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Schleswig : Letzter Rettungsversuch für das marode Stadttheater

vom

Schleswigs CDU beauftragt einen Architekten mit der Prüfung der Schäden am Theater-Bau. Die Lokalpolitiker wollen wissen, ob das Gebäude vielleicht doch noch zu retten ist.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 10:52 Uhr

Schleswig | Die CDU bezweifelt, dass der Abriss des Theaters im Lollfuß alternativlos sein soll. Die Union hat den Hamburger Architekten Horst von Bassewitz (81) gebeten, die bisher von der Stadt vorgelegten Expertisen zu bewerten und die Schäden an der Immobilie zu untersuchen. Für Dienstag wurde ein Ortstermin anberaumt. Von dem Ergebnis will die CDU ihr weiteres Vorgehen abhängig machen.
Der Vorstoß der Union ist eine Überraschung. Denn in der derzeitigen Debatte um die Zukunft des Theaters spielte ein möglicher Erhalt des Gebäudes längst keine Rolle mehr. Stattdessen wird seit Januar dieses Jahres darüber gesprochen, auf welche Weise sich das Volkskunde-Museum in ein Theaterdorf verwandeln ließe - und wie man die Finanzierung dieses auf 16,5 Millionen Euro kalkulierten Projekts sicherstellen könne. Lediglich in Insiderkreisen wurde offenbar weiter darüber gestritten, ob man die Immobilie am Lollfuß tatsächlich aufgeben müsse. Darauf lässt jedenfalls ein Schreiben des CDU-Fraktionsvorsitzenden Holger Ley schließen. "Wir haben durchaus auch fachkundige Stimmen wahrgenommen, die uns gesagt haben, dass nach ihrer Einschätzung das Theatergebäude mit relativ geringem Kostenaufwand zu sanieren wäre", so Ley. Unter diesen Hinweisgebern seien auch Architekten gewesen.

Bürgermeister Dahl bleibt skeptisch


Dies nahm die CDU zum Anlass, einen unabhängigen Architekten zu finden, "der uns entweder sagt, dass das Gebäude nicht zu retten ist oder dass mit relativ geringem Aufwand die Standsicherheit des Gebäudes wiederhergestellt werden kann". Fraktionsmitglied Caroline Schwarz stellte den Kontakt zu dem Hamburger Architekten von Bassewitz her. Dieser ist in Schleswig kein Unbekannter. Er zeichnete verantwortlich für die Restaurierung und den Umbau des Landesarchivs in den Jahren 1986 bis 1991. Zudem machte er sich einen Namen beim Umbau des Plöner Schlosses, das heute als Fielmann-Akademie genutzt wird.
Bürgermeister Thorsten Dahl betrachtet den Vorstoß der CDU mit großer Skepsis. Aus seiner Sicht ist das Gebäude für einen vertretbaren Aufwand nicht zu sanieren. "Es ist abgängig und könnte jederzeit einstürzen." Dahl beruft sich auf die Gutachten von zwei Statiker-Büros, die das Gebäude unabhängig voneinander untersucht hätten. Dahl bezweifelt, ob der von der CDU beauftragte Experte die Situation ebenfalls fundiert bewerten könne. Dieser sei Architekt und kein Statiker. Sollte von Bassewitz gegen den Abriss eintreten, will Dahl ihn mit der Frage konfrontieren, ob er die Standsicherheit des Stadttheaters garantieren könne.
Wie wenig Dahl an eine Rettung des Stadttheaters-Gebäudes glaubt, lässt sich auch daran ablesen, dass die Stadtverwaltung noch in dieser Woche eine entsprechende Abrissverfügung erarbeiten werde. Zudem ist für Ende Mai eine "Geberkonferenz" geplant, auf der sich die kommunalen Spitzenverbände, Gemeinden und Ämter dazu verpflichten sollen, einen Beitrag für einen Theater-Neubau zu leisten.
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