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Steinbergkirche : Maroder Bismarckturm gesperrt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bei einer Überprüfung haben Baufachleute Korrosionen an den Stahlträgern und Risse im Mauerwerk festgestellt. Querns Bürgermeister wirft dem Kreis Versäumnisse bei der Bauunterhaltung vor

„Das habe ich schon lange erwartet, sagt Eckhard Szidat und schüttelt den Kopf. Den „Turmvater“ hat gerade die Meldung des Kreises Schleswig-Flensburg erreicht, dass der Bismarckturm auf dem Scheersberg geschlossen worden ist. Der Grund: Bei einer Überprüfung haben Baufachleute Korrosionen an den Stahlträgern und Risse im Mauerwerk festgestellt. Spezialisten sollen jetzt im Auftrag des Kreises die Tragfähigkeit des Gebäudes und den Umfang der Schäden feststellen.

Eckhard Szidat ist seit 25 Jahren Betreuer des Turmes. Er residiert im Fitness-Studio am Fuße des Gebäudes – und dass er den Schlüssel für Besucher herausgibt, Eintritt kassieren darf und Andenken verkaufen darf, ist sogar im Grundbuch eingetragen. „Ich bin mit dem Turm verwachsen“, bekennt der 64-Jährige. Mit Sorge hat er über Jahre mit angesehen, dass der Kreis sich kaum um den Turm gekümmert und ihn regelrecht hat verwahrlosen lassen, wie Szidat sagt. Der Weg von der Straße zum Turm ist ein ungepflegter Pfad. Wo früher einmal Blumen gepflegt wurden, wuchern heute Brennnesseln. Eckhard Szidat hat auch den baulichen Verfall miterlebt. Besonders das undichte Dach und die durchlässige obere Metalleinfassung hätten zwangsläufig zu Rostfraß und Mauerschäden führen müssen.

Lutz Döring vom Servicebetrieb des Kreises hat den 32 Meter hohen Turm routinemäßig inspiziert und natürlich die Veränderung der baulichen Substanz gesehen. Doch Geld für rechtzeitige Reparaturarbeiten wurden vom Kreis nicht bereitgestellt. So konnte der Rost weiter arbeiten und die Risse wurden größer.

„Wie das in der Vergangenheit gelaufen ist, kann ich zurzeit nicht sagen. So weit bin ich bei den Recherchen noch nicht“, sagt Landrat Wolfgang Buschmann. Klar sei allerdings, dass die Sperrung notwendig sei, um nicht Menschen zu gefährden. „Ebenso klar ist, dass wir an die Sache ran müssen. Ich hoffe nur, dass der Bismarckturm nicht zu unserer Rader Hochbrücke wird.“

Zwischen 3000 und 5000 Besucher jährlich sind bisher die Stufen bis zur oberen Plattform hinaufgeklettert. Von dort oben bietet sich ein einmaliger Blick über die Landschaft Angeln bis weit nach Dänemark. Mit verschiedenen Aktionen, wie „Kunst im Turm“ hat Szidat in den vergangenen Jahren für den Turm geworben. Touristen aus der ganzen Welt haben sich bei ihm den großen Schlüssel geholt, um sich Angeln von oben anzuschauen. Das Eintrittsgeld wird vom Turmausschuss verwaltet und ist für kleinere Reparaturen eingesetzt worden. Den Verfall konnten die Einnahmen nicht aufhalten.

Nicht nur Besucher zeigen sich jetzt über die verschlossene Tür verärgert. Auch Querns Bürgermeister Gernot Müller bezeichnet die Schließung als Katastrophe. Der Kreis sei seiner Verpflichtung zur Erhaltung nicht nachgekommen, kritisiert Müller: „100 Jahre hat der Turm die Landschaft geprägt und nun ist er kaputt.“ Müller vermutet, dass der Kreis bewusst kein Geld in den Erhalt des Turms investiert hat – und nun mit der Forderung kommen werde, dass sich die Gemeinde an der Erhaltung beteiligen solle. „Aber daraus wird wohl nichts“, sagt der Bürgermeister.

Dass der Turm bald wieder bestiegen werden kann, ist eher unwahrscheinlich. Erst müssen Gerüste aufgestellt werden, um das Gebäude intensiv begutachten zu können und das alleine kostet viel Geld.

Auswirkungen auf den unmittelbar in Turmnähe befindlichen Jugendhof Scheersberg will Eckhard Szidat nicht ausschließen. Wenn Bauteile herunterfallen, können Menschen gefährdet werden, so seine Warnung.


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erstellt am 09.Okt.2014 | 12:00 Uhr

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