Bis an die Dänische Grenze : „Lego für Große“: Stromleitung der Superlative kreuzt das Land

Stabilbaukasten für Große: Der Aufbau der bis zu 60 Meter hohen Masten ist nichts für schwache Nerven.
Stabilbaukasten für Große: Der Aufbau der bis zu 60 Meter hohen Masten ist nichts für schwache Nerven.

Tennet investiert rund eine Milliarde Euro in eine 380-Kilovolt-Leitung bis an die dänische Grenze.

shz.de von
31. Mai 2018, 20:33 Uhr

„Aufhalten können uns nur eisige Kälte, zu viel Wind und Bodenbrüter“, sagt Thilo Gronholz. Er ist als Projektleiter dafür verantwortlich, dass in den nächsten Monaten zwischen Kropp und Schuby eine mächtige 380-Kilovolt-Stromleitung entstehen kann. Diese Höchstspannungsleitung, die aus Hamburg kommt und bis 2020 bis nach Handewitt weitergebaut wird, werde nach Fertigstellung zusammen mit einer Westküstenleitung (zwischen Brunsbüttel und Niebüll) und einer Ostküstenleitung (von Hamburg über Lübeck nach Oldenburg in Holstein) sieben Mal mehr Strom transportieren, als die bestehende 220-Kilovolt-Leitung.

Hintergrund ist die Energiewende – die Leitung wird benötigt, um die gesamte im Norden produzierte Windenergie in Richtung Süden transportieren zu können und mit der Fortführung durch Dänemark auch direkten Zugriff, beispielsweise auf den Strom, zu bekommen, der in den Wasserkraftwerken Norwegens produziert wird.

In die drei neuen Leitungen in Schleswig-Holstein investiert der Netzbetreiber Tennet rund drei Milliarden Euro, wie Peter Hilffert, der „Referent für Bürgerbeteiligung“, am Donnerstag zum offiziellen Baubeginn der Strecke von Kropp nach Handewitt erläuterte. Für den ersten Abschnitt bis hinter Schuby hat das Unternehmen LTB Leitungsbau mit Thilo Gronholz den Zuschlag erhalten. „Wir werden in den nächsten Monaten mehr als 100 Trag- (40 Tonnen) und Spannmasten (180 Tonnen) von durchschnittlich 60 Metern Höhe errichten“, erklärt Gronholz, „dafür werden rund 5000 Tonnen Stahl benötigt.“ Dieses Material wird zunächst auf einem unscheinbaren Platz an der Landesstraße zwischen Kropp und Owschlag in Hallen im Kropper Wisentpark gelagert. Später werden noch Lager in der Jübeker Stadionstraße und im Gewerbepark Carstensen in Eggebek eingerichtet.

Die meisten Masten werden auf Feldern aufgestellt
 

Für die Errichtung wurden in der Vergangenheit Vereinbarungen mit den Landeigentümern getroffen. Das häufig unwegsame Gelände wird zunächst auf seine Beschaffenheit untersucht und dann mit Stahlplatten für das schwere Gerät zugänglich gemacht – immer beobachtet von Umweltexperten. „Wenn dann ein Bodenbrüter im Weg ist, müssen wir einen anderen Weg wählen – oder warten, bis die Vögel fertig sind mit dem Brüten“, erklärt Thilo Gronholz ruhig. So ist eben das Geschäft.

Läuft alles wie geplant, werden vier Stahlrohre mit einem Durchmesser von jeweils einem Meter 25 Meter tief in den Boden gerammt und mit Beton gefüllt – Basis für die Füße des Mastes. Die Einzelteile werden dann aus dem Lager an die Baustelle gefahren, zu riesigen, acht Meter hohen Gerüsten zusammengeschraubt und Stück für Stück mit einem Kran in die Höhe gehievt. „Das ist Lego für Große“, sagt Dennis Bock, der Projektleiter von Tennet. Und Thilo Gronholz erinnert sich daran, dass er früher mit einem Stabilbaukasten gespielt hat.

Viel Stahl für eine große Aufgabe:  Thilo Gronholz (li.) und Dennis Bock auf dem Lagerplatz bei Owschlag.
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Viel Stahl für eine große Aufgabe: Thilo Gronholz (li.) und Dennis Bock auf dem Lagerplatz bei Owschlag.

Der Bau von Strommasten aber ist alles andere als ein Kinderspiel. Besonders wenn es letztlich darum geht, die Leitungen anzubringen – ein kompliziertes und nicht ungefährliches Unterfangen, bei dem auch Hubschrauber zum Einsatz kommen. Der Aufbau eines einfachen Mastes dauert nach Auskunft von Gronholz eine Woche, in Hochzeiten sind damit 100 Arbeiter beschäftigt.

Mit den vorbereitenden Arbeiten ist das Unternehmen bereits seit mehr als vier Jahren beschäftigt. In vielen Informationsveranstaltungen hatte jeder Bürger die Möglichkeit, Einwände gegen die Trassenführung vorzubringen. Und so kam es auch, dass die neue Leitung um Klein Bennebek herum gebaut wird, einen Bogen um Tarp macht und auch Einzelinteressen von Anliegern berücksichtigt.

Das Ende der Arbeiten ist für 2020 vorgesehen. „Dann werden wir die alte Trasse abbauen können“, sagt Dennis Bock. Bis der Strom aus den Windkraftanlagen endlich komplett genutzt werden kann, wird noch eine Menge Stahl durch den Norden des Landes transportiert.

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