zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

22. Oktober 2017 | 08:54 Uhr

Schleswig : Mieter sollen das Stadtmuseum retten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Stallgebäude des Stadtmuseums soll zum Café werden, ins Torhaus zieht der Landesverband der „Verwaisten Eltern“ ein.

von
erstellt am 21.Jul.2017 | 14:14 Uhr

Das Stadtmuseum soll die Schleswiger Steuerzahler künftig weniger Geld kosten – aber Sparmaßnahmen gibt es keine. So lässt sich das Konzept zur Weiterentwicklung des Museums zusammenfassen, das Bürgermeister Arthur Christiansen gestern im Kulturausschuss vorstellte. Damit legte er die Hausaufgaben vor, die die Ratsversammlung ihm vor nunmehr anderthalb Jahren aufgegeben hatte. Damals war bekannt geworden, dass der Landesrechnungshof im Museum 200  000 Euro Einsparpotenzial ausgemacht hatte.

Diese Zahl spielte gestern im Kulturausschuss keine Rolle. Das Zukunftskonzept, das nun unter Federführung von Rathaus-Fachbereichsleiterin Julia Pfannkuch entstanden ist, enthält vor allem Pläne dafür, wie die verschiedenen Gebäudeteile des historischen Günderothschen Hofes an der Friedrichstraße künftig genutzt werden könnten. Die finanzielle Situation des Museums soll sich dadurch auf zwei Wegen verbessern: Zum einen sollen mehr Besucher – insbesondere Familien – angelockt werden, was zu höheren Einnahmen durch den Kartenverkauf führen würde. Zum anderen sollen Teile des denkmalgeschützten Ensembles vermietet werden.

Einen ersten Mieter konnte Pfannkuch gestern bereits präsentieren. Der Landesverband der „Verwaisten Eltern“ möchte sich für 400 Euro Monats-Kaltmiete im Torhaus direkt an der Friedrichstraße einmieten. Die dortige Hausmeisterwohnung steht bereits seit längerer Zeit leer. Der Mietvertrag wird auf sieben Jahre geschlossen. Nach dieser Zeit, so Pfannkuch, werden sich die Ausgaben für die erforderliche Sanierung der Räume amortisiert haben.

Ein zweiter Mietvertrag dürfte deutlich mehr Einnahmen bringen: Aus dem Stallgebäude auf der Südseite des Günderothschen Hofes soll ein Café oder Restaurant werden. Dieses Haus wird bislang unter anderem für kleinere Fotoausstellungen genutzt. Bis die Gastronomie eröffnet, wird allerdings noch einige Zeit ins Land gehen. Bevor man nach einem geeigneten Pächter sucht, müsse man ein geeignetes Konzept entwickeln, so Pfannkuch „Dafür werden wir uns Beratung leisten müssen.“ Schließlich wolle man „Betreiber-Hopping“ vermeiden. „Ausprobieren wie im Luisenbad klappt hier nicht. Es muss passen.“ Die Ausschuss-Vorsitzende Babette Tewes (Grüne) mahnte an, sich hier nicht zu viel Zeit zu lassen. „Ohne ein Café als Dreh- und Angelpunkt kann ein Museum heutzutage kaum noch existieren.“

Priorität hat aus Sicht der Stadtverwaltung indes ein anderes Gebäude: die Museumsdruckerei auf der Rückseite des Grundstücks. Die alten Druckmaschinen dort, erklärte Museumsleiterin Dörte Beier, würden kaum noch Besucher anlocken. Sie sprach von gerade einmal sechs Schulklassen im Jahr. Für die Maschinen wird nun ein Abnehmer gesucht. Das Haus soll zu einer „Kulturwerkstatt“ werden, in der Kurse der Volkshochschule und anderer Anbieter stattfinden könnten. Sollten die Gremien diesem Vorhaben noch in diesem Jahr zustimmen, könnte es bereits im nächsten Jahr Zuschüsse von der Aktiv-Region geben.

Keinen Zeitplan nannten Christiansen und Pfannkuch für ihren Vorschlag, die Spielzeugsammlung Gunkel aus dem Obergeschoss des Hauptgebäudes ins Erdgeschoss des Teddybärhauses zu verlegen. Das Haus soll dann den Namen „Kinderhaus“ erhalten. Die Bärensammlung Reichstein bliebe auf das Obergeschoss beschränkt. „Eine Realisierung ist nur unter der Prämisse möglich, dass Fördermittel in entsprechender Größenordnung erfolgreich eingeworben werden“, heißt es im Konzept. Das Haupthaus würde dann komplett für eine zu überarbeitende stadtgeschichtliche Ausstellung zur Verfügung stellen. Wenn alle Pläne umgesetzt werden, würde nur ein einziges Gebäude auf dem Museumsgelände genau so genutzt werden wie bisher: die Halle, in der regelmäßig die großen Fotoausstellungen zu sehen sind, die sich zum Markenzeichen des Museums entwickelt haben.

Der Ausschuss reagierte auf die Vorschläge grundsätzlich positiv. Horst Zingler (SPD) erklärte, in seiner Fraktion habe man sich über das Konzept „sehr gefreut“. Rainer Haulsen (CDU) merkte jedoch an: „Beim Ziel, den Kostendeckungsgrad zu verbessern, sehe ich noch nicht den großen Wurf.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen