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Aussichtsplattform : Millionenpläne fürs Schleswiger Stadtmuseum

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Beratungsbüro aus Halle soll ein neues Ausstellungskonzept fürs Stadtmuseum vorstellen – und überrascht mit dem Entwurf für einen Anbau mit Fahrstuhl und Aussichtsplattform.

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erstellt am 19.Nov.2014 | 17:00 Uhr

Es war die ganz große Lösung, die die drei Herren vom Planungsbüro „Complizen“ aus Halle an der Saale im Schleswiger Kulturausschuss präsentierten. Angekündigt war ein neues Konzept für die stadtgeschichtliche Dauerausstellung im Stadtmuseum. Doch dabei beließen es der Architekt Andreas Haase, der Historiker Robert Kluth und der Betriebswirt Tore Dobberstein nicht. Kluths Überlegungen dazu, wie sich die Sammlung des Museums moderner präsentieren ließe, wirkte offenbar überzeugend. Nachfragen oder Kritik gab es nicht. Doch was Andreas Haase vorstellte, das sorgte bei einigen Ausschussmitgliedern für eine gewisse Verwunderung. Wenn man das Museum schon umgestaltet, erklärte er, dann sollte man sich auch mit der baulichen Ertüchtigung, der Energieeffizienz, dem Brandschutz und der Barrierefreiheit beschäftigen.

So stellte er ein Modell des Museumsgebäudes vor, das er mit einem auffälligen weißen Anbau versehen hatte – darin enthalten ein Fahrstuhl, eine Fluchttreppe, ein ganz neuer Haupteingang – und obendrauf eine Aussichtsplattform, damit die Museumsbesucher nach dem Rundgang durchs Haus die Gelegenheit haben, den Blick über Schleswig schweifen zu lassen. Museumsleiter Holger Rüdel zeigte sich angetan von dieser Idee und lieferte auch eine historische Begründung: Eine solche Aussichtsplattform habe es nämlich im Friedrichsberg tatsächlich einst gegeben, nämlich auf dem Erdbeerenberg. Gebaut in der Mitte des 19. Jahrhunderts und abgerissen um 1910. Die Kosten für den Anbau bezifferte Haase auf etwas mehr als eine halbe Million Euro, die Gesamtkosten für die Umgestaltung des Stadtmuseums auf 1,8 Millionen.

SPD-Fraktionschef Stephan Dose nahm die Vorschläge mit freundlichen Worten auf: „Ich bin sehr dafür, das Museum weiterzuentwickeln. Über die Details muss man sicherlich reden, aber nicht heute.“ CDU-Ratsherr Momme Thiesen wurde deutlicher, was diese Details angeht. „Ich bin völlig erstaunt über die Kosten“, sagte er und fragte: „Muss das alles sein? Wird das Museum geschlossen, wenn wir keinen Fahrstuhl anbauen?“ Der Antwort von Bürgermeister Arthur Christiansen war zu entnehmen, dass eine Schließung wohl nicht drohen würde. Auch sei klar, dass die Stadt bei ihrer aktuellen Haushaltslage nicht alle Vorschläge sofort umsetzen könne. Das Wichtigste seien die Anstöße zur inhaltlichen Gestaltung, und so beschloss der Ausschuss schließlich einstimmig, „die Möglichkeiten der Umsetzung des Konzeptes zu prüfen und dazu zeitnah Vorschläge zu unterbreiten“.

Hervorstechendstes Merkmal der Vorschläge von Robert Kluth ist das Ziel, die Bürger der Stadt mehr in die Gestaltung der Ausstellung einzubinden. Anknüpfend an das Teddybärhaus und die Spielzeugsammlung Gunkel, die beide unverändert bleiben, soll sich auch die Hauptausstellung stärker an Familien wenden.

Vorgesehen ist ein Überblick über die gesamte Stadtgeschichte. Dabei soll sich das Museum auf die Bereiche konzentrieren, die nicht von Schloss Gottorf und dem Wikingermuseum abgedeckt werden. Haithabu und die Zeit der Herzöge werden also weitgehend ausgespart. Jeder Raum ist einem bestimmten Thema gewidmet. Die Vielfalt des Vereinslebens soll ebenso vorkommen wie die dänische Vergangenheit, die Schlei mit ihren Fischern und Schiffern, die Psychiatrie und die Zeit des Nationalsozialismus.

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