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BBZ Schleswig : Marodes Internat: Schüler ergreifen die Flucht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Zustand des Internats am Berufsbildungszentrum Schleswig ist so schlecht, dass erste Ausbildungsgänge gefährdet werden. Jetzt will die Schule auf eigene Faust sanieren.

Wer in Schleswig-Holstein eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann macht oder sich zum Justizfachangestellten ausbilden lässt, der kommt an Schleswig nicht vorbei: Denn beide Ausbildungsgänge sind – zumindest was den schulischen Teil anbelangt – ausschließlich am Schleswiger Berufsbildungszentrum (BBZ) angesiedelt und finden dort als Blockunterricht statt. Für die Einrichtung ist dies derzeit Segen und Fluch zugleich.

Denn einerseits bescheren die Bildungsgänge dem BBZ, das sich finanziell selbst tragen muss, Schulkostenbeiträge von fast 300  000 Euro pro Jahr, andererseits muss das BBZ für eine angemessene Unterbringung der Auszubildenden sorgen. Und genau an diesem Punkt hapert es gewaltig. Das schuleigene Internat ist marode, und eigentlich sollten bereits Pläne für einen Neubau vorangetrieben werden. Doch dem Wunsch von Schule und Politik scheint die Verwaltung nur zögerlich nachzukommen. Der Kulturausschuss des Kreises macht jetzt Druck.

Bis zum 26. Mai – dem nächsten Sitzungstermin – wollen die Politiker Klarheit haben. Die Planung inklusive der Kostenschätzung und einer Finanzierungsplanung für den Neubau sollen dann vorgelegt werden, ein Zeitplan bis zum schnellst möglichen Bezugsdatum – man hofft auf Frühjahr 2017 – ebenfalls. Zudem fordert der Kulturausschuss eine Übersicht über alle benötigten Beschlüsse sowie eine Einschätzung der möglichen Nachteile einer Nichtrealisierung.

BBZ-Geschäftsführer Hans Hermann Henken ließ keinen Zweifel daran, dass jede weitere Verzögerung in der Neubauplanung zu einer Gefährdung der Ausbildungsgänge führen könnte. „Das Ministerium erwartet eine schnelle Lösung“, sagte er, „sonst wird der Standort in Frage gestellt“. Bis zum Sommer hatte Kiel noch eine Sondergenehmigung gelten lassen, wonach Auszubildende aus dem Süden des Landes in Hamburg beschult werden konnten, doch damit war nach den Sommerferien Schluss. Henken: „Derzeit verschickt das Ministerium Schreiben an die Unternehmen und verweist auf das BBZ als einzigen Standort. Das erhöht natürlich den Druck. Es muss hier zeitnah eine anständige Ausstattung geben.“

Im vergangenen Jahr wurden in der Schleswiger Einrichtung 177 Schüler zu Justizfachangestellten sowie zu Sport- und Fitnesskaufleuten ausgebildet. Weil sie aus dem ganzen Land kommen und wegen der großen Entfernungen nicht täglich anreisen können, wohnen sie während der sechs- bis zehnwöchigen Ausbildungsblöcke im BBZ-Internat – Kosten pro Nacht: zehn Euro. Hier sind sie derzeit in drei Dreibett-, neun Doppel- und lediglich vier Einzelzimmern untergebracht.

Die Betten stammen aus alten Bundeswehrbeständen, die Blechschränke ebenso. Beanstandungen betreffen aber vornehmlich die Sanitäranlagen. Sie sind nicht nur verschlissen, es sind auch zu wenige. Fünf Toiletten und vier Duschen stehen 31 Internatsschülern zur Verfügung und werden zudem auch noch von den BBZ-Schülern genutzt, die ebenfalls im Haus unterrichtet werden. Eine Woche hätten es jüngst Azubis aus Pinneberg im Internat ausgehalten, schilderte Henken, dann seien sie ausgezogen. Nun kommen sie jeden Morgen in Fahrgemeinschaften nach Schleswig.

Um dem Ministerium ein Signal zu geben, wird Henken dem Verwaltungsrat in den nächsten Tagen vorschlagen, auf eigene Faust zunächst die sanitären Anlagen zu erneuern. Bezahlt werden sollen die Arbeiten aus den Rücklagen des Bildungszentrums, die Henken eigentlich als Risikoabsicherung sieht und nicht als Quelle, aus der er Versäumnisse des Schulträgers kompensiert. Henken: „Aber bevor die Bildungsgänge an die Wand gefahren werden, muss ich handeln.“

Die Kulturpolitiker stehen in dieser Sache hinter dem Schulleiter. Die Aufforderung an die Verwaltung – also den Schulträger – schnellstens einen Neubau des Internats anzugehen, haben alle Fraktionen unterschrieben. Ausschussvorsitzender Karsten Stühmer (SPD): „Damit die Bremser endlich von der Bremse gehen!“

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erstellt am 03.Mär.2015 | 12:45 Uhr

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