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Kanalgeflüster : Leit-System Dreh-Kulisse Polit-Schock

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der LZ-Wochenrückblick von Redaktionsleiter Dirk Jennert.

shz.de von
erstellt am 12.Jan.2014 | 12:59 Uhr

Das Parkhaus Nienstadtstraße wurde zu einer Zeit gebaut, als die Zahl der Autos kontinuierlich stieg und die Innenstadt die Konkurrenz auf der grünen Wiese nicht fürchten musste. Heute ist alles anders, wie die bisweilen gähnende Leere auf den oberen Parkdecks eindrucksvoll belegt. Doch man kann diese Leere nicht allein mit den immer wieder zitierten wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Innenstadt und sich verändernden Kundenströmen begründen. Manchmal liegt es an ganz profanen Dingen, dass das Parkhaus nicht intensiv genutzt wird und in der Folge entsprechend weniger Kunden die Geschäfte im Umfeld ansteuern. In dieser Woche schaltete die Parkplatzanzeige an der Fassade des Parkhauses gleich mehrfach und grundlos von „frei“ auf „besetzt“ um. Autos fuhren an dem Gebäude vorbei statt hinein. Da zeigte sich, dass ein nicht zuverlässig funktionierendes Parkleitsystem eine geschäftsschädigende Wirkung entwickeln kann.

Wenn man seine Heimatregion aus der Ferne betrachtet, verklären sich manche Dinge. Nicht so bei dem Regisseur Arne Feldhusen, der für das Fernsehen die Reihe „Tatortreiniger“ inszeniert. Der 42-Jährige stammt aus Rendsburg, und das war für uns der Grund, ihn den Leserinnen und Lesern vorzustellen. Natürlich wollten wir von ihm wissen, ob er in seiner Heimat mal einen Film zu drehen gedenke. In anderen Städten wie Kappeln (Drehort des ZDF-Landarztes) haben Projekte dieser Art immerhin einen regelrechten Touristen-Boom ausgelöst. Arne Feldhusens Antwort fiel ernüchternd aus. Er machte deutlich, dass er sich Rendsburg sehr wohl als Drehkulisse vorstellen könne, und zwar „für eine Geschichte über Kleinstadtpolitiker und -bürger“. Ihnen würde er vorhalten, dass sie aus Rendsburg etwas Größeres machen wollen als eigentlich möglich. Na, touristisch werbewirksam wäre das sicherlich nicht.

In dieser Woche ist die Kommunalpolitik aus dem Winterschlaf erwacht. Und seitdem wird in Rendsburg wieder über das seit zwei Jahren auf Eis liegende Thema Hausboote gesprochen. Aus der CDU-Ratsfraktion sickerte durch, dass man einen neuen Vorstoß unternehmen will, um die schwimmenden Immobilien im Stadtgebiet zu verankern. Wo genau? Das steht noch nicht fest. Die CDU scheint offen für sondierende Gespräche mit der Verwaltung und den anderen Parteien zu sein. Bei der Recherche fiel uns auf, dass die verschiedenen politischen Parteien entgegen früherer Gewohnheiten nicht allzu schlecht übereinander redeten. Es gab weder Beleidigungen noch Schuldzuweisungen. Stattdessen klang streckenweise sogar Verständnis für die Position der anderen durch. Man scheint also ernsthaft daran interessiert zu sein, das Thema zu einem guten Ende zu bringen. Nachdem wir diesen Schock überwunden haben, kommen wir zu dem Schluss: Dieses zarte Pflänzchen der Gattung Harmonie sollte man sorgsam behandeln. Dann könnte es in Rendsburg wirklich mal vorangehen.

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