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Chanson-Band Friedrich Jr. : Lichter in einer dunklen Zeit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die erste Single „Lichter“ der Chanson-Band Friedrich Jr. steht in den Läden. Die Gruppe um Jan Hamann, der an Krebs erkrankt war, spielt bald wieder Konzerte.

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erstellt am 10.Feb.2015 | 13:19 Uhr

„Es geht um einen schönen Moment, den man mit einem Menschen verbringt, der einem sehr viel bedeutet. Ein Moment, als man besonders glücklich war, ohne tickende Uhr“, sagt Jan Hamann. Vieles in dem Song lasse er auch offen. Klar sei nur: „Jedes Mal, wenn ich ihn singe, denke ich, er verändert sich. Und ich habe beim Schreiben versucht, Menschen am Leben zu erhalten.“ „Lichter“ heißt die Single von Friedrich Jr., die seit kurzem in den Läden steht, die erste eigene CD der Drei-Mann-Band, die der Söruper vor vier Jahren gründete – in seinem Gartenhäuschen sozusagen. Der zweite Vorname seines Vaters ist Friedrich, so entstand der Name der Gruppe, die ausschließlich deutsche Chansons spielt – fröhliche oder gefühlvolle Stücke, ohne politische Statements, mal etwas melancholisch, im weitesten Sinne deutsche Schlager. Ein seltenes Genre, „aber die unbeschwerte Musik kommt bei den Leuten an“, so Hamann.

Doch so bunt die meisten Lieder auch sein mögen. Wenn der 35-Jährige beschreibt, wie es zu „Lichter“ kam, läuft es einem zeitweise kalt den Rücken herunter. Mit dem Tod musste sich der Musiker in den vergangenen Jahren oft beschäftigen. „Es sind bisher einfach wahnsinnig viele Menschen gestorben, die mir wichtig waren, und dann standen kurzzeitig mein eigenes und das Leben meiner Frau auf der Kippe“, erzählt der zweifache Vater, „bedrohlich“ sei das alles gewesen.

Geschrieben hat der Texter und Komponist sowie Leadsänger und Gitarrist der Band den Song, als er und seine Frau ihre schweren Krankheiten – er den Speiseröhrenkrebs, sie einen Herztumor – überwunden hatten. Seine Tante aber war bereits zuvor unheilbar an Krebs erkrankt, und starb. „Sie war immer optimistisch, das hab ich zutiefst bewundert. Als ich die Diagnose bekam, war ich nicht in der Lage, das Ganze so zu betrachten. Ich war meist zutiefst bestürzt.“ Seine Tante sei von Anfang an großer Fan von Friedrich Jr. gewesen, zu vielen Konzerten gekommen. Und sie habe immer zu ihm gesagt: „Jan, macht weiter so, und ihr werdet irgendwann berühmt sein.“

Diesen Satz nehme er sehr ernst. „Ich habe in der letzten Zeit viel fürs Leben gelernt, vielleicht ist das alles irgendwie Teil des Liedes“, sagt er. Hamann ist gerade erst von einer fünfwöchigen Reha in Hessen zurückgekehrt. „Krankheit, Familie und Musik standen in den letzten Monaten wahnsinnig dicht beieinander.“ Ihm geht es jetzt wieder besser, „aber die Angst, dass der Krebs zurückkommt, bleibt“. Vor der Reha ging es ihm gesundheitlich ziemlich schlecht, doch mit Friedrich Jr. ging es weiter. „Mit der Musik lief es ganz gut, bis die Single fertig war. Ich habe den Husten und die Bronchitis ganz gut verdrängen können beim Singen.“ Sogar die Produktion der CD, die nun über das Musik-Label „Timezone-Records“ veröffentlicht wurde, übernahm er selbst. Im November gab es noch zehn Straßenkonzerte, dann ging nichts mehr.

Ihre erste Platte in den Händen zu halten, ist für Hamann und seine Mitstreiter umso mehr ein unglaublich gutes Gefühl. In der Band hat es zwischenzeitlich eine Umbesetzung gegeben. Neben Hamann spielt Bartosz Ruff (37), Lehrer aus Flensburg, weiterhin Akkordeon, Ukulele und Gitarre, doch Kontrabassist Christoph Blumbach hat die Band verlassen. Finn Strothmann (31) ist an seine Stelle getreten. Der Stoltebüller, der jetzt in Flensburg lebt, ist studierter Musiker und Lehrer an der Musikschule Flensburg.

Als Blumbach ging, war auch die Vorproduktion des ersten Albums bereits angelaufen, im Gartenhaus wurde fleißig gearbeitet. Der Wechsel in der Band war aber kein Rückschlag. „Wir haben gemerkt, dass wir durch Finns Ausbildung und große Erfahrung, er spielt ja auch bei den Mannheimer Philharmonikern, mehr Möglichkeiten haben, den Kontrabass in unseren Liedern weiter nach vorn zu bringen“, erklärt Hamann, der eigentlich Ergotherapeut, zurzeit aber wie er sagt „Hausmann“ ist. Weil es ihm dann aber immer schlechter ging, lag die Produktion des Albums bald auf Eis, die bis dahin fertigen drei Songs sind deshalb nun auf der Single zu finden, neben „Lichter“ sind das „Gestern bin ich draußen gewesen“ und „Weine nicht“, eine Coverversion des Hans-Albers-Songs.

Doch Hamann ist optimistisch. „Jetzt im Frühjahr sehen wir dann, wie wir mit der Albumproduktion weitermachen.“ Die nächsten Konzerttermine sollen Ende Februar feststehen. Was ihn motiviert, immer wieder auf die Beine bringt? „Durch die Musik kann ich den gesundheitlichen Stress gut vergessen, sie ist für mich auch ein Kampfmittel gegen schlechte Erinnerungen. Aber meine Familie, meine Frau und meine Kinder, sind es, die mich auf den Boden der Tatsachen zurückholen, mich glücklich machen.“ Und was vor allem wichtig sei, egal, wie es ihm gehe: „Das alles heißt nicht, dass ich mit Friedrich Jr. tieftraurige Musik mache - im Gegenteil. Unsere CD ist zwar nur eine CD, aber es steckt viel Hoffnung und Herzblut drin.“

 

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