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100. Geburtstag in Erfde : Maria-Erna Seddig: Vor 81 Jahren fast für tot erklärt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Sie überlebte einen schweren Unfall und die Flucht aus Ostpreußen: Morgen wird Maria-Erna Seddig 100 Jahre alt.

Ihren 100. Geburtstag feiert morgen Maria-Erna Seddig aus Erfde. „Eigentlich hätte ich diesen Tag gar nicht feiern können“, sagt die humorvolle Jubilarin und erzählt folgende Begebenheit aus dem Jahr 1933 in Königsberg: Als sie den Weg zur Straßenbahn benutzte, fuhr ein Auto sie an und riss sie acht Meter auf den Pflastersteinen mit. Da man ihr keine Chance auf ein Überleben gegeben hatte, packte man sie in die Leichenkammer des Krankenhauses. Per Zufall entdeckte man vier Stunden später, dass sie noch Lebenszeichen von sich gab.

Geboren wurde die Jubilarin am 7. Oktober 1914 als Maria-Erna Rieß in ihrem Elternhaus in Klinthenen im Kreis Gerdauen (Ostpreußen). „Wir waren sieben Kinder, meine Mutter war Hausfrau und Vater in den Sommermonaten Maurer“, berichtet die rüstige Rentnerin. Schon kurz nach ihrer Geburt wurde das Elternhaus von russischen Truppen besetzt. „Diese waren jedoch vernünftig zu uns“, weiß sie von ihrer Mutter.

Ihren Vater lernte Maria-Erna Seddig nie kennen. Er fiel schon im Herbst 1914 in Russland. Ihre Schulzeit verbrachte sie in der Dorfschule in Klinthenen. Mit 14 Jahren ging es für eineinhalb Jahre in Stellung zu einem Kaufmann in die Kreisstadt. „Ich konnte von zu Hause her schon kochen, Wäsche waschen, Strümpfe stricken und den Garten machen“, erinnert sie sich.

Mit 22 Jahren heiratete sie ihren zwei Jahre älteren Ehemann Oskar Seddig. Er war zunächst Bauer und wurde danach Soldat in der Wehrmacht. Drei Kinder gingen aus dieser Ehe hervor. Am 1. Juli 1944 fiel ihr Mann in Russland, das jüngste Kind lag noch im Kinderwagen. Im Januar 1945 erkrankte Maria-Erna Seddig schwer und musste ins Krankenhaus nach Elbing, um dort operiert zu werden. „Schon nach vier Tagen wurde ich entlassen und musste mich mit meinen drei Kindern bei Schnee und Eis auf den Weg in den Westen aufmachen“, schildert sie. Zum Glück durfte sie mit ihren Kindern mit einem Zug voller verwundeter Soldaten nach Bad Oldesloe fahren. „Bei einem Bauern in Lasbek fanden wir eine Unterkunft und hatten hier zu essen“, erzählt sie.

Über die Wohnungsbaugenossenschaft bekam sie später in Bad Oldesloe eine eigene Wohnung. 1974 bezog sie bei Tochter Inge und Schwiegersohn Gerhard in Raisdorf eine Einliegerwohnung. Besonders zur Enkelin Gesa entwickelte sich hier ein sehr herzliches Verhältnis. „Ich wohnte mit Oma auf einer Etage“, berichtet die heute 49-jährige Gesa Kahlen aus Erfde.

Die Jubilarin verlor durch Krankheiten im Jahr 2004 ihren Sohn Dirk und 2012 ihre Tochter Inge. Sohn Gerd wohnt heute im ostwestfälischen Minden. Maria-Erna Seddig hat heute acht Enkelkinder und zehn Urenkel.

Seit dem November 2012 wohnt sie in der DRK-Seniorenpflegeeinrichtung in Erfde. „Hier habe ich es nur wenige Meter bis zu meiner Enkelin Gesa und ihrem Ehemann Norbert.“ Bei gutem Wetter unternimmt sie regelmäßig Spaziergänge durch Erfde. Ein wenig aufgeregt ist Maria-Erna Seddig schon vor ihrem morgigen Geburtstag, denn am Vormittag gibt es den Empfang mit den Ehrengästen, und am Nachmittag kommt dann die Familie.

 

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erstellt am 06.Okt.2014 | 07:45 Uhr

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