Schleswig : Malte Lerch – die Erinnerung bleibt

So sieht die Gedenkplatte aus, die von von 2010 bis 2012 an Malte Lerch erinnerte.
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So sieht die Gedenkplatte aus, die von von 2010 bis 2012 an Malte Lerch erinnerte.

Erschlagener Obdachloser: Stadt will empfindliches Tonrelief durch neue Stahlplatte ersetzen.

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14. Juli 2015, 07:29 Uhr

Der 13. September 2000 ist ein schwarzer Tag in der Geschichte der Stadt Schleswig. An jenem Mittwoch wurde der Obdachlose Malte Lerch von zwei Neonazis nach einem Streit auf den Königswiesen brutal erschlagen. Ein Fall, der bundesweit für Aufsehen sorgte. 15 Jahre ist das inzwischen her. Und während die beiden Täter schon längst wieder auf freiem Fuß sind (das Flensburger Landgericht verurteilte sie wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu jeweils sieben Jahren Haft), ist die Erinnerung an das damals 45-jährige Opfer fast verblasst. Denn die Gedenkplatte, die an das Verbrechen erinnerte, ist seit Ende 2012 verschwunden.

Im Jahr 2010 war das Tonrelief gemeinsam von den Schleswiger Kirchengemeinden, der Gewerkschaft Verdi, der Ortsgruppe von Amnesty International und dem „Kulturnetz Schleswig“ auf den Königswiesen eingeweiht worden. Im Folgejahr wurde die Tafel allerdings gleich mehrfach von unbekannten Tätern beschädigt. Ein Jahr später schließlich entfernten die Umweltdienste sie völlig. In den Metallkörper, der die Platte umgab, war Wasser eingedrungen. Seitdem erinnern in einer Kurve des Uferweges auf den Königswiesen in Richtung Stadthafen allein ausgedruckte Zettel an Malte Lerch und sein Schicksal, die von einer bislang unbekannten Person samt Blumen regelmäßig dorthin gelegt werden. Bei der Stadt indes arbeitet man noch immer an einer Lösung, wie man mit dem Gedenken an die Bluttat künftig umgehen will.

Auf SN-Nachfrage bestätigt Rathaussprecherin Antje Wendt zumindest, dass man das Thema auch trotz der inzwischen verstrichenen Zeit weiter verfolge – und dass man sich mit der Politik einig sei, dass das Gedenken an Malte Lerch auch künftig aufrechterhalten werden soll. Fest stehe bereits, dass man das ursprüngliche Tonrelief, das zurzeit bei den Umweltdiensten gelagert wird, nicht wieder anbringen werde. Der Grund: Es sei nicht nur mehrfach beschädigt worden, sondern auch äußerst empfindlich gegen Witterungseinflüsse. Als Alternative zieht das Bauamt laut Wendt nun eine Platte aus Edelstahl vor, die an der Wand des Beton-Pavillons, am Ende des Kanals auf den Königswiesen steht, angebracht werden könnte. Dort könnte dann in ausgelaserter Schrift „Malte L. – Ein Opfer der Gewalt – 13.09.2000“ stehen. Auf rund 1000 Euro, so schätzt man in Bauamt, würden sich die Kosten belaufen. „Sollte sich in der zweiten Jahreshälfte herausstellen, dass im jetzigen Haushalt noch freie Mittel verfügbar sind, kann die Maßnahme noch in diesem Jahr realisiert werden“, sagt Antje Wendt.

Zum Hintergrund: Malte Lerch hatte an besagtem Abend gemeinsam mit zwei Skinheads auf den Königswiesen gezecht. Als er abfällige Bemerkungen über die Neonazi-Szene machte, fühlten sich seine beiden Begleiter beleidigt und rasteten aus. Unter anderem traten sie auf Lerch mit Stahlkappenstiefeln ein. Anschließend liefen sie davon und ließen ihr Opfer schwer verletzt zurück. Am nächsten Tag fanden Passanten die Leiche des Obdachlosen. Wie der Flensburger Richter später in seiner Urteilsbegründung zusammenfasste, gab es für die Brutalität gegenüber dem hilflosen Opfer kein nachvollziehbares Motiv.

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