zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

23. August 2017 | 07:03 Uhr

Tierquälerei : Leben mit Kot und Verwesung

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Familie lebte mit 25 Hunden und sechs Kadaver in einem Einfamilienhaus. Jetzt verurteilte das Amtsgericht Schleswig ein Ehepaar aus Hüsby wegen Tierquälerei.

Sie hausten in einem verdreckten Keller, eingesperrt ohne Wasser und Auslauf, die Luft geschwängert vom süßlich-stechenden Geruch ihrer früheren Kameraden, die langsam vor sich hin verwesten. Es fällt nicht schwer, sich das Leiden der vier Collies vorzustellen, die von einer dreiköpfigen Familie in ihrem Hüsbyer Mietshaus gehalten wurden – neben 21 weiteren Hunden – die sechs toten im Keller nicht mitgezählt.

Das Halter-Ehepaar, das mit seinem Sohn mittlerweile in Flensburg lebt, musste sich nun vor dem Schleswiger Amtsgericht für eine „Straftat nach dem Tierschutzgesetz“ verantworten. Der Stein war im Mai 2013 ins Rollen gekommen, als Welpenkäufer den Schleswiger Tierschutzverein über den Gestank im Haus und die Tiere im Keller informierte. Daraufhin folgte eine Besichtigung durch Kreisveterinär Dr. Christoph-Michael Hänel, Polizei und Ordnungsamt. Dabei entdeckten diese unter anderem die vier Collies – zwei davon in kleine Boxen gesperrt.

Die „Durchsuchungsaktion“ emfand der hagere 54-jährige Angeklagte als „nicht ganz rechtmäßig“, zumal das Zimmer seines damals 14-jährigen Sohnes durchsucht worden sei. Nach diesem Vorwurf, den Richter Morten Alpes mit dem Hinweis begegnete, dass dieser Gegenstand eines eigenen Verfahrens sei, überließ der Mann meist seiner Frau das Wort. Schließlich habe er sich kaum um die Hunde gekümmert.

Die 48-Jährige erklärte, an einem Kontaktekzem zu leiden und dass die Hunde ihre zur Therapie dienten. Auf die Vorwürfe angesprochen, sagte sie ruhig, aber betont, die Hündin und der kleine Rüde seien zu ihrem eigenen Schutz in die Boxen gesperrt worden. So konnten sie nicht von den anderen zwei Rüden bedrängt werden. Die von den Zeugen geäußerte Beobachtung, die Hunde hätten kein Wasser gehabt, kommentierte sie lapidar mit: „Das kann sein.“ Sie wehrte sich allerdings gegen Aussagen, wonach neben dem Hundezimmer auch die Waschküche – in der zwei der sechs Hundekadaver lagen – verkotet gewesen sei. Somit widersprach sie indirekt Hänel, der vermutete, die zwei toten Collies seien dort verstorben.

Vielmehr seien fünf der Tiere in ihrem vorherigen Zuhause gestorben und begraben worden – und dann mit nach Hüsby „umgezogen“. Die Kadaver hätte sie zunächst tiefgekühlt, als das Gerät ausfiel, habe man sie im Keller liegen gelassen: „Der Tierfriedhof war zu teuer, über eine Einäscherung wollte ich mich erkundigen.“ Als der Staatsanwalt nachhakte, warum man die lebenden Hunde nicht in den anderen drei Kellerräumen untergebracht habe, antwortete die Angeklagte: „Aber da lagen doch die toten. Und die gehörten ja auch zu mir.“ Als der Richter fragte, ob das nicht stinke, sagte sie: „Nicht im Erdgeschoss.“ Alle drei Zeugen sagten hingegen aus, auch im Erdgeschoss habe es gestunken – „nur nicht so extrem“. Der Veterinär betonte, die Hunde hätten unter dem beißenden Gestank im Keller gelitten. Das Abkoten im Raum sei zudem ein Indiz dafür, dass sie nicht genug Auslauf bekommen hätten. Der Rüde war in der viel zu kleinen Box geradezu „eingeklemmt und hat auf jeden Fall gelitten“. Die Hündin hatte Rückenschmerzen, wenig Muskulatur und wies „Zeichen von Vernachlässigung“ auf.

In seinem Urteil zeigte sich Richter Alpes überzeugt davon, dass die Tiere erheblich gelitten hatten, daher seien die Angeklagten der „quälerischen Tiermisshandlung“ schuldig – der Mann durch Unterlassen. Er erhielt eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro, seine Frau als aktiv Handelnde erhielt 60 Tagessätze zu je 15 Euro. Zudem dürfen sie fünf Jahre lang keine Wirbeltiere halten oder mit ihnen handeln. Denn in der Vergangenheit waren ihnen bereits Pferde abgenommen worden – wegen nicht artgerechter Haltung. Jetzt darf das Paar nicht einmal mehr mit dem Nachbarshund alleine Gassi gehen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 10.Mär.2015 | 07:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen