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Handarbeit in Treias Kirche : Letzter Aufstieg zur Kirchturmuhr

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die über 100 Jahre alte Konstruktion in Treia muss einmal pro Woche aufgezogen werden – Uwe Johannsen gibt die Aufgabe nach 34 Jahren an Peter Weiszhar ab.

Die Menschen in Treia wissen seit mehr als 100 Jahren, was die Stunde geschlagen hat. Grund dafür ist die weithin sichtbare Uhr im Turm der Nicolaikirche, die im Zusammenspiel mit dem Glockenwerk bereits seit 1882 ihre Arbeit verrichtet.

Über den Dachboden der Kirche gelangt man über eine Holzleiter in einen engen Raum, in dem die alte Kirchenglocke und die Technik der Uhr zu sehen sind: Dazu gehören zwei große Kurbeln, mit denen je ein schweres Gewicht mit viel Kraft hochgewuchtet werden muss – auf diese Weise werden Uhrwerk und Schlagwerk aufgezogen. Damit alles reibungslos funktioniert, muss diese Arbeit einmal pro Woche geschehen. Mit dieser Aufgabe hatte die Kirchengemeinde bisher Uhrmachermeister Uwe Johannsen betraut. Der aber hat zunächst sein Ladengeschäft und nun auch nun auch seinen Handwerksbetrieb in Treia aufgegeben und ist nach Freienwill umgezogen. Seit Johannsen sich 1979 als Heimuhrmacher selbstständig machte, hat er jeden Freitag (im letzten Jahr immer donnerstags) die insgesamt 42 Stufen zu seinem Neben-Arbeitsplatz erklommen. „Wenn erforderlich, habe ich gelegentlich auch das Getriebe geölt und einmal auch alles auseinander genommen, gereinigt und wieder zusammengebaut“, sagt Johannsen, „das hat mir auch Spaß gemacht“. Aber damit ist es nun vorbei. Von Freienwill wöchentlich extra nach Treia zu kommen – das lohne sich nicht. Jetzt hat Kirchendiener Peter Weiszhar die Aufgabe übernommen, die Uhr aufzuziehen.

Uwe Johannsen übernahm die Arbeit von seinem Vater Willi Johannsen, der „Uhren Johannsen“ kurz nach Kriegsende in Treia gegründet hat. Er hatte zuvor bei der Firma Wendland in Schleswig als Uhrmachermeister gearbeitet und dort unter anderem die Aufgabe, die Uhr des Domes zu warten, wie seine Tochter Christel Glück berichtet. Die begleitete den Vater gelegentlich auch auf den Kirchturm in Treia. „Das war immer sehr spannend“, erinnert sie sich. Vor Willi Johannsen war für die Kirchenuhr Peter-Friedrich Dethlefs zuständig, der schräg gegenüber der Kirche wohnte und bereits 1890 als Uhrmacher in Treia arbeitete – bis ins stattliche Alter von 90 Jahren. Sein Spitzname „Opa Uhrmoker“ kam nicht von ungefähr.

In der Chronik der Gemeinde Treia ist über die Uhr nur zu lesen, dass die Kirche ihren Turm in den Jahren 1912/13 bekam und man bei der Gelegenheit die „erstmalig 1883 von einem Schleswiger Uhrmacher Haase an der Nordseite der Kirche installierte Uhr am Turm anbrachte“ . Eine große Messingplatte mit der Aufschrift „Geschenk der Treya Spar und Hülfskasse 1882“ weist auf die Finanzierung hin.

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erstellt am 28.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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