zur Navigation springen

Vor der Jahresversammlung : Machtkampf in der Feuerwehr

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kritik an Wehrführer Sönke Schloßmacher. Michael Ramm tritt bei der Wahl nächste Woche gegen den Amtsinhaber an.

Es könnte hoch hergehen nächsten Freitagabend im Waldschlösschen, wenn sich die Schleswiger Feuerwehrkameraden zu ihrer Jahresversammlung treffen. Denn bei der Wahl des Wehrführers kommt es zu einer Kampfabstimmung: SSW-Ratsherr Michael Ramm (54) tritt gegen Amtsinhaber Sönke Schloßmacher (43) an – Ausgang ungewiss.

Schloßmacher, von Beruf Hausmeister im Wikingturm, hat sich in den zurückliegenden sechs Jahren den Unmut mehrerer Mitglieder zugezogen. „Fachlich ist er eine Eins. Aber menschlich bekommt er das nicht hin“, sagt ein Brandschützer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Er hat einigen Leuten vor den Kopf gestoßen.“ So soll Schloßmacher, der in Doppelfunktion auch Führer des Löschzuges Friedrichsberg ist, gewisse Kameraden bevorzugt und sie zum Beispiel auf Lehrgänge geschickt haben, obwohl sie eigentlich gar nicht an der Reihe gewesen wären. Und: „Kritik bügelt er einfach ab.“

Schloßmacher wollte sich auf SN-Nachfrage weder zu den Vorwürfen äußern, noch zu der Tatsache, dass es einen Gegenkandidaten gibt. Im Vorfeld der Versammlung wolle er keine Unruhe. Es handele sich schließlich nicht um ein politisches Amt, sagte Schloßmacher. „Ich bin amtierender Wehrführer. Ich habe in der Stadt den Brandschutz sicherzustellen.“

Auch Ramm gibt sich betont zurückhaltend. Mehrere Kameraden hätten ihn gebeten, sich um das Amt des Wehrführers zu bewerben, erklärte er lediglich. „Wir machen keine Politik. Die Mitglieder sollen am Freitagabend frei entscheiden können.“

Klar ist aber, dass beide Seiten hinter den Kulissen ihre Truppen formieren. „Sönke Schloßmacher schwört seine Leute ein“, sagt ein Insider. Für den Wehrführer kommt es auf jede Stimme an. Selbst in seinem eigenen – dem Altstädter zahlenmäßig unterlegenen – Löschzug haben die kritischen Töne zugenommen. Allerdings genießt er bei den Friedrichsberger Blauröcken nach wie vor großen Rückhalt.

Schloßmacher hatte den Posten des Wehrführers im Mai 2008 von Dieter Rades übernommen, der nach elf Jahren aus Altersgründen nicht wieder angetreten war. Obwohl ohne Gegenkandidat, bekam Schloßmacher bei seiner Wahl nur 66 von 92 Stimmen. 19 Kameraden votierten gegen ihn, sieben enthielten sich.

Sein jetziger Kontrahent Ramm ist vor sechs Jahren aus beruflichen Gründen nach Schleswig gezogen. Er arbeitet als Hausmeister in der A.-P.-Møller-Schule. Im Löschzug Altstadt ist er als Löschmeister bislang nur einfaches Mitglied. Ramm verfügt aber über reichlich Chef-Erfahrung. So stand er von 1991 bis 2003 an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Eckernförde. „Michael Ramm war ein hervorragender Wehrführer, hat unheimlich viel Engagement gezeigt“, sagt Rendsburg-Eckernfördes Kreisbrandmeister Mathias Schütte über den Träger des Schleswig-Holsteinischen Feuerwehr-Ehrenkreuzes in Silber. „Es hat Spaß gemacht, unter ihm zu arbeiten.“

Ramm, Schüttes Vor-Vorgänger als Wehrführer in der Ostseestadt, ist ein Mann, der gerne Ämter anhäuft. Parallel zum Spitzenposten in der Feuerwehr engagierte er sich in der Kommunalpolitik, saß für den SSW sowohl in der Eckernförder Ratsversammlung als auch im Kreistag. Bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr eroberte Ramm einen Sitz in der Schleswiger Ratsversammlung und übernahm den Vorsitz im Werkausschuss.

Auch wenn sich beide Kandidaten vor der Jahresversammlung in der Öffentlichkeit zurückhaltend präsentieren, könnte der Machtkampf in der Schleswiger Feuerwehr nächste Woche eskalieren. „Ich würde mich nicht wundern, wenn noch schmutzige Wäsche gewaschen wird“, sagt ein Kamerad mit sorgenvoller Miene.

 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 21.Feb.2014 | 14:28 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen