Landestheater : "Magischer Moment" für Notbehelf

Aus dem Foyer des Stadttheaters wurden jetzt die neuen Kammerspiele / Die einzige verbliebene Bühne des Landestheaters in Schleswig

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29. Oktober 2011, 07:17 Uhr

schleswig | Das Foyer des Schleswiger Stadttheaters ist derzeit nicht wiederzuerkennen. Aus dem großen Raum, in dem das Publikum während der Aufführungspause in Plauderlaune Bier und Sekt zu sich nahm, ist ein kleines Theater geworden: die neuen "Kammerspiele", nachdem die bisherige Studiobühne wegen der Einsturzgefahr des Daches über dem Großen Saal - die SN berichteten - geschlossen werden musste. Die Einweihung der neuen Spielstätte fand gestern mit der Präsentation des Kleist-Films "Der zerbrochene Krug" statt.

Generalintendant Peter Grisebach war seine süßsaure Gemütslage anzumerken, als er zuvor seine neue Bühne präsentierte. Einerseits war er, ganz Theater-Mann, froh über den "magischen Moment" und auch ein bisschen stolz darauf, dass mit Bordmitteln eine durchaus probate Bühne eingerichtet werden konnte. Andererseits "hatte ich mir noch vor einem Jahr nicht träumen lassen, dass dieser Notbehelf einmal die einzige Bühne in Schleswig sein würde, die das Landestheater noch bespielen kann".

84 Besucher, nicht viel weniger als bisher in den "normalen" Kammerspielen, haben jetzt auf den aufsteigenden Rängen in dem umgebauten Raum Platz. Verdunkelung, Schalldämmung (zum Schlei-Ufer hin) und Akustik scheinen in Ordnung zu sein, sodass zum Beispiel dem für den 5. November geplanten "Kleist-Abend" auf der Basis einer ambitionierten Text-Collage nichts mehr im Wege steht. Liebhaber von Erkenntnissen über Tod und Kreativität sollten angesichts des Platz-Kontingents frühzeitig an der Kasse auftauchen.

Ein Höhepunkt auf der provisorischen Kammerspiel-Bühne wird mit Sicherheit die Premiere von "Das andalusische Mirakel" (am 30. Dezember) sein - eine Zusatz-Inszenierung zu Gunsten der Spendensammlung für einen Neubau des Theaters. Außerdem werden in den ersten Monaten 2012 dort auch etliche Stücke für Kinder und Jugendlichen Premiere haben.

Apropos Neubau. Schon in den nächsten Tagen soll ein riesiges rotes Transparent an der westlichen Seite des Bühnenturms befestigt werden, ein nicht ganz unkritisches Unterfangen angesichts der Fragilität von Gebäude und Untergrund. "Ein Theater für Schleswig!" wird auf dem Plakat prangen, zusammen mit den Hinweisen auf die Unterstützer Nord-Ostsee Sparkasse und Theaterfreunde Schleswig e.V.. Gesponsert wird das Plakat von der Firma Dreisatz in Schleswig.

Nach dem einhelligen Votum der Ratsversammlung für den Erhalt des Theater-Standortes Schleswig "laufen jetzt die Bemühungen um Förderzusagen auf Hochdruck", wie Theaterchef Grisebach versicherte. Ein multifunktionaler Neubau des Stadttheaters könnte, wie berichtet, bis zu 20 Millionen Euro kosten. Inzwischen sind "für mehr als 700 000 Euro" (Grisebach) Spendenzusagen eingegangen.

Bei der Nospa (BLZ 217 500 00) gibt es dazu das Sonderkonto 2014. Bis Ende 2014 soll das neue Schleswiger Stadttheater möglichst an alter Stelle in den Boden gerammt sein - ein sehr ehrgeiziges Unterfangen. Doch Grisebach hofft, schon Anfang Dezember "belastbare Auskünfte" über Förderzusagen geben zu können.

Ein Gutes haben die im Ex-Foyer eingerichteten Kammerspiele übrigens: Die von der Stadt geplante Abstützung der Dachkonstruktion durch eine Stahl-Armierung dürfte jetzt überflüssig geworden sein.

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