Wie geht es weiter in Schleswig? : Millionen-Poker ums Theater

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Das alte Schleswiger Theater am Lollfuß wurde vor vier Jahren abgerissen.
Das alte Schleswiger Theater am Lollfuß wurde vor vier Jahren abgerissen.

Stadt und Kreis verhandeln darüber, wer wie viel Geld nachschießt. Stadtwerke-Chef Schoofs gibt die Projektleitung ab.

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23. November 2018, 17:34 Uhr

Es ist eine Nachricht, die in der Schleswiger Politik mit Wohlwollen aufgenommen wurde: Das Kieler Kabinett hat in dieser Woche entschieden, eine weitere Million zum Bau eines neuen Theaters auf der Freiheit beizusteuern. Damit schrumpft die Finanzierungslücke bei dem Zwölf-Millionen-Projekt auf 1,5 Millionen Euro (siehe Info-Kasten). Eine Lücke, die sich schließen lässt – darüber herrscht sowohl in der Stadt als auch im Kreis Schleswig-Flensburg Konsens. Doch wer schießt wie viel Geld nach?

Die Spitzen aus Verwaltung und Politik beider Seiten wollen sich Anfang Dezember zusammensetzen und darüber beraten, wer sich in welchem Umfang beteiligt, damit das Theater realisiert und das Konstrukt Landestheater als Ganzes gestützt werden kann.

Noch legt in diesem Millionen-Poker keiner seine Karten auf den Tisch. Doch in der Ratsversammlung zeichnet sich zumindest ab, dass die ursprünglich geltende Formel „Fünf Millionen Euro und keinen Cent mehr“ keinen Bestand mehr hat. „Wir können uns nicht darauf zurückziehen, wenn andererseits das Land bereit ist, mehr Geld zu geben“, findet CDU-Fraktionschef Holger Ley. Daher müsse sich nun auch die Schleswiger Politik bewegen. „Wir müssen aber darauf achten, dass unser zusätzlicher Betrag so gering wie möglich ausfällt“, betont Ley. Denn ihm sei bewusst, dass es bei diesen Summen auch in den eigenen Reihen Skeptiker gebe.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Stephan Dose weiß ebenfalls um die Brisanz des Themas. Über eine exakte Summe wolle er deshalb jetzt auch noch nicht reden. Zwar sei es eine gute Nachricht, dass sich das Land bewegt hat und eine weitere Million bereitstellen will. „Ich befürchte aber, dass das deutlich zu wenig sein wird“, schiebt er vielsagend nach.

Landrat Wolfgang Buschmann sieht vor allem die Stadt als Projektträger in der Pflicht – auch was das Risiko weiterer Kostensteigerungen betrifft. Gleichwohl gehe er optimistisch in die Gespräche mit der Stadt. „Ich sehe schon, dass in der Region die Bereitschaft da ist, alles zu versuchen, dass Schleswig eine neue Spielstätte bekommt.“ Was den Beitrag des Kreises angehe – da wolle er der Politik nicht vorgreifen.

Sollte die Finanzierung stehen, könnte Anfang kommenden Jahres endlich der Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs wird dann nicht mehr für den Theaterbau verantwortlich zeichnen. Er werde sich aus dem Projekt zurückziehen, bestätigte er gegenüber den SN. Künftig liegt die Federführung dann bei Bürgermeister Arthur Christiansen und dem städtischen Bauamt.

Es fehle ihm mittlerweile schlicht die Zeit für das Theater-Projekt, erklärt Schoofs. So sei er derzeit massiv mit der angestrebten Kooperation der drei Stadtwerke Schleswig, Rendsburg und Eckernförde beschäftigt. „Das bindet mich jeden Tag zu 60 Prozent“, rechnet er vor. Hinzu kämen der von den Stadtwerken forcierte Glasfaserausbau, anstehende Umbauten in Klärwerk und Schwimmbad sowie das tägliche Geschäft des Energieversorgers. „Der Theaterbau ist ein sehr komplexes Projekt“, sagt Schoofs mit Verweis auf die erforderliche europaweite Ausschreibung und die Einbindung der Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH). In diesem Bereich habe das Bauamt einfach mehr Kompetenzen.

Die Stadtverwaltung nehme Schoofs’ Entschluss „zunächst zur Kenntnis“, teilte Bürgermeister Christiansen mit. „Jedoch sieht sich das Bauamt allumfassend in der Lage, das gesamte Bauprojekt konzeptionell und personell so umzusetzen, wie es sowohl von der Politik, der Stadtverwaltung und der Gesellschaft gewünscht respektive gefordert wurde.“


Stadt übernimmt „Heimat“-Gebäude“

Die zum Stadtwerke-Verbund gehörenden Schleswiger Kommunalbetriebe hatten das „Heimat“-Gebäude, an das der Theatersaal angebaut werden soll, Ende 2015 für eine Million Euro von der Entwicklungsgesellschaft Team Vivendi gekauft. Jetzt wird die Stadt im kommenden Jahr ihren Eigenbetrieben das ehemalige Mannschaftsheim der Bundeswehr samt darum liegenden Flächen und Straßen abkaufen. Vom Tisch ist derweil die Gründung einer eigenen Betreibergesellschaft für das Kulturhaus. Hierzu werden steuerliche Gründe angeführt.
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