„Tikibaboo“-Freitag : Malen ohne Berührungsängste

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Die Vereinsmitglieder Lisa Borchert und Kay Querner malen mit René (von links), Nina und Mattis.
Die Vereinsmitglieder Lisa Borchert und Kay Querner malen mit René (von links), Nina und Mattis.

Am „Tikibaboo“-Freitag in der Peter-Härtling-Schule treffen sich Menschen mit und ohne Handicap zu gemeinsamen Kunstaktionen.

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25. November 2018, 16:46 Uhr

Schleswig | „Das kitzelt“, sagt die fünfzehnjährige Nina, als Lisa Borchert ihre Hand mit blauer Farbe anmalt. Kurz darauf ziert ihr Handabdruck einen großen Papierbogen, auf dem Tannenbäume und Rentiere die dunkle Jahreszeit verkörpern. Die Kunstaktion findet im Rahmen des „Tikibaboo“-Freitags statt, den der gleichnamige Verein jetzt bereits zum vierten Mal in diesem Jahr an der Peter-Härtling-Schule angeboten hat.

Mit solchen inklusiven Projekten wolle man es Menschen mit und ohne Einschränkungen ermöglichen, gemeinsam künstlerisch tätig zu sein, erklärt der Vorsitzende Arne Frercks. Es gehe um die Erfahrung, „dass die Kontaktaufnahme einfach ist und man keine Berührungsängste haben muss“, betont der Musiktherapeut. Die Teilnahme ist kostenlos und richtet sich sowohl an Erwachsene als auch an Kinder – sowie Familien wie Einzelpersonen.

Gerade Schulen hätten viele Räume, die man nutzen könne, sagt er und freut sich darüber, dass die Peter-Härtling-Schule diese zur Verfügung gestellt hat: „Das ist nicht selbstverständlich.“ Während in einem Raum die vier Jahreszeiten gemalt werden, wird im Foyer musiziert. Als Inspiration dient eine auf die Leinwand projizierte Wiese. Musikalische Vorkenntnisse seien nicht nötig, so Arne Frercks: „Wir nutzen Instrumente, die fast keine falschen Töne haben.“ Die Klänge von Hang, Tambura und Sansula ergaben ein harmonisches Miteinander, das er „Blumenmusik“ nennt.

Beim Malen wiederum ist René (15) der „Blumenexperte“ und bringt die Pflanzen in bunten Varianten zu Papier. „Das macht Spaß“, sagt er und ist sich darin mit Nina einig, die derweil mit blauer Farbe herumspritzt.

„Das Projekt hat Potenzial“, sagt Arne Frercks, der sich allerdings angesichts der 20 Teilnehmer mehr Resonanz gewünscht hätte. Bedarf sei jedoch vorhanden, „denn solche Angebote gibt es in Schleswig zu wenig“, findet er – daher werde es 2019 eine Fortsetzung geben. Künftig soll die Aktion am Wochenende stattfinden. „Viele Eltern haben uns gesagt, dass sie es Freitagnachmittag zeitlich nicht schaffen“, sagt die zweite Vorsitzende Melanie Borth.

Neben dem „Tikibaboo-Freitag“ bietet der Verein Veranstaltungen und Workshops in den Bereichen Musik, Theater, Literatur, Film und bildende Kunst für Menschen jeden Alters an. „Einrichtungen, die so etwas machen möchten, können uns gerne kontaktieren“, so Borth. Zudem würden sie sich über Kooperationen mit anderen Gruppen sowie weitere Mitstreiter freuen.


> Kontakt: Arne Frercks, Tel. 04621 / 421 78 31, und Melanie Borth, Tel. 04621 / 48 40 58, oder per E-Mail an tikibaboo@web.de

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