Schleswig : Ministerin mit offenen Ohren

Fachgespräch auf dem sonnigen Schulhof: (v.l.) Schulrätin Gabriele Wiese, Konrektor Christian Witt, Bildungsministerin Karin Prien, Schulleiterin Maike Rickertsen und Bürgermeister Arthur Christiansen.
Fachgespräch auf dem sonnigen Schulhof: (v.l.) Schulrätin Gabriele Wiese, Konrektor Christian Witt, Bildungsministerin Karin Prien, Schulleiterin Maike Rickertsen und Bürgermeister Arthur Christiansen.

Karin Prien war gestern zu Gast an der Bugenhagenschule. Die Lehrer dort plädieren für eine gebundene Ganztagsschule.

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15. Mai 2018, 12:00 Uhr

Geschenke hatte sie nicht dabei, Versprechen konnte sie auch nicht geben. Dennoch war man gestern Vormittag sichtlich froh über den Besuch von Karin Prien in der Bugenhagenschule. Denn die Bildungsministerin hatte zumindest ein offenes Ohr für Schulleiterin Maike Rickertsen und ihr Kollegium.

Um sich eine typische Stadtteilschule anzusehen und zu erfahren, welche Herausforderungen man dort tagtäglich meistern muss, hatte Prien den Weg von Kiel nach Schleswig angetreten und sich hier mehr als eineinhalb Stunden Zeit genommen. Auch Schulrätin Gabriele Wiese und Bürgermeister Arthur Christiansen, als Vertreter des Schulträgers, waren aus diesem Anlass gekommen.

„Mir geht es darum, dass die Schulen im Land voneinander lernen. Wenn irgendwo etwas gut funktioniert, dann kann das auch an anderen Standorten klappen“, meinte die Ministerin, die von einem „spannenden Einblick“ in die Arbeit an einer Grundschule sprach. Dass dort – gerade in einem multikulturellen Stadtteil wie dem Friedrichsberg, in dem Menschen aus 28 Nationen zuhause sind – die Arbeit inzwischen weit über das reine Unterrichten von Mathe und Deutsch hinausgeht, machten Rickertsen und ihre Kollegen mehr als deutlich. „Viele Eltern von unseren Schülern sind alleinerziehend. Da haben die Mütter und Väter genug eigene Probleme. Wir als Schule müssen das bei den Kindern oft kompensieren. Aber die sind nur fünf Stunden pro Tag hier. In dieser Zeit müssen wir ihnen also mehr als das Einmaleins beibringen“, erklärte Konrektor Christian Witt. So würden die Schulsozialarbeit und auch das Erlernen von sozialen Kompetenzen immer auch einen möglichst breiten Raum einnehmen.

Um in diesem Bereich noch mehr leisten zu können, wünschen sich die Vertreter der Schule, in Zukunft zu einer gebundenen Ganztagsschule zu werden, in der die Kinder bis in den Nachmittag betreut werden. Zudem plädierten sie in Richtung Ministerin dafür, auf Landesebene an einem Konzept zu arbeiten, um Kindergärten und Grundschule noch besser zu vernetzen, damit der Übergang für die Kinder von der einen in die andere Institution erleichtert wird. Auch das Thema Noten wurde angesprochen. In diesem Punkt jedoch waren sich auch die Lehrer der Bugenhagenschule nicht einig. Manche plädierten für eine Abschaffung, weil durch die Noten der Druck auf die Schüler wachse. Andere meinten, dass die Schüler auch lernen müssten, mit Benotungen umzugehen und diese einordnen zu können. „Ich persönlich bin ein Fan von Noten“, sagte Prien dazu und signalisierte damit, dass sie nicht vorhabe, das Bewertungssystem zu verändern.

Vielmehr verwies die Ministerin auf das neue Landesprojekt „Bildungsbonus“, von dem in erster Linie Schulen profitieren sollen, die mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen hätten – so auch die Bugenhagenschule.

Diese wird zurzeit von 234 Schülern besucht, mehr als die Hälfte davon haben Migrationshintergrund. Das heißt, sie sind entweder mit ihren Eltern zugewandert oder wurden als Kinder von Zuwanderern in Deutschland geboren. „Aber“, so betonte Maike Rickertsen, „wir haben hier ein tolles Miteinander.“

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