Mord an Schleswiger Rentnerin : Mehr als 1000 Männer zu Massen-Gentest geladen

Die Daten werden nach der Auswertung des Gentests wieder gelöscht - die Proben werden nur für den Mordfall an der Rentnerin genutzt. Foto: dpa
Die Daten werden nach der Auswertung des Gentests wieder gelöscht - die Proben werden nur für den Mordfall an der Rentnerin genutzt. Foto: dpa

Die Polizei will nach 31 Jahren die brutale Ermordung einer 73-jährigen Schleswigerin aufklären. Die letzte Hoffnung ist nun ein Massen-Gentest - zum ersten Mal im Landgerichtsbezirk Flensburg.

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06. Juni 2013, 10:10 Uhr

Schleswig | Am Freitagnachmittag beginnt in der Turnhalle einer Schleswiger Grundschule der Massen-Gentest, mit dem die Polizei einen 31 Jahre zurückliegenden Mordfall aufzuklären hofft. Mittwochmittag gaben Mordkommission und Staatsanwaltschaft auf einer gemeinsamen Pressekonferenz Einzelheiten zum Stand der Ermittlungen und zu ihrem weiteren Vorgehen bekannt.
Die damals 73-jährige Erna Ganz war in den Abendstunden des 30. Juni 1982 in ihrer Erdgeschosswohnung im Schleswiger Stadtteil Friedrichsberg überfallen, vergewaltigt und erstickt worden. 1055 Männer sind nun aufgerufen, zwischen Freitag und Sonntag eine Speichelprobe abzugeben. Der Personenkreis sei anhand von Geschlecht, Alter und Wohnort eingegrenzt worden, erklärte die ermittelnde Kriminalhauptkommissarin Susanne Jager. Eingeladen sind Männer, die zum Tatzeitpunkt zwischen 16 und 60 Jahre alt waren und in der Nähe des Tatortes wohnten. "Dabei sind wir auch einige Jahre weiter in die Vergangenheit gegangen", sagte Jager. Denn sicher ist nur: Der Täter kannte sich aus in der Nachbarschaft. Er verließ die Wohnung der alten Dame über ein Fenster auf der Rückseite des Hauses. Möglicherweise, so die Polizei, habe er zum Tatzeitpunkt aber schon nicht mehr dort gewohnt.

"Es war ein geplanter Mord"

Jager und ihre Kollegen aus der Mordkommission haben die alten Akten noch einmal genau unter die Lupe genommen - und sind teilweise zu anderen Schlüssen gekommen als ihre Vorgänger 1982. So sind sie inzwischen sicher, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. Auch konzentrieren sie sich nicht in erster Linie auf Jugendliche. Außerdem ist Jager sich sicher: "Es war ein geplanter Mord."
Die Reihenuntersuchungen beginnen am Freitag um 16 Uhr und am Sonnabend und Sonntag jeweils um 9 Uhr und sollen bis in die Abendstunden andauern. Männer, die nicht mehr in Schleswig-Holstein wohnen, können ihre Speichelprobe bei der Polizei in ihrer neuen Heimat abgeben. Zudem sind auch die leiblichen Kinder von bereits Verstorbenen eingeladen. Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt stellte klar: "Es handelt sich bei diesem Personenkreis nicht um Verdächtige, sondern um völlig Unbeteiligte." Auch wer der Bitte nicht nachkomme, eine DNA-Probe abzugeben, gerate dadurch nicht automatisch in Verdacht. "Aber wir werden uns diese Personen auf jeden Fall noch einmal genau ansehen", sagte sie.

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