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Unternehmen aus Sörup : M. Jürgensen baut 60 Stellen ab

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Söruper Unternehmen leidet unter der Krise im Schiffbau und dem Zusammenbruch US-amerikanischer Öl- und Gasproduzenten.

von
erstellt am 01.Jun.2016 | 07:17 Uhr

Das Söruper Traditionsunternehmen M. Jürgensen muss Personal abbauen. Von 360 Mitarbeitern im Jahr 2015 schrumpft die Belegschaft nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Willim auf rund 300. Mit den Entlassungen reagiert das Unternehmen, das vor allem Motorenteile für Schiffe und Pumpen herstellt, auf die anhaltend angespannte Lage auf dem Weltmarkt. Betroffen sein werden in erster Linie Leiharbeitnehmer und befristet Beschäftigte. „Aber leider müssen wir uns auch von einigen Mitarbeitern der Stammbelegschaft trennen“, so Willim.

Für den Schiffbau ist die Lage auf dem Weltmarkt derzeit ernüchternd. Seit Jahren machen weltweite Überkapazitäten der Branche zu schaffen. Das macht sich bei Zulieferern wie M. Jürgensen bemerkbar, deren Exportquote bei über 80 Prozent liegt. Der Abschwung reicht bis Sörup, auch wenn der am schlimmsten von der Krise betroffene Markt für große Tank- und Containerschiffe nicht beliefert wird. Die in Angeln gefertigten Zylinderlaufbuchsen für Vier-Takt-Motoren finden eher bei Kreuzfahrern, in kleineren Spezialschiffen für den Feeder-Verkehr (Verteiler für große Schiffe und Containerhäfen) und den Offshore-Bereich Verwendung. Letzteres ein Segment, das gegen den Trend stabil ist und vor allem deutschen Werften derzeit Aufträge verspricht. „Insofern kommen wir mit einem blauen Auge davon“ sagt Willim.

Die weltweite Schiffbaukrise ist allerdings nicht das einzige Problem, mit dem sich das Unternehmen derzeit herumschlagen muss. Ebenso gravierend sind die Auswirkungen des Ölpreisverfalls. Denn nachdem amerikanische Frackingfirmen zunächst selbst zu einer Ölschwemme und damit sinkenden Rohölpreisen beigetragen hatten, wendet sich der Markt durch stetig weiter gesunkene Preise inzwischen gegen die Firmen, von denen seit vergangenem Jahr etliche in die Insolvenz geraten sind. Weil M. Jürgensen die Öl- und Gasfirmen in den USA mit Pipeline-Pumpen beliefert, gehen auch hier die Umsätze entsprechend zurück.

„Wir durchleben zurzeit mehr als nur einen normalen Abschwung“, erklärt Willim, existenzbedrohend sei die Lage aber keinesfalls. „Dennoch müssen wir Anpassungen in allen Bereichen vornehmen, weil wir sehr personalintensiv arbeiten.“ Vor allem Leiharbeiter und Mitarbeiter mit befristeten Verträgen trifft die Personalreduzierung. Von den Festangestellten müssten noch weitere zehn bis zwölf Mitarbeiter gehen, sagte er gestern. Die Probleme durch Kurzarbeit zu lösen, macht aus Sicht Willims keinen Sinn, denn die Krise werden länger andauern. „Der negative Trend wird auch 2017 anhalten, mindestens bis ins erste Halbjahr.“

Die Mitarbeiterzahl bei M. Jürgensen schwankte bereits in den vergangenen Jahren zum Teil recht deutlich. In der Wirtschaftskrise 2009/2010 ging die Mitarbeiterzahl auf 250 zurück, um sich dann wieder zu erholen. 2014 arbeiteten nach Angaben des Geschäftsführers rund 300 Menschen bei M. Jürgensen, im vergangenen Jahr waren es 360. „Wir sind eben auf einem außerordentlich volatilen Markt unterwegs“, so Willim, der hofft, dass sich das Blatt spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2017 wieder wendet.

 

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