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„Die Schöpfung“ im Schleswiger Dom : Lichter-Show ging daneben

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Musik und Farb-Spiele passten bei der „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn nicht immer zusammen.

Musik und Farbe. Am Sonntagabend wurden während eines Konzerts im voll besetzten Schleswiger Dom zwei Sinnesebenen miteinander verquickt und szenisch zur Darstellung gebracht – das Hören und das Sehen. Zum einen führten der Schleswiger Domchor, Mitglieder der Dom- und der Jugendkantorei und die Kammer-Sinfonie Bremen unter der bewährten Leitung von Rainer Selle das Oratorium „Die Schöpfung (Hob.XXI:2)“ von Joseph Haydn auf. Als Solisten waren die Sopranistin Tanya Aspelmeier, der Tenor Marcus Ullmann sowie Kai-Uwe Fahnert (Bass) angereist. Zum anderen spielte die eigens für die Aufführung entwickelte Lichtkomposition von Gisela Meyer-Hahn eine weitere Hauptrolle. Mit „Licht und Farbe, Klang und Raum“ wollte die Künstlerin, so war im Begleittext zu lesen, „Bekanntes und Unbekanntes verbinden“ und die Grenzen der eigenen Wahrnehmung erweitern.

Dabei zog sie den gesamten Kirchenraum mit ein: Wände, Decke, Pfeiler erschienen in unterschiedlichen Lichtern und Farben. Sehr schön und einfallsreich wurden beispielsweise die Bögen hinter dem Chor angestrahlt, wenn dieser seine Partien sang. Aber auch die Musik, ihr Klang, die Stimmen, sogar die Tonarten, sollten in die „Lichtpartitur“ mit einbezogen werden. Letzteres gestaltete sich indes als Herausforderung, deren Umsetzung nicht immer nachvollziehbar war, weil das Licht sich willkürlich änderte und keinem Tonart- oder Klangfarbenwechsel wirklich folgte. Ferner verpasste die Künstlerin die einmalige Chance, zu Beginn, als der Chor die Worte, „es werde Licht“ intonierte und das volle Orchester daraufhin mit dem ersten kraftvoll strahlenden C-Dur-Klang die Kirche ausfüllte, das Licht in diesem wunderbaren Augenblick erglänzen zu lassen. Es kam zu spät. Überhaupt blieb viel im Dunkel des fahlen Zwielichts. Vom Orchester und den Solisten hätte man gerne mehr gesehen. Auch eine durchgehende Lichtquelle nach Erschaffung der Sonne wäre sinnvoll gewesen. Heller war es dann endlich im Paradies.

Die Solisten zeigten sich zeitweise geblendet von den Scheinwerfern, „Raphael“ war blau, suchte aber bald den Rampenschatten auf, „Gabriel“ sollte golden sein, entzog sich aber rasch dem gleißenden Licht. Manches war nicht ganz frei von unfreiwilliger Komik und merkwürdiger Plattheit. Warum nur erschien auf dem Segel, auf dem neben völliger Leere sich sonst abstrakte, bewusstseinserweiternde Farbkegel bündelten, bei der Erschaffung von Schaf, Kuh und Pferd genau diese Tiere? Kurz erscheinende Positionslichter mit Steuerbord (grün) und Backbord (rot) im Kirchenschiff gehörten noch zu den originellen (hoffentlich beabsichtigten) Einfällen. Was die Künstlerin damit auch immer vorhatte, die Meinung darüber war geteilt. Viele konnten mit der Lichtorgie wenig anfangen, einigen erschien die Beleuchtung beliebig, andere lenkte sie störend von der Musik ab.

Was diese betrifft, herrschte hingegen Einmütigkeit: Chor und Orchester zeigten sich bestens vorbereitet, die Solisten sangen ihren Part mit Bravour, insbesondere Tanya Aspelmeier glänzte als „Gabriel“/„Eva“, wenngleich der Bass fast durchgehend zu tief intonierte und den hervorragenden Gesamtklang eintrübte.


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