Landeskrankenhaus Schleswig : Medikamentenversuche auch an Erwachsenen

Zugewuchert und vergessen: Die Häuser, in denen die Psychiatrie-Patienten auf dem Hesterberg einst lebten, stehen heute größtenteils leer. Einige Bauten sind in den vergangenen Jahren bereits abgerissen worden.
Das ehemalige Landeskrankenhaus am Hesterberg ist zugewuchert. Einige Bauten sind in den vergangenen Jahren bereits abgerissen worden.

Es soll sieben Versuchsreihen mit mehr als 800 Probanden gegeben haben. Viele Betroffene waren nicht einwilligungsfähig.

shz.de von
24. Februar 2017, 11:12 Uhr

Schleswig | Im ehemaligen Landeskrankenhaus Schleswig hat es in den 50er- bis 70er-Jahren fragwürdige medizinische Versuchsreihen nicht nur an Kindern, sondern auch an Patienten der Erwachsenenpsychiatrie gegeben. Das zeigen Recherchen von „NDR1 Welle Nord“ und dem „NDR Schleswig-Holstein Magazin“.

Danach waren die Betroffenen aufgrund ihrer psychischen Erkrankungen vielfach gar nicht einwilligungsfähig. Zudem wurden die Medikamente zum Teil allen neuen Patienten einer Station verabreicht – unabhängig von der individuellen Diagnose. Das geht aus historischen Fachaufsätzen hervor, die die Mediziner im Anschluss an ihre Forschungen veröffentlichten.

Insgesamt soll es um mindestens sieben Versuchsreihen mit zusammengerechnet mehr als 800 Probanden gehen. Anders als die bisher bekannten Fälle mit Minderjährigen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie Schleswig-Hesterberg beziehen sich die nun entdeckten Aufsätze auf die Erwachsenen-Abteilung Schleswig-Stadtfeld. Dem Sozialministerium in Kiel lägen keine Unterlagen zu den nun aufgetauchten Versuchsreihen vor. Eine konkrete Bewertung sei daher noch nicht möglich, sagte ein Ministeriumssprecher dem NDR.

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