30 000 Euro gekostet. Als der Unterricht vor fünf Jahren begann, hatte der erste Klassenraum noch keine Wände. Inzwischen ist die Schule ein richtiges Haus. In diesem Jahr haben die ersten Kinder die Schule verlassen, um an die Realschule im Nachbarort zu wechseln. Aber es gibt noch immer viel zu tun. „Wir hätten gern eine Stromversorgung“, sagt Montcho, der sich wünscht, dass die älteren Kinder eines Tages auch am Computer unterrichtet werden. Ein weiteres Vorhaben ist eine Abendschule für die Erwachsenen im Dorf, die nicht lesen und schreiben können.

Für Edeltraut Benecke war es die erste Reise nach Schwarzafrika, jedoch war sie in den vergangenen Jahren schon mehrfach in Marokko, um dort ihr ganz persönliches Projekt voranzutreiben: Mit alten Gardinenstoffen, einer Nähmaschine und viel Unterstützung von den einheimischen Frauen machte sie Einkaufstaschen aus Stoff – ihr Beitrag im Kampf gegen die allgegenwärtigen Plastiktüten, die ein wachsendes Müllproblem verursachen. Alte Nähmaschinen und 1350 vorbereitete Beutel nahm sie nun auch mit nach Togo, um sie gemeinsam mit einer Frauenkooperative zu Ende zu nähen.

Von der Schule in Togo ist Edeltraut Benecke begeistert. Eine Sache aber macht ihr Sorgen, und dieses Problem zu lösen, übersteigt die Möglichkeiten des Vereins „Schule im Herzen“: Als sie am Abend von Kpalimé zurück in Togos Hauptstadt Lomé fuhr, sah sie die Kinder aus der Schule wieder. Sie waren auf dem Heimweg – zu Fuß im Dunkeln auf einer unbeleuchteten Straße mit Lkw- und Autoverkehr wie auf einer Autobahn. Benecke: „Es gibt keinen Fußgängerweg, das ist richtig gefährlich dort, ich mochte kaum hinsehen.“

 

Wer den Verein „Schule im Herzen“ unterstützen möchte oder alte Gardinenstoffe für Beneckes Einkaufsbeutel-Projekt übrig hat, meldet sich bei Mathias Montcho unter Tel. 0 46 22/18 07 71.

 

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