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Aus dem Amtsgericht : Micky-Maus-Hefte geklaut: 14 Monate Gefängnis

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Schleswiger Seriendieb greift sich einen Stapel aussortierter Zeitschriften – und wird auf frischer Tat ertappt.

Im Amtsgericht kennt dieser Mann sich aus. Der 53-jährige Schleswiger ist hier seit vielen Jahren Stammgast. Sein Vorstrafenregister umfasst 33 Einträge – die meisten wegen Diebstahls. Gestern saß er wieder einmal auf der Anklagebank. Eine mächtige Gestalt mit kurzem grauen Bart – Typ Seebär. Sein Urteil nahm er regungslos zur Kenntnis: 14 Monate Haft ohne Bewährung. Dabei war die Tat, um die es ging, vergleichsweise geringfügig. Er hatte alte Zeitungen gestohlen – zehn Exemplare der „Micky Maus“, drei Mal „Lissy“, eine Pferdezeitschrift für Kinder, eine Hamburger Morgenpost, eine Schleswiger Nachrichten und einen Stapel bunte Blättchen von „Bild der Frau“ bis zur „Neuen Woche“.

Es geschah an einem Abend im Frühsommer des vergangenen Jahres. Eine Viertelstunde nach Ladenschluss des Netto-Marktes an der Königstraße öffnete er eine nur notdürftig verschlossene Kiste außen am Gebäude, in der sich die nicht verkauften Zeitschriften befanden, die die Mitarbeiter des Discounters an jenem Tag aussortiert hatten, und steckte den Inhalt in seinen Stoffbeutel. Was der Dieb nicht ahnte: Der stellvertretende Marktleiter war noch in der Nähe. Als er den Diebstahl bemerkte, griff er sofort ein. Er versuchte, dem Dieb seinen Beutel zu entreißen – ohne Erfolg. Es kam zu einem Gerangel und einer Verfolgungsjagd bis zum Dom, wo die Polizei eintraf.

„Wir hatten schon länger bemerkt, dass bei uns immer wieder Zeitungen verschwinden, deshalb war ich alarmiert“, sagte er als Zeuge vor Gericht und erklärte, dass es sich bei den Zeitungen nicht einfach um Altpapier handelte: Die nicht verkauften Exemplare gehen zurück an den Großhändler. Wenn etwas fehlt, entstehe dem Netto-Markt finanzieller Schaden. Der Wert der Zeitungen war genau zu beziffern: 48,08 Euro. Was der Dieb damit anstellen wollte, blieb offen. Der stellvertretende Marktleiter spekulierte: „Vielleicht wollte er sie an einen Kioskbetreiber verkaufen, der sie dann selbst an den Großhändler zurückgibt und dafür Geld bekommt.“

Die Beweisaufnahme gestaltete sich zäh. Rund eine Stunde lang schilderte die Frau des Angeklagten, was sie gesehen haben wollte. Zufällig sei sie beim Spaziergang mit ihrem Mops am Netto-Markt vorbeigekommen. Richter Martin Krauel bezeichnete ihre Aussagen, die ihren Mann entlasten sollten, als widersprüchlich und wenig glaubhaft – zumal niemand sonst die Frau am Tatort gesehen hatte.

Verteidiger Holger Ley beantragte Freispruch. Er meinte, sein Mandant habe nicht wissen können, dass es sich bei den Zeitungen nicht einfach um Altpapier handelte. Richter Krauel verwies indes auf eine eindeutige Aufschrift auf dem Behälter. 14 Monate Haft seien angesichts des geringen Wertes „außerordentlich hoch“. Die Strafe sei jedoch erforderlich, weil der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat noch unter Bewährung stand.

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erstellt am 27.Feb.2015 | 17:55 Uhr

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