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Fachklinik : Millionen-Scheck für die Forensik

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Eine neue Station mit 20 Therapieplätzen soll bis zum nächsten Jahr entstehen. „Die drangvolle Enge wird endlich beendet“, sagt Psychiatrie-Geschäftsführer Karsten Röpstorff.

Gelöste Stimmung im Hochsicherheitstrakt: Hinter den meterhohen Stacheldrahtzäunen und stahlverstärkten Mauern der Forensischen Psychiatrie auf dem Fachklinikgelände übergab gestern Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) den Bewilligungsbescheid über 3,4 Millionen Euro an Geschäftsführer Karsten Röpstorff. Das Geld ist der Startschuss für den Bau einer neuen Station mit 20 Therapieplätzen – und der Grund für die gute Laune der Forensikmitarbeiter. „Durch die Erweiterung wird die drangvolle Enge, in der wir uns befinden, endlich beendet sein“, erklärte Röpstorff. Für die Patienten könnten zudem deutlich verbesserte Therapiemöglichkeiten geschaffen werden. Insgesamt sind derzeit hundert Patienten in der Forensik der Helios-Fachklinik untergebracht, darunter 20 Frauen.

Die neue Station wird im Haus 10, das um ein Stockwerk im Dachgeschoss erweitert werden soll, eingerichtet. Erst vor vier Jahren war das Haus nach modernstem Sicherheitsstandard gebaut worden.

Der bauliche Standard im Hochsicherheitstrakt gleicht dem moderner Gefängnisse. Doch obwohl die Patienten vor ihrer Einlieferung eine Straftat begangen haben und nach einer gerichtlichen Anordnung in die Forensik kommen, geht es dort nicht um Bestrafung, sondern um Therapie. Das Behandlungsziel ist: Die Patienten vorbereiten auf ein Leben ohne Gitter, auf die Wiedereingliederung in die Gemeinschaft.

Bei den Patienten handelt es sich zum einen um psychisch kranke Frauen, die laut Gesetzesdefinition „aufgrund ihrer Erkrankung eine Straftat begangen haben“. Auch um Tötungsdelikte geht es, besonders von Frauen würden „Beziehungstaten“ verübt, hieß es. Suchtkranke Frauen und Männer, die durch ihre Sucht straffällig geworden waren, bei denen die Behandlung jedoch Aussicht auf Erfolg hat, gehören zum weiteren Patientenkreis.

Forensik-Chefarzt Dr. Michael Zapp betonte, wie wichtig die menschenwürdige Unterbringung für den Erfolg einer Therapie sei. Er freue sich daher über den Erweiterungsbau, der mehr Platz für alle schaffe und dankte dem Sozialministerium für die Zusammenarbeit.

Zapp verhehlte nicht, dass es unter den Patienten auch Therapie-Abbrecher gebe. „Unser Erfahrungswert besagt: die Hälfte der Patienten weist eine starke dissoziale Haltung auf, so dass therapeutische Bemühungen nicht wirksam werden können.“ Man wolle deshalb, wenn die baulichen Voraussetzungen geschaffen sind, ein neues Konzept umsetzen. Und zwar das Konzept der Binnendifferenzierung. Dabei sollen neu aufgenommene Patienten getrennt von den sogenannten Therapie-Abbrechern untergebracht werden. Denn diese Gruppe erschwere den Mitpatienten durch konsequent destruktives Verhalten den Weg zurück ins geordnete Leben. Ein weiteres Problem sprach der Chefarzt offen an: Es sei nicht immer hundertprozentig zu verhindern, dass Suchtkranke sich auf verschlungenen Wegen Drogen verschafften. Trotz Hochsicherheitstrakt, Kameraüberwachung, Sicherheitsglas, Stahl-mauern – „komplett abschirmen können wir sie von der Außenwelt nicht“.

Die zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen, die in den kommenden Monaten während der Bauphase vorgenommen werden müssen, seien für die Verantwortlichen in der Forensik ein großes Thema gewesen, sagte Geschäftsführer Röpstorff. Denn der Klinikbetrieb müsse trotz der Bautätigkeit uneingeschränkt weitergehen. Da Baukräne innerhalb des Hochsicherheitstraktes eingesetzt werden müssen, um das Dachgeschoss zu öffnen und zu erweitern, stellten diese auf der anderen Seite natürlich auch ein gewisses Risiko für die Sicherheit dar: „Mit einem Kran lässt sich leicht ein hoher Zaun überwinden.“ Doch Ausbruchwilligen nimmt Röpstorff von vornherein jede Hoffnung: „Wir haben ein ausgefuchstes Sicherheitskonzept vorbereitet.“

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erstellt am 09.Jan.2014 | 12:15 Uhr

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