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"Capito" und Uni Hamburg : Leichte Sprache kommt gut an

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In einer Studie bewerteten Kunden der Schleswiger Stadtwerke einfach formulierte Briefe positiv

shz.de von
erstellt am 19.Dez.2016 | 12:53 Uhr

Wird der Strom abgeschaltet? Und wenn ja: Wann und warum? Wenn diese Fragen nach dem Lesen des entsprechenden Briefes des Stromversorgers noch immer offen sind, dann ist er offenbar zu schwer zu verstehen. Das Problem kennt jeder: In kompliziertem Behördendeutsch geht die eigentliche Information oft unter.

Gestern wurden passend dazu im „Alten Kreisbahnhof“ die Ergebnisse der Studie „Briefe in leicht verständlicher Sprache der Stadtwerke Schleswig“ vorgestellt. Dahinter verbirgt sich eine Kooperation zwischen der Universität Hamburg, den Stadtwerken Schleswig und dem Projekt „Capito Schleswig-Holstein“, das zu den Schleswiger Werkstätten gehört. Das „Büro für barrierefreie Informationen“ hat dafür Mitte des Jahres drei Schreiben der Stadtwerke in leicht verständlicher Sprache übersetzt und 157 Kunden zur Probe vorgelegt (wir berichteten). Die Studie, die von Prof. Dr. Anke Grotlüschen von der Universität Hamburg geleitet wurde, wurde finanziert von der Wolfsteller-Feddersen-Stiftung und den Stadtwerken.

Die Forschungsfragen des Projektes lauteten: „Sind Briefe in leicht verständlicher Sprache gut zu verstehen?“ Und: „Wie kommen diese Briefe bei den Kunden der Stadtwerke an?“ Die Forscher teilten die Probanden dazu in drei Kategorien (Behinderte, Nicht-Behinderte und Gesamt) ein. Neben der Beantwortung der Fragen gaben die Teilnehmer Bewertungen darüber ab, wie sie die leichte Sprache fanden.

Die Ergebnisse wurden gestern nun von Franziska Bonna und Klaus Buddeberg von der Uni Hamburg vorgetragen. Demnach bewerteten die Teilnehmer die übersetzten Briefe insgesamt als gut verständlich. Besonders wenn es um die Erläuterungen von Zahlen ging, waren die Bewertungen positiv. Buddeberg erklärte dazu, dass es bei den Ergebnissen eine positive Verzerrung bei den Angaben der nicht-behinderten Teilnehmer gebe, da deren Bildungsniveau verhältnismäßig hoch gewesen sei.

Für die behinderten Teilnehmer könnten die Briefe teilweise noch stärker vereinfacht werden. Insgesamt haben aber alle Leser von der einfachen Sprache profitiert, so das Fazit.

Ein weiterer interessanter Fakt ist, dass die Probanden zu ihren Lesegewohnheiten befragt wurden. Hierbei kam heraus, dass insbesondere das Lesen und Schreiben von Kurznachrichten zum Alltag dazugehört. Zwar stünden Nachrichtendienste wie „Whatsapp“ oft in der Kritik, weil sie die Sprache verschandelten, Buddenberg machte aber darauf aufmerksam, dass besonders Menschen mit sprachlichen Problemen durch diese Art der Kommunikation wieder mehr lesen und schreiben.

Die Stadtwerke können ihrerseits viel aus der Studie mitnehmen. „Man muss erstmal ein Bewusstsein für das Problem entwickeln“, erklärte Mitarbeiter Björn Behrens. „Wir stecken ja selbst in der Materie, aber die Kunden brauchen und wollen klare und verständliche Ansagen, davon profitieren wir dann am Ende auch.“

Dass man nicht alle Briefe von heute auf morgen ändern kann, ist den Forschern klar. Sie glauben aber daran, dass sich die einfache Sprache auf Dauer mehr und mehr durchsetzen wird.

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