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Gewalttat in Schleswig : Mann im Wikingturm erstochen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

35-Jähriger stirbt noch am Tatort auf seiner eigenen Geburtstagsfeier. Der mutmaßliche Täter spricht von Notwehr und ist wieder auf freiem Fuß.

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erstellt am 14.Feb.2014 | 06:53 Uhr

Von den Nachbarn hat kaum jemand etwas bemerkt. „Es ist alles sehr anonym hier“, sagte ein Bewohner des Wikingturms, als er gestern Abend von der Arbeit nach Hause kam. Dass in Schleswig ein Mann auf seiner eigenen Geburtstagsfeier erstochen wurde, davon er hatte er auf der Heimfahrt im Autoradio gehört. „Das war hier bei uns im Wikingturm?“ Das mochte er kaum glauben.

Die Tat geschah bereits in der Nacht zu Mittwoch. Als die Polizei 36 Stunden später mit der Nachricht an die Öffentlichkeit ging, hatte noch nicht einmal Hausmeister Sönke Schloßmacher etwas davon gehört. Im Wikingturm mit seinen 27 Stockwerken, 241 Wohnungen, einem Restaurant und mehreren Rechtsanwaltskanzleien spricht sich nichts schnell herum. Dabei waren es dramatische Szenen, die sich in einer der Wohnungen zugetragen haben müssen. Die Polizei hat den Tathergang noch nicht vollständig rekonstruieren können. Der mutmaßliche Täter sagt, er habe in Notwehr gehandelt. Die Polizei hat ihn daraufhin wieder auf freien Fuß gesetzt, sucht aber nach weiteren Zeugen.

Klar ist, dass das Opfer nach einem Messerstich in den Unterkörper noch am Tatort verstarb. Der Mann hatte in seiner eigenen Wohnung seinen 35. Geburtstag gefeiert. Es floss viel Alkohol. Tief in der Nacht muss es dann zu einem Streit gekommen sein, an dessen Ende ein 25-jähriger Partygast zustach. Da war es ungefähr 3.30 Uhr. Der 25-Jährige sagt, er sei zuvor selbst vom Gastgeber attackiert worden. Er habe ihm dann ein Messer, das dieser in der Hand gehabt habe, entreißen können, um sich zu verteidigen.

Der Wikingturm gilt eigentlich nicht als Kriminalitätsbrennpunkt. „Es ist eigentlich sehr ruhig hier“, sagt ein Vermieter, der drei Wohnungen in dem Hochhaus besitzt. „Aber es ist eine sehr gemischte Klientel.“ Das Haus eigne sich gut, um zurückgezogen zu leben. Das täten erfolgreiche Berufstätige hier ebenso wie „Menschen, die medikamentös eingestellt sind“. Wer über die kreisförmigen Flure geht, sieht Namensschilder aus Messing, die gelegentlich mit akademischen Titeln versehen sind, aber auch Wohnungstüren, auf die nur Nummern mit Kreide gemalt sind.

Die Ermittlungen dauern an. Die Mordkommission bittet um Hinweise an die Polizei in Flensburg unter Telefon 0461/484-0 oder an das Schleswiger Polizeirevier unter 04621/84310.

 

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