Viele Änderungsanträge zum Wahlprogramm : Leise Misstöne bei den Grünen

Die Grünen während der Mitgliederversammlung im Alten Kreisbahnhof: Es geht um Listenplätze.
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Die Grünen während der Mitgliederversammlung im Alten Kreisbahnhof: Es geht um Listenplätze.

Attacken von Ratsherr Steffen Hempel, Fraktionschef Thaysen zieht sich zurück.

shz.de von
19. Januar 2018, 12:00 Uhr

Die Grünen machen es sich offenbar nicht leicht in ihrem Ringen um das Parteiprogramm für die Kommunalwahlen am 6. Mai. Dabei scheuen sie, wie es scheint, weder Zeit noch Streit. Wer am Mittwoch als Besucher bei der mehr als dreieinhalb Stunden dauernden Mitgliederversammlung des Ortsverbandes im Alten Kreisbahnhof erwartet hatte, einige Einblicke in den Programmentwurf zu bekommen, sah sich getäuscht. Wie ein Geheimpapier wurde er vor der Öffentlichkeit ferngehalten. Allerdings habe das Gründe, meinte Jonas Kähler (22), Vorstand des Schleswiger Ortsverbandes: „Wir haben aktuell noch fast 40 Änderungsanträge zu den einzelnen Programmpunkten laufen, die allesamt berücksichtigt werden sollen.“

Deshalb sollen nun am 27. Januar sowie am 7. Februar noch einmal ganztägige Workshops zum Thema Wahlprogramm stattfinden, um dann schließlich am 20. Februar das Werk in der Mitgliedersammlung verabschieden zu können. Auf diese Weise wolle man am Ende möglichst viele der genannten Vorstellungen in das Zukunftskonzept einfließen lassen. „Wir möchten niemanden, der sich mit uns und für uns Gedanken über das Konzept gemacht hat, vor den Kopf stoßen,“ sagte er.

Genau das war offensichtlich zuvor passiert. Denn Johannes Thaysen, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Rat, entschuldigte sich bei seinen Parteifreunden offiziell für seine „harten Worte“, die bei den Geburtswehen zum Programmentwurf gefallen waren. Weitergehende Informationen über derlei Kritik wollte der Vorstand auf SN-Nachfrage jedoch nicht preisgeben.

Kein Blatt vor den Mund nahm in der Versammlung Steffen Hempel. Er ließ seinen Ärger über Ratskollegin Babette Tewes freien Lauf, als sie für den Listenplatz 1 vorgeschlagen wurde: „Sie ist doch der Grund, weshalb ich ich mich aus der Politik zurückziehe und nicht mehr gern in der Ratsfraktion bin, sie ist eben kein Teamplayer.“ Er habe sich mit ihr „wegen des Bleidaches in Haithabu“ überworfen, erklärte er.

Johannes Thaysen, der – wie er ankündigte – aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auf einem der vorderen Listenplätze für den Rat kandidieren will und sich deshalb auf Platz 6 setzen ließ, meinte denn auch: „Ich habe mich als Fraktionsvorsitzender häufiger um Ausgleich bei meinen Kollegen bemüht, mal ist es mir gelungen, mal nicht.“

Babette Tewes (47), von Beruf Kunsthistorikerin, seit 2013 in der Ratsfraktion und Vorsitzende des Kulturausschusses, wurde auf Listenplatz 1 gewählt. Wahlberechtigt waren in der Versammlung elf Mitglieder; Tewes erhielt sieben Ja- und drei Neinstimmen bei einer Enthaltung.

Auf dem zweiten Platz folgt Jonas Kähler, der sich selbst als „Teamplayer“ bezeichnete („die Fraktion funktioniert nur als Team“). Auf dem dritten Platz steht Dorothee Tams (65). Den vierten besetzt Tarik Pahlenkemper (21), auf dem fünften folgt Steffen Hempel („Hätte gar nicht gedacht, dass man mich hier trotz meiner hemdsärmeligen Art noch wählt!“).

Ziel der Bemühungen bei den Kommunalwahlen sei es, für die Grünen statt der bisher drei dann vier Ratssitze zu erlangen, hieß es.

Auf Nachhaken der SN im Anschluss an die Versammlung, einige Punkte aus dem noch geheimen Zukunftspapier zu nennen, erklärte Jonas Kähler: „Neben starken Themen wie Theaterneubau und Innenstadtsanierung gibt es für uns diesen großen Knackpunkt: Dass der Wohnmobil-Stellplatz am Stadthafen aufgelöst wird!“

Die Absperrung zu diesem Bereich solle verschwinden, so dass die Schleswiger Bürger „freien Zugang zur Schleipromenade“ erhielten. Die Grünen möchten zudem an einer Stelle dort ein Schlei-Informationszentrum errichtet sehen, in dem sich jedermann über den Zustand des Schleiwassers informieren könne. „Außerdem könnte noch ein Bistro dahin. Vor allem aber sollte ein freies Gelände für alle dort entstehen“, sagte Jonas Kähler.

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