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Schleswig : Mehrfamilienhäuser auf der Freiheit: „Das passt hier nicht hin“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Geplante Mehrfamilienhäuser sorgen bei Anwohnern auf der Freiheit für Ärger.

von
erstellt am 03.Okt.2015 | 07:08 Uhr

Zwei miteinander verbundene Häuser, drei Stockwerke hoch mit Platz für acht Wohnungen: Ein geplantes Bauprojekt dieser Dimension sorgt auf der Freiheit zurzeit für reichlich Diskussionsstoff. Denn zahlreiche Anwohner befürchten, dass sich dadurch der Charakter des gesamten Stadtteils verändern könnte, in dem – bis auf die Appartementhäuser direkt am Schleiufer – zurzeit noch Einfamilienhäuser und Doppelhäuser das Erscheinungsbild prägen.

„Und das ist erst das erste von mehreren geplanten Klötzen, die ähnlich groß sind“, sagt Matthias Bergmann stellvertretend für seine Nachbarn. Von denen hatten bereits mehrere in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses ihre Sorge über diese Entwicklung, die in erster Linie die Straße Alte Fähre betrifft, geäußert. Parallel dazu haben einige Bewohner ihrem Ärger in Briefen an die Entwicklungsgesellschaft Team Vivendi Luft gemacht und auch Beschwerde beim städtischen Bauamt eingelegt. Andere Grundstücksbesitzer, die noch gar nicht angefangen haben, ihre Häuser zu bauen, wollen sogar gar nicht mehr auf die Freiheit ziehen, „wenn das wirklich alles wahr wird“, sagt etwa Beata Helmer, die mit ihrer Familie die Fläche direkt hinter dem Mehrfamilienhaus gekauft hat. „Solche großen Häuser passen hier einfach nicht hin“, bringt Kristof Gatermann die Hauptsorge der Nachbarschaft auf den Punkt. Zumal die Pläne von Team Vivendi immer so ausgesehen hätten, dass an dieser Stelle normale Einfamilienhäuser geplant seien.

Michael Radtke, Sprecher von Team Vivendi, weist die Vorwürfe zurück. „Es wird dort nichts gebaut, was nicht dem Bebauungsplan entspricht. Die Kleinteiligkeit des Stadtteils wird einfach durch wenige größere Einheiten ergänzt“, sagt Radtke, der gleichzeitig bestätigt, dass es Pläne für insgesamt drei größere Wohneinheiten im südlichen Bereich der Alten Fähre gebe. „Aber da entstehen keine kalten Mietklötze. Die Häuser werden sich der bereits vorhandenen Bebauung anpassen.“ Die Pläne seien in Abstimmung mit dem Bauamt erarbeitet worden.

Tatsächlich bestätigt die Stadt, dass zumindest für das erste Mehrfamilienhaus bereits eine Baugenehmigung vorliege. In dem Bereich gebe es keine Verpflichtung zum Bau von Einzel- oder Doppelhäusern. „Und Bauvorhaben sind dann zulässig, wenn sie die Vorgaben des B-Plans berücksichtigen. Das ist hier der Fall“, sagt Rathaussprecherin Antje Wendt. Allerdings sei bei besagtem Projekt von den Anwohnern Widerspruch eingelegt worden. „Dabei handelt es sich aber noch um ein laufendes Verfahren.“

Konkret plant Bauherr Robert Davids zwei Häuser, auf die sich acht Wohnungen verteilen. Als Verbindungselement dient ein Fahrstuhlturm. Das ganze Ensemble erstreckt sich über drei Grundstücke. „Insgesamt wird alles deutlich niedriger und kleiner als viele andere Häuser, die bereits auf der Freiheit stehen“, sagt Davids. Deshalb könne er die Aufregung der Anwohner auch nicht nachvollziehen. Direkt in der Parallelstraße etwa gebe es ein Gebäude, das deutlich größer sei. Gleiches gelte für die Appartementhäuser an der Schlei. „Ich denke, da erhitzen sich die Gemüter zu Unrecht. Wir haben penibel auf alle Vorgaben geachtet, haben nichts überreizt. Eines der Gebäude sieht sogar so aus wie die anderen Fischerhäuser auf der Freiheit“, so Davids, der zeitnah mit dem Bau beginnen möchte.

Die Anwohner indes sprechen auch trotz der Konformität mit dem B-Plan von einer „Katastrophe“. Sie fragen sich, warum größere Gebäudeeinheiten nicht dort errichtet werden, wo sie aus ihrer Sicht besser hinpassen, etwa an den geplanten Fabrikhof. Ein Argument, das Michael Radtke nicht nachvollziehen kann. „ Beim Fabrikhof geht es um ein Investment von 30 Millionen Euro. Das ist eine ganz andere Dimension. Beide Projekte kann man nicht miteinander aufwiegen.“

Auch Susanne Schöning, Investorin auf der Freiheit, weist die Vorwürfe der Anwohner in einem Antwortbrief zurück. Darin beruft sie sich auf den öffentlich einsehbaren B-Plan und wirbt gleichzeitig für ein „menschenfreundliche Wohnkonzept“. „Lassen Sie uns gemeinsam dafür eintreten. Polemik ist da wenig hilfreich“, so Schöning.

 

 

 

 

 

 

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