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Entwicklung in Schleswig : Miete zu hoch – Geschäft aufgegeben

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Leerstände in der Schleswiger Innenstadt nehmen zu. Auch Till Beyer verlagert seinen Möbelhandel vom Kornmarkt ins Internet.

von
erstellt am 30.Okt.2013 | 00:34 Uhr

Schleswig | Die Leerstände in der Ladenstraße und am Kornmarkt haben in den vergangenen Monaten zugenommen. Aktuelles Beispiel: Auch Till Beyer, Inhaber des Möbelhandelgeschäfts „Formamente“ am Kornmarkt Nr. 5, gibt auf. „Leider ist die Miete so hoch, dass wir das Ladengeschäft nicht länger halten konnten“, erklärte er gegenüber den Schleswiger Nachrichten. Nur noch wenige Tage, dann will er den Laden schließen. Bis Ende des Monats soll alles abgewickelt sein. Wie es für ihn weitergeht? „Ich werde mein Geschäftsfeld ins Internet verlegen, dort kann man mich erreichen“, sagte er.

Zu hohe Mieten, zu niedrige Renditen – ist das der Hauptgrund für Geschäftsaufgaben in Schleswigs Innenstadt? Bei Till Beyer ist es so. Für 340 Quadratmeter im Haus am Kornmarkt hat er 3000 Euro Kaltmiete gezahlt, hinzu kamen Strom- und Heizkosten, so dass er bei gut 3500 Euro im Monat lag. Diese Kosten auszugleichen und dabei noch Gewinn zu erwirtschaften, das habe sich für ihn als überaus schwierig erwiesen, betont er. Vor zwei Jahren hatte Beyer den Laden „Formamente“ sowie das Geschäftsmodell von seinem Vorgänger übernommen. Er entwirft Möbel und lässt sie nach Maaß und nach Wünschen der Kunden anfertigen. „Es hat Spaß gemacht, unsere Kunden waren mit dem Konzept total zufrieden.“ Zu seinen Kooperationspartnern unter den Möbeltischlern zählen die Kappelner Werkstätten.

Vor etwa einem Jahr sei ihm klar geworden, dass der Mietpreis im Verhältnis zur Geschäftslage am Kornmarkt und auch angesichts des baulichen Ladenzustands nicht gerechtfertigt ist. Beyer: „Die eine Wandseite des Ladens ist stark mit Salpeter behaftet, was auf manche Kunden abschreckend gewirkt hat. Zudem ist das Heizproblem vom Vermieter niemals gelöst worden, es ist im Winter ständig kalt hier.“

Eine Mängelanzeige hatte er dem Vermieter daher zugestellt. Doch es kam nicht, wie Beyer es nach eigenen Angaben gehofft hatte, zur Aussprache, sondern zu einer Auseinandersetzung, die eskalierte. Vor drei Wochen schließlich habe er einen Räumungsbescheid erhalten, wonach er bis zum 31. Oktober den Laden räumen sollte, berichtet Beyer.

Zu seinen Vorwürfen nimmt Oliver Schacht von der Immobiliengesellschaft Objekta Stellung. Sie verwaltet und vermarktet das Haus am Kornmarkt. Auf SN-Nachfrage bezeichnete Schacht gestern den Mietpreis als „absolut marktgerecht“. Die Kaltmiete für Läden am Kornmarkt liege ab zirka 100 Quadratmetern zwischen acht und zwölf Euro. Schacht: „Ab dem Nootbaar-Gebäude wird es dann in Richtung Capitolplatz teurer, etwa 20 bis 25 Euro pro Quadratmeter.“ Ein „attraktives Nachfolge-Geschäft“ für „Formamente“ sei bereits in Sicht, kündigte er an.

Geschäfte verlassen die Innenstadt – was sagen Schleswigs Einzelhändler und Politiker? Klaus- Peter Jess, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Ladenstraße (IGL), pocht darauf, dass für Schleswig der „Wettbewerbsvorteil durch kostenloses Parken etwa im Parkhaus weiterhin von elementarer Bedeutung“ sei. Zu den hohen Mieten meint Jess: „Eigentum verpflichtet. Der Eigentümer muss den vermieteten Laden gut in Schuss halten und die Miete daran messen lassen.“

Die Kommunalpolitik hat auf Mietpreise natürlich kaum Einfluss. Doch SPD-Fraktionschef Stephan Dose regt auf SN-Nachfrage an, dass künftig „regelmäßig Gespräche zwischen Stadtmanagement, IGL und Bürgermeister mit den Vermietern stattfinden, um das Problembewusstsein zu schärfen.“ CDU-Ratsmitglied Helge Lehmkuhl äußert den Wunsch an die Immobilieneigentümer, „den Pachtzins so zu gestalten, dass Ansiedlungen und Neugründungen von Einzelhandelsgeschäften nicht von vornherein durch die Pachthöhe unmöglich gemacht werden.“ Das liege auch im Interesse der Eigentümer selbst. Dr. Johannes Thaysen von den Grünen sieht einen Zusammenhang zwischen zunehmenden Leerständen und den gerade entstandenen Supermärkten. Die Kaufkraft in Schleswig sei nun mal nicht unendlich, meinte er. Der künftige Bürgermeister solle einen Runden Tisch installieren, um „mit allen Verantwortlichen das Problem anzupacken“.

Wie Till Beyer beklagen viele Geschäftsanlieger vom Kornmarkt und der Mönchenbrückstraße, dass der Capitolplatz für Kundenströme die Trennlinie von der belebten Ladenstraße darstellt, was für sie ein Dauerproblem sei. Stephan Dose setzt deshalb einige Hoffnung auf die vom Rat beschlosssene Modernisierung der Ladenstraße zwischen Poststraße und Gallberg. Dabei sollte auch die „trennende Wirkung der Bismarckstraße“ optisch aufgehoben werden.

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