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Sorge um die heimische Tierwelt : Marderhund auf dem Vormarsch

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Jäger bringen im Kreisgebiet immer mehr der eingewanderten Allesfresser zur Strecke.

Ralf Sierk hatte es eigentlich auf Rotwild abgesehen, als ihm vergangene Woche abends im Moor in Klein Bennebek plötzlich ein Marderhund vor die Flinte lief. Der Jäger, Leiter des Hegerings VIII, drückte ab und erlegte das Tier. „Um die 20 Marderhunde wurden in diesem Jahr in unserem Hegering schon geschossen – so viele wie im gesamten Vorjahr“, sagt Sierk. Er bestätigt damit, was auch die Statistik zweifelsfrei belegt: Der Marderhund ist auf dem Vormarsch.

149 Abschüsse beziehungsweise per Fallen erlegte Tiere wurden im vergangenen Jagdjahr (1. April 2014 bis 31. März 2015) im Schleswiger Kreishaus gemeldet. Hinzu kommen 17 überfahrene und ein offenbar eines natürlichen Todes gestorbener Marderhund (siehe Tabelle). Für das aktuelle Jagdjahr rechnen die Experten mit einer Verdoppelung der Zahlen.

Der ursprünglich aus Asien stammende und auch Enok genannte Allesfresser ist alles andere als ein gern gesehener Gast in den Revieren. „Er vermehrt sich stark und hat überhaupt keine natürlichen Feinde“, beklagt Claus-Henning Jensen, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Schleswig. Der Marderhund bedrohe Niederwild und Bodenbrüter in ihrem Bestand. Jensen hat im vergangenen Jahr erstmals eines der vorwiegend nachtaktiven Pelztiere geschossen. Grundsätzlich sei der Marderhund schwer zu bejagen. Die Maisfelder böten ihm viel Deckung, und aus seinen Bauten lasse er sich nur schwer herauslocken, weiß Jensen.

Besonders viele Marderhunde wurden im vergangenen Jagdjahr auf der Geltinger Birk zur Strecke gebracht: 34 getötete Exemplare wurden aus dem dortigen Hegering Flensburg II gemeldet. Für dieses Jahr hat die Stiftung Naturschutz jedoch die Bejagung auf der Geltinger Birk eingeschränkt. Eine Maßnahme, die bei den Jägern auf Unverständnis stößt. „Es geht doch gerade da draußen um die Wasser- und Wiesenvögel. Da sollte man schon versuchen, den Bestand von Füchsen und Marderhunden einigermaßen zu regulieren“, findet etwa der ehemalige Hegeringsleiter Bernd Marquardsen. Er selbst hat zwar noch keinen Marderhund erlegt, dafür aber einen Waschbären. „Das war Zufall. Ich hatte auf der Geltinger Birk eigentlich auf Wildschweine angesessen“, berichtet Marquardsen. Der zweite im vergangenen Jagdjahr im Kreisgebiet erlegte Waschbär ließ in Norderstapel sein Leben.

Was von den Jägern als Plage für die heimische Fauna betrachtet wird, sehen Naturschutzverbände gelassen. „Marderhunde pflanzen sich bei uns fort. Die Art ist als einheimisch zu betrachten. Größere Schäden sind wie schon beim Waschbären nicht belegt“, heißt es beim Nabu Schleswig-Holstein. Auch Niels Kobarg von der Integrierten Station Geltinger Birk warnt vor Panikmache. Auf der Geltinger Birk habe man durch die Vernässung eine große Strukturvielfalt – etwa neue Brutinseln– geschaffen. „Wir müssen erstmal beobachten, wie sich die Marderhunde auf den Vogelbestand auswirken.“ Grundsätzlich stellten die Füchse jedoch das sehr viel größere Problem dar, ist er überzeugt. Gleichwohl steht für Kobarg fest, dass solche Räuber, zu denen eben auch der Marderhund zähle, bejagt werden müssten.

Und was macht ein Jäger mit seiner Beute, wenn er einen Marderhund geschossen hat? „Eigentlich verwerten wir alles als Jäger, aber mit denen kennt sich keiner aus“, räumt Ralf Sierk ein. Das Fell gelte jedenfalls als unbrauchbar. Sein Breklinger Kollege Claus-Henning Jensen meint: „Das sind schon eigenartige Viecher.“

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erstellt am 29.Aug.2015 | 07:43 Uhr

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