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Verunsicherte Autofahrer : Mais-Ernte: Es wird eng auf den Straßen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Anlieger klagen über Lärm, Autofahrer fürchten Begegnungen mit den schweren Schleppern. Die Polizei beginnt im Kreis Schleswig-Flensburg erst Ende nächster Woche mit ihren Kontrollen.

Auf dem Land herrscht Hochbetrieb. Wegen des guten Wetters können die Landwirte schon seit mehr als einer Woche ihren Mais ernten – eine Zeit voller Zeitdruck, Hektik – und Hoffnung auf guten Ertrag. Aber die Erntezeit fördert auch immer wieder Konflikte zwischen Landwirten und ihrer Umwelt zu Tage. „Man kann teilweise sein eigenes Wort nicht verstehen, wenn auf der Straße die tonnenschweren Geschosse vorbeirasen“, sagt der Bewohner eines Dorfes nördlich von Schleswig. Nie im Leben halten die sich an ihr Tempolimit.“ Seinen Namen möchte der Mann nicht nennen – schließlich lebt er in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend und möchte sich keinen Ärger einhandeln.

Das gilt auch für eine Frau, die sich, sonst nicht besonders ängstlich, von den maisgefüllten Kolossen geradezu bedroht fühlt. „Wenn mir so ein Trecker auf einer schmalen Straße auf dem Lande entgegenkommt, wird mir immer ganz mulmig. Ich habe das Gefühl, dass die Geräte immer größer werden und die Fahrer immer jünger. Viele nehmen keine Rücksicht und vertrauen auf die Kraft des Stärkeren. Man drückt sich mit seinem Wagen natürlich in den Knick, wenn ein Reifen des entgegenkommenden Schleppers höher ist als das eigene Auto.“

Rund 80 Prozent der Landwirte nehmen die Dienstleistung eines Lohnunternehmers in Anspruch, sagt Eckard Reese, der Geschäftsführer des Landesverbandes. Seine Vereinigung vertritt die freien Unternehmer, die von Landwirten mit der Erntearbeit beauftragt werden. Gerade zur Maisernte herrscht in diesen Unternehmen Hochsaison – jetzt verdienen sie ihr Geld. Die Landwirte stehen Schlange, ein Auftrag nach dem anderen wird abgearbeitet. Und Zeit ist Geld, denn die Unternehmen werden je nach Absprache nach Zeit oder nach Menge bezahlt. Die Anzahl der Beschwerden ist zurzeit relativ gering, sagt Reese. „Das liegt natürlich auch an dem trockenen Wetter – die Straßen werden nicht so stark verschmutzt wie beispielsweise im vergangenen Jahr. “

Dass es die Lohnunternehmer während der Erntezeit eilig haben, den Mais einzubringen ist unstrittig. Das bestätigt auch Eckard Reese: „In dieser Zeit stehen alle unter Strom.“ Dann wird jeder Mann gebraucht. Und auch die Auszubildenden zur Fachkraft Agrar-Service sitzen dann schon mal am Steuer – mit dem Führerschein Klasse T (Trecker) für Fahrzeuge, die nach ihrer Bauart zur Verwendung für land- und forstwirtschaftliche Zwecke bestimmt sind und für solche Zwecke eingesetzt werden. Reese stellte aber auch klar: Für solche Gespanne gilt ein Tempolimit von 40 Kilometern pro Stunde.

Die verschmutzten Straßen und Trecker, die gerade in der Dämmerung und in der Nacht schwer zu erkennen sind, haben auch die Polizei auf den Plan gerufen. Das Bezirksrevier plant wie in den Vorjahren eine Schwerpunktkontrolle. „ Dabei geht es in erster Linie um die technische Sicherheit der Schlepper, die Beleuchtung und die mögliche Verschmutzung der Straßen“, sagte Markus Langenkämper, Sprecher der Polizeidirektion in Flensburg.

Dabei gibt es allerdings ein Problem. Weil die Polizei eine weit im Voraus planende Behörde ist, wurde der Termin für diese Kontrolle nach Erfahrungswerten bereits vor Monaten festgelegt. Und zwar auf den 9./10. Oktober. Da in diesem Jahr die Ernte sehr viel früher begonnen hat, sind die Beamten ins Grübeln gekommen. Langenkämper: „Hoffentlich kommen wir nicht zu spät mit unseren Kontrollen.“

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erstellt am 30.Sep.2014 | 12:00 Uhr

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