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Leerstand in Schleswig : Marodes Hertie-Haus - lieber Geschäfte als Park

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Schleswig tut sich schwer mit seiner leerstehenden Hertie-Immobilie. Ein Park war den Politikern zu teuer. Stattdessen hätten sie lieber weitere Geschäfte.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2013 | 01:52 Uhr

Schleswig | Die Geschichte klingt nach einem verspäteten Aprilscherz. Das marode Hertie-Haus am westlichen Eingang des Stadtweges sollte einem Park weichen. Der Haken: Zuvor hätte die Stadt die Immobilie kaufen müssen. Wie erst jetzt bekannt wurde, befassten sich die Mitglieder des Hauptausschusses mit dieser streng geheim gehaltenen Idee des Bauamtes bereits am 8. April - und lehnten den Vorschlag ab.
Denn das wäre ein teurer Park geworden: 2,6 Millionen Euro soll das leerstehende Hertie-Haus kosten, hinzu kommen nach Schätzungen von Eingeweihten etwa 300.000 Euro für den Abriss dieses Beton-Bunkers, anschließend wären zwischen 50.000 und 200.000 Euro für den Bau der Grünflächen erforderlich gewesen. "Das hätten wir keinem Steuerzahler vermitteln können", sagt ein Kommunalpolitiker, der bei der nichtöffentlichen Sitzung anwesend war. Parteiübergreifend sei man sich einig gewesen, dieses Risiko zu vermeiden.

Land will Geld ausschütten

Allerdings hätte die Stadt die finanzielle Belastung nicht allein tragen müssen. Denn den Anlass für die Hertie-Idee des Bauamtes lieferte das Innenministerium, das kurz zuvor an die Stadt herangetreten war. Die Ministerialen teilten zur Überraschung der Schleswiger Bauamtsleute mit, dass im Topf der Städtebauförderung noch etliche Mittel vorhanden seien, die möglichst zügig ausgeschüttet werden müssten. Im Schleswiger Fall hätte das bedeutet, dass Kiel zwei Millionen Euro und Schleswig eine Million Euro hätte zahlen müssen - eine übliche Form der Kofinanzierung.
Doch einen Park will die Kommunalpolitik an dieser Stelle ohnehin nicht bauen, zumal es durchaus Interessenten gibt, die den von Leerständen geprägten westlichen Stadtweg wirtschaftlich beleben wollen. Nach Informationender Schleswiger Nachrichten soll die Firma "CR Investment Management" mit mehreren Unternehmen über den Kauf des Hertie-Hauses verhandeln. "CR Investment" wurde beauftragt von den Eigentümern der Immobilie. Dabei wiederum soll es sich um holländische Briefkastenfirmen handeln.

Mix aus mehreren Geschäften

Ideal wäre aus Sicht der Politik ein Mix aus mehreren interessanten Geschäften, die sich über das gesamte frühere Kaufhaus-Areal erstrecken. Dazu zählen die beiden Nebengebäude an der Ecke Moltkestraße/Stadtweg, von denen sich nach Angaben des Rathauses mindestens eines im Eigentum von Karstadt befindet. In der Schublade eines Schleswiger Unternehmers liegen bereits Pläne für eine Überbauung des kompletten Areals inklusive Tiefgarage. Als potenzielle Mieter wurden wiederholt die Modemarke "H&M", der Elektroriese "Saturn" sowie eine Drogerie-Kette genannt.
Der Baugrund dürfte sich als nicht einfach erweisen. Grund ist die Hanglage des Hertie-Gebäudes, die besonders gut von der Moltkestraße aus deutlich wird. Verwaltungsintern hat das Bauamt bereits davor gewarnt, dass ein Abriss der Immobilie dazu führen könnte, den Hang darüber ins Rutschen zu bringen, was wiederum die Kalkulation der auf 300.000 Euro geschätzten Abbruchkosten über den Haufen werfen dürfte.

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