Schleswig : Lebensgefühl auf Rädern

Oben auf der Rampe: Lars Bürster (vorne Mitte) mit einigen Skaterfreunden und Besuchern der Halle. Fotos: jcw
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Oben auf der Rampe: Lars Bürster (vorne Mitte) mit einigen Skaterfreunden und Besuchern der Halle. Fotos: jcw

Die Skaterfreunde Schleswig planen ihre Zukunft – finanzielle Sorgen machen das nicht leicht.

shz.de von
29. August 2018, 19:22 Uhr

Als Lars Bürster vor 20 Jahren zum ersten Mal auf ein BMX-Rad stieg, gab es keine Zweifel: Das war genau der richtige Sport für ihn. Das kalkulierbare Risiko, der Nervenkitzel und das Erfolgserlebnis durch neue Tricks und Sprünge bei jeder Fahrt, das riss ihn mit. Mittlerweile ist der Sport zu einem Lebensinhalt geworden, auf den er nicht mehr verzichten will. „Wenn du BMX fährst, bist du nie am Ende. Du lernst immer mehr und du kannst überall fahren. Und es wird auch zu einer Art Lebensgefühl“, sagt Bürster. Das war einer der wichtigsten Gründe, warum er von der Westküste Schleswig-Holsteins wieder zurück an die Schlei gezogen ist. Denn hier gibt es einen Ort für Sportler wie ihn: die Skatehalle Schleswig.

Bis 2013 befand die sich noch in einem alten Gebäude auf der Freiheit. Sturm „Christian“ zerstörte sie aber fast vollständig. „Es hat reingeregnet und es hieß, dass sie abgerissen werden sollte“, erinnert sich Lukas Brenzel, der Vorsitzende der Skaterfreunde Schleswig. Eilig suchte er mit seinem Team also nach einem angemessenen Ersatz – und fand ihn an der Flensburger Straße. Eigentlich ist die Halle dort etwas zu klein und zu niedrig. Doch sie erfüllt ihren Zweck, und die Miete ist relativ gering. Und Bürster und Brenzel haben mit den Skaterfreunden einiges aus der alten Halle retten können. Zehn Rampen haben sie wieder aufgebaut, auch eine „Foam-Pit“ haben sie. Dabei handelt es sich um einen Container bis oben hin mit Schaumstoff gefüllt, davor natürlich eine Rampe. Hier können gefahrlos neue Sprünge und Tricks geübt werden, denn die weiche Landung ist garantiert. „So etwas hat nicht jeder“, sagt Bürster.

Die Halle ist mehrfach die Woche von nachmittags bis in die Abendstunden geöffnet. Die Besucher kommen aus ganz Schleswig-Holstein. Sie können hier Skateboard, BMX und Scooter fahren, jene kleinen Roller, die in der unsportlichen Variante jeder schon einmal auf der Straße gesehen hat. Wer ein ähnliches Angebot sucht, muss schon nach Hamburg oder über die Grenze bis nach Pattburg fahren.

Mit der dunklen und kalten Jahreszeit beginnt in der Skatehalle so richtig die Saison, denn Skaten draußen ist nur etwas für gutes Wetter. Die Skaterfreunde sorgen dann für das passende Programm. „Manchmal machen wir zum Beispiel einen Advents-Jam und stellen einen kleinen Contest auf die Beine“, erzählt Bürster. In vorgegebener Zeit gilt es dann für alle Teilnehmer, einzeln auf den Rampen ihr Können zu zeigen. Die Bewertung kommt dann aus der großen Runde. Spektakulär kann es dabei zugehen, muss es aber nicht. „Alle feuern sich gegenseitig an. Wir haben hier eine super Gemeinschaft“, sagt Bürster. Über eine Anlage läuft an den Abenden Musik, manchmal wird gegrillt.

Läuft also alles perfekt in der Skatehalle?

Leider nicht, denn trotz der niedrigen Miete haben die Skaterfreunde finanzielle Sorgen. Zwar haben sie mehrere Sponsoren. Auch zahlen die Besucher der Halle immer einen kleinen Betrag. Und dennoch reicht das Geld nicht. Denn es stehen einige Reparaturen an. Die alten Rampen sind teils nicht mehr in gutem Zustand, haben damals durch Wasser Schaden genommen oder sind einfach in die Jahre gekommen. In den Sommermonaten kommen zudem zu wenig Sportler her. Überhaupt hat Bürster manchmal den Eindruck, dass die Leidenschaft für das Skateboarden und BMXen bei den jungen Menschen nachlässt. „Auch uns fehlt leider der Nachwuchs“, sagt er. Dennoch wollen die Skaterfreunde zuversichtlich bleiben. Sie werden nach weiteren Sponsoren suchen und selbst neue Rampen bauen. Bürster hat konkrete Pläne: „Das ganze Holz liegt schon zu Hause. Sobald der Winter rum ist, geht’s los.“


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