Schleswig : Millionenprogramm für die Innenstadt

Der Kornmarkt  abgehängt? Experten halten die Ladenstraße für zu groß und schlagen eine Konzentration auf den westlichen Stadtweg vor. Foto: oje
Der Kornmarkt abgehängt? Experten halten die Ladenstraße für zu groß und schlagen eine Konzentration auf den westlichen Stadtweg vor. Foto: oje

Einkaufsstraßen-Atmosphäre im Schwarzen Weg und in der Königstraße - das könnte das Ergebnis einer groß angelegten Umgestaltung der Schleswiger Innenstadt sein.

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29. August 2012, 10:57 Uhr

Schleswig | Das Stadtzentrum von der Bücherei bis zum Gallberg soll offiziell zum "Sanierungsgebiet" werden. Der Begriff stammt aus dem Baugesetzbuch. Er steht für ein Verfahren, das dazu dienen soll, "städtebauliche Missstände oder funktionelle Schwächen" zu beheben. Die Stadt kann dafür von Land und Bund Fördermittel in Millionenhöhe erhalten.
Die Ratsversammlung hatte bereits im November 2010 beschlossen, so genannte "Vorbereitende Untersuchungen" in die Wege zu leiten. Das ist die erste Voraussetzung für die Ausweisung eines Sanierungsgebietes. Für diese Untersuchungen eines Hamburger Stadtplanungsbüros waren ursprünglich zehn Monate vorgesehen. Es dauerte mehr als doppelt so lange. Die endgültigen Ergebnisse liegen noch immer nicht vor. Auf der jüngsten Sitzung des Bauausschusses gab aber Rowena Tomczak aus dem Fachdienst Stadtplanung im Bauamt einen Einblick in den bisherigen Stand der Überlegungen.
Bessere Anbindung des Schlei-Centers an die Fußgängerzone
Den Einzelhandelsstandort Innenstadt in seiner derzeitigen Form stufen die Hamburger Fachleute als problematisch ein, und das nicht nur wegen der großen Leerstände (zum Beispiel Hertie und Nootbaar) und dem miserablen baulichen Zustand vieler Häuser. "40 Prozent der Gebäude weisen Mängel auf", sagte Tomczak. Ein Ergebnis der Untersuchungen ist auch, dass die Ladenstraße in ihrer derzeitigen Form zu groß sei, um auf der gesamten Länge ein qualitativ hochwertiges Angebot vorhalten zu können. Die Gutachter stellen die Möglichkeit zur Diskussion, sich künftig in erster Linie auf den Stadtweg zwischen der Poststraße und dem Capitolplatz zu konzentrieren. Außerdem halten sie es für ratsam, das Schlei-Center besser an die Fußgängerzone anzubinden - möglicherweise mit einer neuen Einkaufspassage.
In diesem Zusammenhang regen die Stadtplaner auch an, im Schwarzen Weg und in der Königstraße den Charakter einer Geschäftsstraße stärker hervorzuheben. Insbesondere die Königstraße habe bisher eine trennende Wirkung. Die Innenstadt könne zudem gewinnen, wenn man die Nähe zur Altstadt, zur Schlei und zu den Königswiesen herausarbeite.
Auch private Eigentümer können Zuschüsse erhalten
Ohne dass bereits genau feststeht, welche Maßnahmen im Zuge der Innenstadtsanierung in Angriff genommen werden, rechnen die Experten mit Kosten von 17 Millionen Euro. Die Stadt Schleswig müsste davon lediglich 3,8 Millionen Euro selbst aufbringen. Von Land und Bund erhofft man sich im Rathaus Zuschüsse in Höhe von 6,2 Millionen Euro. Weitere sieben Millionen Euro sollen "Mittel Dritter" und "Ausgleichsbeiträge" sein. Dieser Posten könnte in der Stadt noch für Unruhe sorgen, bedeutet er doch, dass die Immobilieneigentümer in der Innenstadt zur Kasse gebeten werden sollen, wenn durch die Sanierung des öffentlichen Raumes ihre Grundstücke an Wert gewinnen.
Allerdings können private Eigentümer auch selbst Zuschüsse für Sanierungsarbeiten an ihren Immobilien erhalten. Im weiteren Verfahren ist vorgesehen, dass Bürger ebenso wie die Innenstadt-Händler in die Überlegungen einbezogen werden. Eine endgültige Entscheidung darüber, ob die Innenstadt zum Sanierungsgebiet werden soll, steht noch aus.

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