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Lesepaten in St. Jürgen : Lesen lernen mit Hilfestellung

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Projekt der St.-Jürgen-Schule und der Domgemeinde ermöglicht benachteiligten Schülern die Teilnahme am Regelunterricht.

von
erstellt am 25.Mär.2015 | 12:08 Uhr

Freiwillig nachmittags zur Lesestunde gehen statt mit den Freunden zu spielen? Für die neunjährige Cecile ist das kein Problem. Im Gegenteil: „Es macht mir sogar Spaß. Ich komme richtig gerne hierher“, sagt sie und strahlt dabei so sehr, dass man es ihr unbedingt abnimmt. Seit fünf Wochen kommt die Drittklässlerin der St.-Jürgen-Schule regelmäßig ins Gemeindehaus der evangelischen Kirche am Brautsee und übt zwei Mal pro Woche das Lesen. Damit ist sie eine von zurzeit 17 sogenannten Lesekindern.

Das gleichnamige gemeinsame Förderprojekt der St.-Jürgen-Schule und der Domgemeinde feiert am Sonnabend seinen fünften Geburtstag. „Und man kann durchaus sagen, dass es eine echte Erfolgsgeschichte ist“, sagt Initiatorin Hedwig Kuchenbecker. Die ehemalige Realschullehrerin hatte zunächst freiwillig ein Mädchen aus Aserbaidschan beim Deutsch-Lernen unterstützt. „Sie war damals in die zweite Klasse geschickt worden, konnte am Regelunterricht aber gar nicht teilnehmen, weil sie so gut wie nichts verstand.“ Das jedoch änderte sich bald. Auch Dank der Lesestunden mit Hedwig Kuchenbecker. „Weil ich gesehen habe, wie viel dieses Extra-Arbeiten dem Kind bringt, wollte ich aus dieser Idee unbedingt mehr machen.“ Gesagt, getan. Das Mädchen macht nun im kommenden Jahr Abitur – und ist gleichzeitig zum Leitbild eines Projektes geworden, das inzwischen seit Jahren von zahlreichen freiwilligen Helfern am Leben gehalten wird.

Neben Hedwig Kuchenbecker gehören dazu auch weitere ehemalige Lehrer und Pädagogen: Annegret Brunkhorst-Hasenclever, Brigitte Grage, Eike Heinz, Doris Riemann, Eveline Hoika, Magrit Smoydzin, Rainer Claudius, Ernst-Günter Nielsen sowie mehrere Freiwillige, die einspringen, wenn Not am Mann ist.

Ihr Einsatz ist wiederum nicht nur ein Segen für die Kinder, sondern auch für Gabi Roder. Die Leiterin der St.-Jürgen-Schule war von Anfang an begeistert von dem Lesekinder-Projekt. „Bei den Schülern, die      mitmachen, merken wir deutlich einen Lesezuwachs. Das Textverständnis verbessert sich, und gleichzeitig entwickeln die Kinder eine ganz neue Fragekultur. Sie trauen sich mehr zu“, sagt Roder.

Das gilt nicht nur für Schüler mit Migrationshintergrund oder Flüchtlingskinder, die ebenfalls schulpflichtig sind und von denen es immer mehr an der St.-Jürgen-Schule gibt. Die Hälfte aller aktuellen Lesekinder kommt aus deutschen Familien. „Viele von ihnen leben an der Armutsgrenze und beherrschen nur einen einfachen Wortschatz. Hinzu kommt, dass manche Kinder eher vor dem Fernseher oder Computer Abendbrot essen als gemeinsam mit der Familie am Küchentisch. Darunter leidet die Kommunikation“, sagt Roder, die gleichzeitig betont, dass das Lesekinder-Projekt auch von der Unterstützung der Eltern abhängig sei. „Sie müssen wissen, dass es wichtig ist für ihre Kinder und dass sie pünktlich zu den Terminen kommen müssen.“

Darauf allerdings achten viele der Kinder, wie etwa Cecile, selbst. Sie sei schon viel besser geworden, sagt sie. Zu Hause liest sie jetzt sogar Harry Potter, manchmal sogar laut, damit der Rest der Familie es auch hören kann. „Von Anfang an war uns wichtig, dass die Kinder Einzelunterricht haben. Das nimmt ihnen die Hemmungen, vor anderen lesen zu müssen“, erklärt Hedwig Kuchenbecker, die in einem Pilotprojekt inzwischen auch Kinder mit Migrationshintergrund, die besonders große Schwierigkeiten haben, morgens aus der Schule abholt und gesondert unterrichtet. Einen weiteren Versuch hat Annegret Brunkhorst-Hasenclever gerade gestartet: der „Familien-Tisch“. Dabei unterrichtet sie syrische Eltern und ihre Kinder gleichzeitig. Im Zentrum steht jeweils ein bestimmtes Thema, zum Beispiel Kochen.

Wer mitmachen möchte bei den Lesepaten kann sich melden unter Telefon 0  46  21/2  53  67.

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