Alissa Walser im OLG : Literarische Reise zum animalischen Magnetismus

Alissa Walser (links) nach der Lesung: Im OLG stellte sie ihren neuen Roman 'Am Anfang war die Nacht Musik' vor. Foto: Jensen
Alissa Walser (links) nach der Lesung: Im OLG stellte sie ihren neuen Roman "Am Anfang war die Nacht Musik" vor. Foto: Jensen

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14. Februar 2011, 10:23 Uhr

Schleswig | Sie ist die Tochter von Martin Walser und sie ist Schriftstellerin wie ihr Vater. Mehr wussten viele der rund 150 Gäste im Plenarsaal des Oberlandesgerichts nicht über den Gast, den die "Gesellschaft für Justiz und Kultur" zu ihrer jüngsten Lesung begrüßte. Doch Gastgeberin Konstanze Görres-Ohde verstand es schnell, den literarischen Rang Alissa Walsers hervorzuheben - nicht zuletzt mit den Hinweis auf ihren Sieg beim renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 1992.

Dann begann die so Gerühmte aus ihrem neuen Roman zu lesen: "Am Anfang war die Nacht Musik". Sie verlangte ihrem Publikum einiges an Konzentration ab. Mit ihrer hohen dünnen Stimme glitt Walser durch die Kapitel. Die zierliche Frau mit schwarzen Haaren und schwarzem Kostüm verschwand fast hinter der schwarzen Decke des Lesetischs.

Wer jedoch aufmerksam zuhörte, erlebte eine mitreißende Geschichte aus dem Wien des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stand der damals ebenso berühmte wie umstrittene Arzt Franz Anton Mesmer (1734-1815) und seine Patientin Maria Theresia Paradis, eine virtuose Klavierspielerin, die in einer traumatischen Nacht erblindete, als sie drei Jahre alt war.

Mesmer gab ihr die Sehkraft zurück - mit seiner Methode des "animalischen Magnetismus", die schon in der damaligen Schulmedizin als Scharlatanerie galt.

Doch um die wissenschaftliche Substanz von Mesmers Methoden ging es Walser nicht. Sie ging der zwischenmenschlichen Beziehung zwischen dem Arzt und seiner jungen Patientin auf den Grund. "Mich reizte der Blick auf das Blinde, das Stumme, auf das, was nicht zu erklären ist". Die Idee, etwas über Franz Anton Mesmer zu schreiben, sagte sie, entstand in ihr schon als junge Kunststudentin in New York. Ein Professor dort bezeichnete jedes Bild, das ihn begeisterte, als "mesmerizing" (faszinierend). Der Begriff wurde unter ihren Kommilitonen zum geflügelten Wort - und für Alissa Walser wurde Mesmer schon allein wegen seines Namens "mesmerizing".

Die nächste Lesung im OLG ist am Donnerstag, 10. März, um 19 Uhr mit Brigitte Kronauer.

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