zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

19. August 2017 | 02:33 Uhr

Schleswig : Machtlos gegen verfallene Häuser?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Helge Lehmkuhl (CDU) sagt den Ruinen in der Stadt den Kampf an: „Sie sind eine Gefahr für die Allgemeinheit und müssen weg.“

Gruselige Szenerie am Hesterberg Nr. 6: Ratten flitzen immer wieder über das Grundstück, an der bröckelnden Hauswand bewahrt ein Fangnetz Passanten vor herunterfallenden Steinen, Unkraut wächst aus Fugen der grauen Eternit-Verkleidung. Die Nachbarn und Anwohner müssen diesen Anblick nun schon seit über 15 Jahren ertragen – und die Stadt ist offenbar machtlos.

Schrott-Immobilien wie diese: Davon gibt es im ganzen Stadtgebiet noch mehr. Zum Beispiel im Domziegelhof 33a oder auch am Husumer Baum. Häuser, deren Bewohner schon lange das Weite gesucht haben. Jahr für Jahr gammeln die Ruinen dann vor sich hin, trotzen dabei aber standhaft dem endgültigen Zusammenbruch.

„Die verfallenen Häuser sind nicht nur ein Ärgernis für die Nachbarn, sondern auch eine Gefahr für die Allgemeinheit,“ betont Helge Lehmkuhl (CDU), der derzeit den Schleswiger Bürgermeister Arthur Christiansen vertritt. Denn wegen der kaputten Fenster und Haustüren könne jeder Eindringling Unheil anrichten, und das nicht nur zu Silvester durch Feuerwerkskörper. Lehmkuhl hat sich deshalb das Thema Schrott-Immobilien und deren Beseitigung auf die Fahnen geschrieben.

Zunächst möchte er in Erfahrung bringen, ob die Stadt in der Vergangenheit alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft hat, die Eigentümer heranzuziehen. Doch dafür müssen diese erst mal ausfindig gemacht werden. „Und das ist oft schwierig“, meint Lehmkuhl. Von einigen Ruinen-Besitzern sei der Aufenthaltsort völlig unbekannt.

Zudem wurde schon einmal ein juristischer Trick zum Schaden der Stadt angewandt: So hatte der einstige Eigentümer eines einsturzgefährdeten Hauses in der Bahnhofstraße einfach beim Grundbuchamt sein „Eigentumsrecht“ aufgegeben. Das war vor fünf Jahren. Durch diesen Kniff entzog er sich damals allen Kosten, die durch den notwendigen Abbruch seines Hauses entstanden waren. Darauf war die Stadt sitzen geblieben.

Schwierig bleibt indessen die Lage für die Nachbarn des Hauses Hesterberg 6. Schon vor zehn Jahren schrieben die SN über diesen Fall sowie über die Not der Nachbarn dort. Und während all der Jahre müssen seither Ordnungsamt und Bauamt der Stadt auf dem Grundstück das Schlimmste verhindern: Die Rattenplage beseitigen lassen durch den Kammerjäger und Sicherungsmaßnahmen vornehmen am Gebäude. „Wir haben es mit verantwortungslosen Haus-Eigentümern zu tun, die den Steuerzahler Geld kosten“, sagt Lehmkuhl. Deshalb müsse man jetzt verstärkt alle Schritte prüfen, um Abhilfe zu schaffen.

Auch Nachbarn im Domziegelhof schauen auf ein Haus (Nr. 33a ), in dem glatt der Räuber Hotzenplotz sein Unwesen treiben könnte. Gardinen hängen nach draußen, und ein halboffenes Fenster bewegt sich im Wind. Es ist bitter für die Bewohner nebenan, die ihre eigenen Häuser bestens auf Vordermann gebracht haben. Der Domziegelhof ist eine angenehme Wohnstraße, mit Ausblicken auf die Schlei.

„Die Schrott-Immobilien müssen weg“, bekräftigt Lehmkuhl und kündigt an, dass demnächst vor dem Bauausschuss geklärt werden solle, was die Stadt gegen die Schandflecke unternehmen kann.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Apr.2015 | 18:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen