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Aus der SN-Jugendredaktion : „Man braucht echte Leidenschaft“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Interview mit Tyll Reinisch gewährt Jan Malte Andresen Einblicke in den Alltag eines Radiomoderators.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2014 | 07:13 Uhr

Eine große Ehre wurde mir zuteil, als ich erfuhr, dass ich NDR1-Moderator Jan Malte Andrehen interviewen darf. Dieser legte im September seine herkömmliche Arbeit für zwei Wochen nieder und jobbte als Taxifahrer in den Städten Schleswig-Holsteins. Das dabei eingefahrene Geld wurde jeweils für einen guten Zweck gespendet. Für das Interview im Taxi kam der Radiomoderator mit etwas Verzögerung am abgemachten Treffpunkt an der Lornsenschule an: Er hatte sich schlichtweg verfahren in Schleswig, einer Stadt, in der man sich nach einem Tag auch noch nicht hundertprozentig auszukennen kann. Doch schon beim Heranfahren entschuldigte er sich lächelnd durchs geöffnete Fenster. Bevor dann das eigentliche Interview, das wir während der Fahrt zu mir nach Hause in Silberstedt führten, richtig losging, bot Jan Malte mir das Du an.


Jan Malte, ichhabe gelesen, dass Du Jahrestage alle Art sammelst. Heute (23. September) ist übrigens weltweiter Tag der Bisexualität und zudem noch astronomischer Herbstanfang.
Das stimmt, ich sammle Jahrestage. Ich habe auch tatsächlich mal nachgeschaut, leider gibt es aber noch keinen Tag des Popcorns oder des Käsekuchens.


Wirst du eigentlich oft erkannt auf der Straße?
Obwohl ich Radiomoderator bin, muss ich sagen: erstaunlicher Weise ja. Aber ich übe diesen Beruf, wo wir gerade bei Jahrestagen waren, in diesem Monat auch schon genau 25 Jahre lang aus. Damals, 1989, hatte ich noch Schule und wenn ich zur zweiten Stunde hin musste, dann konnte ich eine Frühsendung moderieren. In 19 Jahren des Moderierens wurde ich aber fast nie erkannt. Aber hier in Schleswig-Holstein, wo wir vom Radio oft mit dem Fernsehen zusammenarbeiten und man deswegen das ein oder andere Mal zu sehen ist, da wird man schon öfter erkannt.


Ich habe gelesen, dass Du auch bei Tagesschau24 (ein digitaler Sender der ARD) moderierst. Stimmt das?
Ja, ich habe das testweise zweimal nachmittags gemacht. Aber richtig los geht es für mich erst im Oktober. Das Besondere ist, dass man als Tagesschau24-Sprecher am Wochenende im Ersten die richtige Tagesschau moderiert. Da bin ich jetzt schon aufgeregt, obwohl das erst am 18. Oktober losgeht und dann auch erstmal nur im Nachmittagsprogramm. Aber man hat mir gesagt, ich sollte doch bitte mein Bärtchen abnehmen lassen. Ich hatte mir das extra stehen lassen, weil es cool ist.

Musstest Du eigentlich für das Radio mal so etwas wie Sprachtraining machen? Oder muss man das nicht, wenn man so eine doch wohlklingende Stimme hat wie Du?
Erstmal Danke für das Kompliment, aber das ist mir wohl in die Wiege gelegt worden. Mein Vater ist Schauspieler. Außerdem sollen wir beim Radio ja auch authentisch klingen und uns nicht verstellen. Dafür brauchte ich also nie so ein Training.


War Moderation für Dich schon immer reizvoll?
Ja, tatsächlich. Mein Vater war damals auch beim Funk, wie man das ja nannte, und da durfte ich schon früh, sogar als Fünfjähriger schon, für Hörspiele sprechen. Damals war die Moderation aber noch nicht so meins und ich wollte später immer auch Hörbücher machen. Wenn ich in die Moderation wollte, dann auch nur für die Nachrichten und die Verkehrsmeldungen. Aber um die vorlesen zu können, musste man Moderator sein. Mein Anfänge habe ich dann später in Baden-Württemberg gemacht, indem ich kleine Werbespots gesprochen habe, zum Beispiel für Erdbeerhöfe, bei denen man selber pflücken kann. So bin ich zur Moderation gekommen, von der ich heute nicht mehr weg möchte.


Das Radio verliert ja nicht so wirklich an Zuhörern. Wenn man überlegt, dass es so viele Alternativen im Internet gibt, sich seine Lieblings-Musik anzuhören, ist es erstaunlich, dass Ihr noch so viel Zuspruch findet – oder ?
In der Tat ist das überraschend, aber ich glaube, was die Leute an uns so schätzen, ist die Regionalität, die regionale Identität, die wir mit unserem Programm vermitteln. Auch solche Aktionen, wie diese hier mit dem Taxifahren, ist etwas, was dir Online-Mediatheken nicht geben können. Das ist das, was funktioniert und was Radio im regionalen Bereich beliebt macht.


Ist das Radio dadurch, dass das gesprochene Wort mehr wiegt als das Bild im Fernsehen, auch persönlicher, enger am Konsumenten?
Diesen Livecharakter des Radios, immer und überall, auch während der Arbeit, des Autofahrens oder beim Aufwachen, kann Dir eine Fernsehsendung nicht so einfach bieten. Auch Sender mit einem größeren Einzugsgebiet können das schwieriger ermöglichen als wir von NDR1, weil wir nur in Schleswig-Holstein senden.


Deine Sendung startet ja täglich um 14 Uhr, wann fängst Du an zu arbeiten?
Eigentlich darf man es gar nicht erzählen, so traumhafte Arbeitszeiten habe ich. Aber gut, nach vielen Jahren, wo ich wirklich morgens um 3.30 Uhr aufstehen musste, habe ich mir das echt verdient. Um 11 Uhr fange ich an. In den drei Stunden vor der Sendung wird dann geplant, besprochen, was gemacht wird, die Themen des Tages, Interviews werden vorbereitet, manchmal wird schon vorproduziert. Nachbereitung habe ich dann später keine mehr, also wenn ich den Hörern einen schönen Feierabend wünsche, kann ich selber nach Hause gehen.


Kannst Du jungen Leuten, die mit der Schule fertig sind, empfehlen, in diese Branche zu gehen?
Also, ich habe ja inzwischen schöne Arbeitszeiten. Man darf aber nicht vergessen, dass der Beruf auch stressig sein kann. Aber wenn du echte Leidenschaft hast, wenn du es wirklich willst und nicht nur hoffst, der neue Jauch oder Gottschalk zu werden, wenn es dir Spaß macht, journalistisch zu arbeiten und den Leuten etwas zu vermitteln, dann ist das eine gute Idee. Dann muss man sich da durchkämpfen, mit Herz und Leidenschaft. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, einen Einstieg zu finden, wie zum Beispiel Jugendredaktionen von Zeitungen.

Damit endete das Interview, denn wir hatten unser Fahrtziel erreicht. Ich durfte einen sehr netten und offenen Jan Malte kennenlernen, der nicht nur ein freundlicher Radiomoderator ist, sondern auch ein guter Taxifahrer. Einer zweiten Karriere steht also nichts mehr im Wege…

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